Einmal föhnen, bitte: Wenn die Hunde aus dem Wasser kamen, war auch für Abkühlung für Herrchen und Frauchen gesorgt. Foto: Mike Bender

Hanau

Lindenaubad beendet mit fünftem Hundebadetag die Freibadsaison

Hanau. Ohne Impfausweis kein Badespaß. Und im Eingangsbereich gilt Leinenpflicht. Die Regeln im Großauheimer Lindenaubad machen stutzig. Aber schließlich sind die Besucher, die schwanzwedelnd den Kassenbereich passieren, keine gewöhnlichen Badegäste.

Von Martina Faust

Außer an diesem einen Tag im Jahr, dem Hundebadetag, wenn das Freibad den vierbeinigen Wasserratten vorbehalten ist und die zweibeinigen vom Beckenrand aus zuschauen – oder mit ins Wasser springen. „Wir baden immer zusammen“, meint das Herrchen von Sam, einem Shepherd-Schäferhund-Mischling, der den unbeobachteten Moment nutzt, um die Schönheiten am Beckenrand ausgiebig zu beschnuppern. „Sam, Nase aus der Dame!“, wird er für seine schnüffelnden Annäherungsversuche prompt zurechtgewiesen. Dann doch lieber nochmal ins kühle Nass.

Dort ist der Andrang groß. Vor allem an den Stufen, die ins Nichtschwimmerbecken führen. Denn nicht jeder – auch wenn er Rambo heißt – springt furchtlos dem geworfenen Bällchen ins Wasser hinterher. Die sechsjährige Border Collie-Hündin Ayla legt sich stattdessen lieber ein paar Meter abseits in den Schatten und überlässt ihrer Tochter Abby das Badevergnügen. „Nanu, du bist doch sonst nicht so wasserscheu“, wundert sich Karin Siebert „Wahrscheinlich ist es ihr zu trubelig“, mutmaßt sie. Denn im Lindenaubad ist ordentlich was los. Schließlich ist das spätsommerliche Wetter wie gemacht für einen Ausflug ins Schwimmbad.

Geimpft und gut sozialisiert

Da muss Karin Siebert schon angestrengt Ausschau halten, um ihre Verabredung ausfindig zu machen. „Ich kann sie noch nicht entdecken“, sagt sie und schirmt mit der Hand ihre Augen vor der Sonne ab, als sie über das Gelände späht. Gemeint sind die Geschwister von Abby. Denn zu einigen der mittlerweile ein gutes halbes Jahr alten Welpen von Ayla hat sie weiterhin Kontakt. „Wir treffen uns regelmäßig und haben uns heute hier verabredet“, erklärt Siebert. Babyschwimmen quasi. Plötzlich hebt sie die Hand und winkt. „Hier sind wir“, ruft sie und schon schießt Paula auf ihre Schwester Abby zu. Jetzt gibt es kein Halten mehr für die zwei Mischlinge. Sie springen ins Wasser – vom Beckenrand! Aber heute gelten andere Baderegeln.

„Wichtig ist, dass die Hunde geimpft sind. Ansonsten stellen wir fest, dass alle Hunde gut sozialisiert sind. Das ist das Wichtigste“, erklärt Uwe Weier, Geschäftsführer der Hanauer Bäder GmbH. Denn tatsächlich gibt es trotz der kunterbunten Mischung an Rassen und Temperamenten keine bellend und beißend ausgetragenen Konflikte. Reizüberflutung und fremdes Terrain sind die Zauberworte. Da bleibt schlichtweg keine Zeit zum Streiten.

Toffifee ist Nichtschwimmerin

Um sich auf die vierbeinigen Badegäste einzustellen, wurde das Wasser zwei Tage nach offiziellem Freibadschluss für die Zweibeiner nicht mehr gechlort und der Wasserspiegel leicht abgesenkt, um den Tieren den Ausstieg zu erleichtern. Ganz geheuer ist das so manchem Hund trotzdem nicht. Der Sprung ins klare tiefe Wasser eines Schwimmbeckens ist eben doch etwas anderes als der Einstieg in den See. Da braucht er hier und da ein wenig Überredungskunst und vollen Körpereinsatz von Herrchen oder Frauchen, die an Leine oder Brustgeschirr sanft zum Badeglück ziehen.

Wie bei Toffifee. Für die knapp zweijährige Old English Bulldog Boxer Mix-Hündin ist es das erste Mal im Wasser. Sie ist quasi Nichtschwimmerin, strampelt aber ganz passabel durchs Wasser. „Wir würden natürlich auch für einen Hund ins Wasser springen, um ihn zu retten“, sagt Weier, der selbst mit Hunden aufgewachsen ist. Daher auch die Idee fürs Hundeschwimmen, das er zuvor schon in Bamberg umgesetzt hat. Erfolgreich – ebenso wie in Hanau. „Das ist heute das fünfte Mal und die Resonanz ist großartig“, blickt er sich begeistert auf dem Freibadgelände um. Knapp 500 vierbeinige Besucher gab es im Vorjahr. „Ich prophezeie, dass wir diese Marke heute knacken werden“, kündigt er an.

Auf der angrenzende Liegewiese präsentieren sich verschiedene Aussteller – Hundeschulen, Tierfachmärkte, Anbieter von Hundezubehör oder -futter, und auch ein Bus der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) ist dort geparkt. Die Hundeschule hundumglücklich bietet in Kooperation mit der HSB ein spezielles Fahrtraining für Hunde an.

Winterpause beginnt am Montag

„Im Vorfeld weiß man nicht, was einen erwartet, wenn man zum ersten Mal mit einem Hund Bus fährt. Wir bieten daher an, den Hund Schritt für Schritt an laute Motorengeräusche, wackeliges Fahren, unterschiedliche Menschen, fremde Gerüche zu gewöhnen“, erklärt Susanne Bach von der Maintaler Hundeschule. Es ist ein Experiment – und ein außergewöhnliches noch dazu. Denn: „Die HSB ist bundesweit das einzige Unternehmen, das an einem solchen Projekt teilnimmt“, erklärt Joachim Haas-Feldmann, Pressesprecher der Stadt Hanau.

Nach dem gestrigen Trubel wird es ab Montag ruhig im Lindenaubad, denn dann beginnt die Winterpause. Die Becken erhalten Eisdruckpolster und dem Wasser wird ein spezielles Überwinterungsmittel zugesetzt. Erst vor Beginn der neuen Freibadsaison erfolgt dann eine Grundreinigung. „Über den Winter werden wir aber noch so manch gefiederten Badegast haben“, hat die Erfahrung Uwe Weier gelehrt.

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