Regisseur Leon Herget richtet den Engeln, Katja Gijasow, Ksenija Salic und Asia Sinocchiaro (von links) die Kostüme. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Leon Herget schreibt erneut das Drehbuch für das Krippenspiel

Hanau. Es ist der Alptraum eines jeden Korrespondenten: in eine Region geschickt zu werden, in der nichts los ist. Genau das passiert dem Team, das von seinem Fernsehsender nach Nazareth entsandt wird, um von dort eine spannende Reportage zu liefern. Da werden die beiden Journalisten Zeugen einer unglaublichen Geschichte:

Von Jutta Degen-Peters

Ein Paar namens Maria und Josef, die Frau hochschwanger, muss auf der vergeblichen Suche nach einer Herberge in Bethlehem in seiner Not in einem Stall Zuflucht suchen und das frisch geborene Kind ins Stroh einer Krippe betten. Hirten sind die ersten, die von der Geschichte erfahren: Geboren wird da nicht irgendwer, es ist der Sohn Gottes, der zur Welt kommt.

Mit diesem dramaturgischen Kunstgriff verpasst Leon Herget der Weihnachtsgeschichte ein neues Gewand. Der 15-Jährige hat zum vierten Mal in Folge das Drehbuch für das Krippenspiel geschrieben, das heute Nachmittag im Gottesdienst um 15 Uhr in der katholischen Kirche von St. ELisabeth zur Aufführung kommt. Noch kurz vor der Premiere wuselt der hochaufgeschossene Schüler der Otto-Hahn-Schule überall umher, beruhigt aufgeregte Schauspieler, sorgt dafür, dass jeder und alles an seinem Platz ist.

Kein Neuland

Für Leon ist die Aufgabe des Regisseurs nicht etwa Neuland. „Es ist jetzt das vierte Mal, das ich beim Krippenspiel die Geschichte mit den Texten geschrieben habe“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon mit vier Jahren hat er beim Krippenspiel mitgemacht: „Damals war ich ein Engel“, erinnert er sich. Seine Mutter Andrea, die zum Regieteam gehört, ist seit zwölf Jahren in St. Elisabeth mit der Weihnachtsgeschichte beschäftigt. Auch in diesem Jahr unterstützt sie ihren Sohn gemeinsam mit Susanne Muß und den drei „Mitregisseuren“ Mattis Muß, Julius Vitzthum und Jakob Ziegler.

Vom darstellenden zum gestaltenden Spiel ist der Otto-Hahn-Schüler, der die zehnte Klasse besucht, aus dem Wunsch heraus gekommen, man möge beim Krippenspiel mal etwas Neues auf die Bühne bringen. „Bis vor vier Jahren hatten wir drei verschiedene Drehbücher für unser Krippenspiel“, erinnert sich Mutter Andrea. „Als Leon meinte, es sei doch an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren, habe ich ihm gesagt: Dann musst du halt eine andere Geschichte schreiben.“

Das ließ sich Leon nicht zweimal sagen. In seinem Erstlingswerk ging er, elfjährig, daran, das klassische Krippenspiel in eine modern Sprache zu übersetzen. Im Jahr drauf war er dann schon etwas experimentierfreudiger. Unter dem Titel „Auf der Suche nach... Jesus gefunden“ ließ er drei Kinder aus der heutigen Zeit auf der Suche nach Pokémons durch Engel zum Weihnachtsgeschehen finden.

Die Rolle der Technik

Die Technik spielte auch 2018 eine Rolle. Da führte ein Navi zur Krippe und zum Jesuskind, als eine Familie auf dem Weg zum Urlaubshotel nach Bethlehem gelotst wird. In diesem Jahr, wo das Stück „Live aus Bethlehem“ heißt, sind es nur Kamera und Mikrofon, die als technische Hilfsmittel dienen. Der eigentliche Clou ist die Erkenntnis, dass es die Zeitungen und Rundfunk- und Fernsehsender sind, über die die wichtigen Nachrichten zu den Menschen transportiert werden.

„Die Geschichte zu schreiben, hat mir wieder super Spaß gemacht“, freut sich Leon. „Anfangs ist das ja nur eine Idee, aber wenn das Ganze dann auf der Bühne zu sehen ist, ist das schon ein tolles Gefühl“. Vor diesem „Kick“ steht allerdings eine Menge Arbeit. Denn schon beim Schreiben des Drehbuchs muss Leon nicht nur drauf achten, dass die Weihnachtsgeschichte in ein modernes Gewand verpackt wird. Sie muss auch so beschaffen sein, dass alle 23 Kinder und Jugendlichen darin berücksichtigt werden.

Dass das Krippenspiel immer professioneller wird, ist nicht nur dem Autor und Regisseur zu verdanken. Auch der Vater eines Krippenspiel-Kindes, Taschke, hat Tolles geleistet. Er schreinerte eine ganze Stadt und sorgte dafür, dass nach wackeligen Kulissen aus Holz endlich ein stabiles und professionelles Bühnenbild zur Verfügung steht. „Wir durften bei der Gestaltung mitreden“, sagt Leon und lobt besonders den Thron des Herodes, der imposant geworden ist.

Stolz des Pfarrers

Dass Pfarrer Andreas Weber stolz und glücklich über sein Kreativteam ist, muss eigentlich nicht eigens erwähnt werden. Doch ohne ihn, der die Begeisterung für das Krippenspiel immer wieder neu zu entfachen versteht, wäre die Energie vielleicht auch nicht so groß.

Das Krippenspiel ist keineswegs eine altmodische Angelegenheit, versteht Leon das Thema der Weihnachtsgeschichte zu verteidigen. „Die Zeit damals und die von heute sind nicht so weit voneinander entfernt“, gibt er zu bedenken. Menschen mit bösen Absichten, Armut, die Sehnsucht nach Frieden ‧– das hat sich nicht verändert, findet der 15-Jährige. „Jeder Einzelne sollte dazu beitragen, dass die Welt etwas besser und friedlicher wird“, sagt er. Daher laute der Abschlusstext im heute präsentierten krippenspiel auch: „Mit diesem Kind kommt der Friede Gottes zu euch. Werdet selbst zu Reportern und berichtet jedem davon!“

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