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Wie lang dauert's noch? Eine Frage, die den städtischen Mitarbeitern am Samstag mehr als einmal gestellt wurde. Der Rückstau reichte teilweise bis zum Kreisel am Hauptfriedhof.

Lange Schlangen vorm Bauhof

Geduld und gute Nerven sind bei der Sperrmüllabgabe aktuell gefragt

Wer am Samstag seinen Sperrmüll oder Grünschnitt am Hanauer Bauhof abliefern wollte, brauchte vor allem zwei Dinge: Geduld und gute Nerven.

Denn wie schon in der Woche zuvor, gab es vor der Zufahrt in die Daimlerstraße Rückstaus mit Wartezeiten bis zu eineinhalb Stunden. Lange Schlangen bei den Zufahrten, Maskenpflicht auf dem Gelände, Security, die den Verkehr regelte und die Zugänge zum Eingangsbereich kontrollierte und zusätzlich eine Streife der Ordnungspolizei: Die Atmosphäre auf dem Bauhofgelände ist in diesen Corona-Zeiten schon eine besondere. Besucher, die ihre alten Haushaltsgeräte oder Gartenabfälle entsorgen wollten, fühlten sich mitunter an einen Katastrophenfilm erinnert. 

Allein zehn Mitarbeiter der Hanauer Eigenbetriebe Infrastrukturservice (HIS) bemühten sich generalstabsmäßig um Ordnung und die Aufrechterhaltung von Hygiene- und Abstandsregelungen. Wer zu zweit auf das Gelände kam, in der Hoffnung, dass viele Hände schneller beim Müllentladen sind, sah sich getäuscht. Gemäß den strengen Vorgaben durfte nur eine Person den Kofferraum oder Anhänger entleeren, während der Partner im Wageninneren warten musste. Umso größer der Ärger, wenn Müll mitgebracht wurde, der auf dem Hanauer Gelände nicht entsorgt werden konnte. Allein 60 Fahrzeuge mussten in der vergangenen Woche wieder weggeschickt werden, hieß es. Sonderabfälle, die auf dem Hanauer Bauhof nicht angenommen werden, „weil wir dafür keine Lagercontainer haben“, so Klaus Gimpel, Einsatzleiter der HIS, seien Autoreifen, Lacke und Öle, Glas- und Dämmwolle.

„90 Prozent der Besucher sind vernünftig.“

„Wir wurden auch schon des Öfteren verbal bedroht“, erklärt ein Mitarbeiter, der mit strengem Blick und Maske die Kofferraum-Inhalte kontrollierte. „Einen Ochsen ham' wir immer dabei“, so die lapidare Feststellung zu je‧nen ausfälligen Zeitgenossen. „Aber im Großen und Ganzen halten sich die Hanauer an die Vorgaben.“ Das kann auch Klaus Gimpel bestätigen. Er steht an der Eingangsschranke und verfolgt das Geschehen mit wachsamem Blick. „90 Prozent der Besucher sind vernünftig.“ Und auch in coronafreien Zeiten gebe es hin und wieder ein paar Unbelehrbare. Dabei hatten die Verantwortlichen das Öffnungskonzept im Vergleich zur Vorwoche verändert. Während am Samstag zuvor aus Abstands- und Hygienegründen anlässlich der „neuen Normalität“ nur zehn Fahrzeuge auf das Gelände durften, hatte die Polizei nun für 70 PKWs grünes Licht gegeben. 

So sollten zumindest die Fahrspuren für den Busverkehr vor dem Hauptbahnhof freigehalten werden. Und während in der letzten Woche rund 500 Hanauer ihren Elektroschrott oder Sperrmüll entsorgten, waren es in dieser Woche deutlich mehr, so Klaus Gimpel. Der Rückstau der Warteschlange reichte auch an diesem Wochenende bis zum Kreisel am Hauptfriedhof. Ein Anblick, der bei einigen Verkehrsteilnehmern für Stress sorgte, und, so die Polizei, in einer kleinen Schlägerei gipfelte. Drängler hatten die Ottostraße als Abkürzung entdeckt und versuchten, sich hier an den wartenden PKWs vorbeizumogeln, bis die Polizei dem einen Riegel vorschob. Doch die meisten nahmen es sportlich und ertrugen die Wartezeit. „Es geht halt nicht anders“, so der Kommentar vieler Wartender, und: „Den Müll kann ich ja nicht im Wohnzimmer stapeln.“

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