Vorsitzender Achim Reus vor dem Beachvolleyballfeld, das im vergangenen Jahr neu angelegt wurde. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Licht- und Luftbad im Tümpelgarten wird 125 Jahre alt

Hanau. „Im 125. Jahr des Bestehens ist der Verein Licht-Luftbad Hanau im Umbruch und legt seinen Fokus wieder verstärkt auf sportliche Freizeitaktivitäten“, stellte Vorsitzender Achim Reus im Gespräch mit dem Hanauer Anzeiger fest.

Von Thomas SeifertReus war gerade einmal neun Monate Mitglied im Licht-Luftbad Hanau, als er 2017 bei der anstehenden Mitgliederversammlung zum Vereinschef gewählt wurde. „Das war schon etwas überraschend, aber da hörte die langjährige Vorsitzende, die gleichzeitig Pächterin der Gastronomie ist, auf, und um keine Vakanz entstehen zu lassen, habe ich mich bereit erklärt, den Posten zu übernehmen. Auf dieser Sitzung wurde auch beschlossen, wieder sportliche Aktivitäten im Verein zu fördern, auch um die Gemeinnützigkeit zu behalten“, erinnerte sich Reus.

Ein weiterer Beschluss dieser Versammlung war der Bau eines Beachvolleyballfelds, das im vergangenen Jahr eingeweiht worden ist und das von jedermann für 20 Euro die Stunde gemietet werden kann. „Wir konzentrieren uns auf Breitensport, Leistungssport ist nicht unsere Sache, da fallen für Übungsleiter oder Verbandsbeiträge zu viele Kosten an. Regelmäßig ist eine Betriebssportgruppe der Dunlop bei uns zu Gast.

Vorträge zu Beginn

Für die Spieler stehen zum Umziehen zwei Pavillons zur Verfügung und eine Gartendusche zum Erfrischen. Vorbereitet ist bereits der künftige Platz für eine feste Holzhütte zum Umkleiden“, so Reus. In dieses Konzept passt auch die vor Kurzem angelegte Boulebahn, die schon gut frequentiert wird. Wer keine Kugeln hat, kann sich im Vereinsheim kostenlos die Spielgeräte ausleihen, die Boulebahn kann ohne Gebühr benutzt werden.

Sportlich war das Licht-Luftbad früher ein Schwergewicht, denn von Mitte der 80er Jahre bis etwa 2010 wurde Zweier-Prellball gespielt und zwar bis auf Landes- und Bundesebene. Dann blieb der Nachwuchs aus und diese, damals schon exotische Sportart wurde eingestellt. Mit Sport hatten die Vereinsgründer im Jahr 1894 nichts am Hut, sie orientierten sich als „Verein für Gesundheitspflege und Naturheilkunde“ an den Methoden der Wasserheilbehandlung von Vincenz Prießnitz. Folglich gab es zu Beginn auch vor allem Vorträge. Das änderte sich, als am Salisbach unweit des heutigen Beethovenplatzes 1908 das erste Lichtbad entstand.

Kinderkarussell aus den 50ern

Nach der Schließung der Badeanstalt Kinzigbad auf der Insel an der „Alten May“ im Tümpelgarten zog der Verein im Jahr 1961 auf dieses rund 10 000 Quadratmeter große Gelände um und frönte auf einem abgeteilten Bereich nach Geschlechtern getrennt der Freikörperkultur. Erst 1981 gab sich der Verein dann den heutigen Namen. „Rund 60 Mitglieder zählt der Verein, der Altersdurchschnitt ist allerdings sehr hoch, deshalb wollen wir mit den Sportangeboten junge Leute in das Licht-Luftbad locken“, so die Strategie des Vorstands.

In den Nachkriegsjahren wurde auf der Kinziginsel noch zu Zeiten als Badeanstalt das erste feste Gebäude gebaut und nach Übernahme durch den Verein immer wieder erweitert zum Beispiel mit einer Terrasse, die später überdacht wurde. Ein Relikt aus jener Freibadzeit ist noch ein kleines Kinderkarussell in Pilzform aus den 50er Jahren erhalten und funktionstüchtig. Ergänzt wird das Angebot für Kinder mit Schaukeln und einem Kleinkindersandkasten, den sogar ein Sonnensegel überspannt.

Finanzierung durch Verpachtung

Ein Biergarten wurde angelegt, ein nach einer Seite offener und überdachter Holzbau für Veranstaltungen errichtet und eine Außenküche mit zwei Grills gebaut. Derzeit wird in Eigenarbeit und mit Hilfe von Handwerkern der Sanitärbereich mit WC und Duschen saniert. „Das Gelände wird rege für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Taufen und Schulveranstaltungen genutzt. Man kann die Verpflegung mitbringen oder das Gastronomieangebot nutzen, nur die Getränke müssen von den Pächtern gekauft werden“, stellte Reus fest.

Der Verein finanziert sich aus den Einnahmen durch die Verpachtung, durch Vermietung, durch den Beachvolleyballplatz, Bandenwerbung und Beiträge. „Die Gastronomie ist bis zum 3. Oktober geöffnet, dann wird geschlossen und alles winterfest gemacht, denn es gibt keine Heizung. An Ostern öffnen wir wieder“, stellte Reus fest, der anmerkte, dass die Pflege des großzügigen Geländes die Mitglieder auf Trab hält und durch das Alter des Vereinsheims immer wieder Sanierungsmaßnahmen gestemmt werden müssen.

„Eine Insel in Hanau“ lautet der sehr zutreffende Werbespruch des Licht-Luftbads, einer „Idylle an der Kinzig und einer der schönsten Biergärten der Stadt mit einem zur Umgebung passenden und sehr preiswerten Angebot an Speisen und Getränken“, macht Reus noch ein bisschen Werbung für das Vereinsgelände mit Zufahrt von der August-Schärttner-Straße und einigen Parkplätzen. „Aber viel besser ist es, wenn man mit dem Rad kommt oder zu Fuß“, weiß der Vorsitzende.

Im August wird gefeiertDer Verein Licht-Luftbad Hanau feiert am Wochenende 17. und 18. August seinen 125. Geburtstag. Am Samstag gibt es ein Hobby-Beachvolleyballturnier, das wenn es gut angenommen wird, zur ständigen Einrichtung werden kann. Ab 19 Uhr geht es rund mit dem „Sound Express“, verschiedene Gastvereine aus dem Tümpelgarten bereichern das Speisen- und Getränkeangebot. Nach einem Inselgottesdienst am Sonntag, Beginn um 11 Uhr mit Pfarrer Stefan Axmann, spielt zum Frühschoppen und dem folgenden Familienfest die „Marvin Scondo Band“ auf. Für die Kleinen steht eine Hüpfburg bereit. tse

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