Captain Jack und seine Tänzerinnen rissen mit ihrem Auftritt im Amphitheater alle von ihren Plätzen und sorgten für Partystimmung. Foto: Pauly

Hanau

"Legenden der 80er und 90er" zum Abschluss der Amphitheatersaison

Hanau. Die abendliche Herbstkälte schien das Amphitheater-Publikum bei der letzten Konzertveranstaltung der Saison 2018 mit dem Titel „Legenden der 80er und 90er“ nicht im mindesten zu stören.

Von Andrea Pauly

Ob es an den eingängigen bekannten Discohits lag oder an der Tanzfreude der mehrheitlich russisch sprechenden Besucher, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Die Stimmung war auf jeden Fall mindestens genauso ausgelassen und mitreißend bei den Zuschauern, wie die Show der Protagonisten auf der Bühne.

Das „Line-Up“ der drei angekündigten Bands beziehungsweise Interpreten klang für echte Disco-Fans nicht unbekannt: Kevin McCoy, Ex-Bad Boys Blue, Sounds of Boney M. featuring Sheyla Bonnik und als Höhepunkt dann Captain Jack himself. Die groovigen Sounds kamen großteils aus der Büchse und wurden beim Auftaktkünstler Kevin McCoy von zwei Gitarristen ergänzt.

Keine Imitation, sondern persönliche Interpretation

Schon beim Hit von 1986 „You're my woman“ und dem folgenden „SOS for love“ wurde nicht nur vor der Bühne getanzt. Auch auf den Rängen des zu etwa einem Drittel besetzten Halbrunds gab es kein Halten mehr. Die Damen, aber auch manche Herren legten sich ordentlich ins Zeug. Manche versuchten sich sogar im gemeinsamen Disco-Fox und bei einem Schmusesong konnte man im Amphitheater ein seltenes Phänomen entdecken: Klammerblues zwischen den Stuhlreihen.

„Daddy Cool“, „Sunny“ und „Rivers of Babylon“ und viele andere Boney M.-Hits hatten Sheyla Bonnick und ihre Backgrounds im Repertoire. Die Sängerin und Performerin wurde in Jamaica geboren und ist in England aufgewachsen. Sie war 1975 Mitglied einer frühen, nicht offiziellen Besetzung der Disco-Gruppe Boney M. und gab die Lieder der Erfolgsformation nicht als Imitation, sondern als persönliche Interpretation zum Besten.

Schließlich hieß es dann noch stramm gestanden, als Captain Jack mit seiner Lady die Bühne betrat. Knapp 20 Gold- und Platinauszeichnungen, 40 Millionen verkaufte Tonträger und Welthits wie „Drill Instructor“, „Soldier Soldier“, „Iko Iko“ und „Captain Jack“ – Bruce Lacy und Michelle Stanley gaben eine explosive Vorstellung im atmospärisch gut aufgeheizten Amphitheater in Kesselstadt.

Russisch vor Englisch

Etwas hemmungslos zeigte sich die Selfie-Kultur der Gäste. Da stand auch schon mal der oder die eine andere aus dem Publikum plötzlich auf der Bühne neben seinem Star und ließ sich schnell mal aus der Menge heraus für den privaten Facebook- oder Instagram-Auftritt ablichten.

Die Interpreten nahmen es mit Humor und posierten mit ihren Fans, während breitschultrige Security-Herren immer wieder einschritten und die euphorisierten Selbstdarsteller auf ihren Platz vor der Bühne verwiesen. Das meist gehörte Wort an diesem Abend kam übrigens nicht aus dem Englischen, wie die gesungenen Titel hätten vermuten lassen, sondern lautete „Spasibo“ (auf Russisch: Danke) – mit dem sich die Interpreten nach jedem Song bei ihren begeisterten Zuschauern bedankten.

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