Gesichert wird der Fußgängerbereich mit absenkbaren Pollern, die in den Kreuzungsbereichen Steinheimer und Hirschstraße aufgestellt werden. Frei befahrbar sein soll die Langstraße für Liefer- und Kundenverkehr oder Handwerksbetriebe in der Zeit zwischen 6 und 11 Uhr. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Langstraße: Stadt informiert Anlieger über Fußgängerzone-Plan

Hanau. Nachdem die Stadt Hanau im Mai mit ihrem Plan, in der Langstraße ein sogenanntes Actibump – versenkbare Stahlplatten in der Fahrbahn zur Geschwindigkeitsreduzierung – zu installieren, für bundesweites Aufsehen gesorgt hatte, sind die Planer wie berichtet inzwischen umgeschwenkt:

Von Ulrike Pongratz

Die Langstraße soll stattdessen zur Fußgängerzone werden. Die Stadtverantwortlichen erläuterten Anliegern und Geschäftsleuten nun im Rahmen einer Informationsveranstaltung das dazugehörige Konzept.

Markus Henrich, Betriebsleiter Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur (HIS), zeigte sich am Donnerstagabend sehr zufrieden: Etwa 80 Personen – Hauseigentümer, Geschäftsinhaber und Mieter – waren der Einladung der Stadt Hanau in den Congress Park Hanau (CPH) gefolgt, um sich aus erster Hand über geplante Maßnahmen und Verfahren in der Langstraße zu informieren.

Stadtrat Thomas Morlock, Peter Preis (Verkehrsplanung) und Thorsten Wünschmann, Leiter der Ordnungsamtes, beantworteten nach einer kurzen Einführung und Vorstellung des Konzepts „Fußgängerzone“ die Fragen der unmittelbar betroffenen Bürger. Dabei versuchten die Verantwortlichen auch, vorhandene Bedenken zu entkräften, und warben für die geplante Fußgängerzone.

Verkehrsprobleme waren Ausgangspunkt

Die Verkehrsprobleme in der Langstraße, die als einzige Straße in der Innenstadt befahrbar geblieben ist, waren der Ausgangspunkt für ressortübergreifende, konzeptionelle Überlegungen und Planungen. Stadtentwicklung, Stadtmarketing und Verkehrsplanung fanden auf der Suche nach einer möglichst passgenauen Lösung schließlich die Antwort in der Ausweisung der Langstraße als Fußgängerzone. Damit wird das „autofreie“ Verkehrsnetz geschlossen, das Parken noch konsequenter in die Parkbauten gelenkt.

Insgesamt solle die Langstraße attraktiver werden, so die verantwortlichen Planer, man denke sowohl über eine Umnutzung und Umgestaltung des Parkplatzes nach wie auch über eine offenere Nutzung des Rathauses im Erdgeschoss, denn der Stadtladen wird in das City Center umziehen (unsere Zeitung berichtete). Hellhörig wurden die Vertreter der Stadt, als ein Anwohner über „Gestalten“ auf dem nächtlichen Parkplatz berichtete, und baten darum, Vorfälle tatsächlich anzuzeigen, damit Behörden und Polizei informiert seien und gegebenenfalls frühzeitig reagieren könnten.

Eingeleitet werde das Verfahren durch einen Beschluss der Stadtverordneten nach Paragraf 6 des Hessischen Straßengesetzes mit einer Teileinziehung. Diese ist drei Monate vorher öffentlich bekannt zu machen; die Unterlagen werden zur Einsicht ausgelegt, Einwände und Bedenken können formuliert werden. Anschließend wird die Teileinziehungsverfügung erlassen, gegen diese kann Widerspruch eingelegt werden. Man wolle im Frühjahr 2020 mit den baulichen Maßnahmen in der Langstraße beginnen, die Kosten werden auf rund 60 000 Euro geschätzt.

Sicherung mit absenkbaren Pollern

Gesichert wird der Fußgängerbereich mit absenkbaren Pollern, die in den Kreuzungsbereichen Steinheimer und Hirschstraße aufgestellt werden. Zwischen 6 und 11 Uhr morgens ist die Langstraße für Liefer- und Kundenverkehr oder Handwerksbetriebe frei befahrbar. Die Poller werden elektronisch über Transponder gesteuert, der von der Stadt Hanau an berechtigte Personen ausgegeben wird. Auf Nachfragen erläuterten die Verantwortlichen, dass die Stadt Anwohner, Eigentümer und Geschäftsinhaber proaktiv anschreiben werde.

Die Transponder seien fahrzeuggebunden, aber man wolle es den Anliegern so komfortabel wie möglich machen und sei immer bereit, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Die Andienung der Grundstücke bleibe in jedem Fall gewährleistet. In der Langstraße würden die bisherigen Schilder und Parkscheinautomaten demontiert, man würde entsprechend neue Verkehrsschilder, Fahrradbügel und Bänke aufstellen und Liefer- und Gastronomiezonen einrichten, so Verkehrsplaner Peter Preis, der das Konzept vorstellte.

Parken könnten die Anwohner bis auf Weiteres auf dem anliegenden Parkplatz, einen solchen im öffentlichen Straßenraum vor der Haustüre werde es aber nicht geben. Behindertenparkplätze seien am Anfang und am Ende der Fußgängerzone vorgesehen.

Vermutlich stellvertretend für einige Geschäftsinhaber brachte Optiker Schmidt den Zielkonflikt auf den Punkt: Er sehe die Vorteile für Mieter und Anwohner, befürchte aber auch Kundenrückgang, wenn sein Geschäft nicht mehr direkt anfahrbar sei. Zwei Anlieger äußerten sich dezidiert positiv zur geplanten Fußgängerzone; sie vermuteten, dass letztlich die Vorteile überwiegen und die Langstraße als Wohn- und Geschäftslage von den Maßnahmen profitieren werde.

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