Als Waffe benutzte er eine abgebrochene Bierflasche, um innerhalb weniger Stunden zwei Raubüberfälle zu verüben. Jetzt muss der 22-jährige Großauheimer dafür büßen. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Landgericht: 22-Jähriger muss wegen zwei Überfallen hinter Gitter

Hanau. Coretta Oberländer wird sehr deutlich in ihrer Urteilsbegründung: „Ohne die Beseitigung Ihrer Suchtprobleme werden Sie den Rest ihres Lebens – mit kurzen Unterbrechungen – in der Justizvollzugsanstalt verbringen. Davon sind wir überzeugt.“

Von Thorsten BeckerAnders als die meisten Angeklagten scheint Sascha P. diese eindringlichen Worte verstanden zu haben. Er nickt mehrfach zustimmend, als die Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer das Urteil gegen ihn verkündet: drei Jahre Freiheitsstrafe wegen zweifachen schweren Raubes.

Der Großauheimer ist erst 22 Jahre alt, hat jedoch bereits eineinhalb Jahre hinter „schwedischen Gardinen“ verbracht, weil das Amtsgericht Hanau 2017 keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat. Wegen Raubes ist er nach Jugendrecht verurteilt worden, weitere Vorstrafen verhinderten, dass er noch einmal mit einer Bewährung davonkommt.

„Dort, in der Jugendhaft, haben Sie sogar Ihre Ausbildung abgeschlossen“, bemerkt die Richterin. P. habe beste Voraussetzungen gehabt, sein Leben zu ändern.

Griff zu Alkohol und Drogen

Doch im Sommer 2019, nach der Verbüßung der kompletten Strafe, kommt es ganz anders. „Sie sind in Ihr altes Leben zurückgekehrt“, so die Vorsitzende. Erneut greift P. zu Alkohol und anderen Drogen.

Nur wenige Tage nach seiner Haftentlassung, am Abend des 26. August, hat sich der 22-jährige „erneut abgeschossen“. An der Großauheimer Hauptstraße überfällt er einen Döner-Imbiss, raubt 350 Euro aus der Kasse. Die Betreiber werden mit einer abgebrochenen Bierflasche bedroht.

Doch damit nicht genug. Bereits am anderen Morgen ist er erneut „blank“. Wieder greift er zu einer abgebrochenen Flasche und raubt den Kiosk an der Hirschstraße aus. Gerade einmal elf Euro in bar sowie mehrere Schachteln Zigaretten sind diesmal die Beute.

Zweimal hat er eine abgebrochene Flasche als Druckmittel eingesetzt. Jetzt steht P. bereits mit 22 Jahren vor einem Scherbenhaufen.

Sucht als Antrieb

"Die kurze Distanz zwischen den Verurteilungen erschreckt uns“, führt Richterin Oberländer aus. Der „Suchtdruck“ sei stets der Antrieb gewesen. „Sie funktionieren in einem gefährlichen Maße.“ Und Oberländer führt P. vor Augen, dass schwerer Raub alles andere als ein Kavaliersdelikt ist.

Dennoch bleibt die Kammer mit am untersten Rand des Strafmaßes und folgt damit dem Plädoyer von Verteidiger Timo Wild, der drei Jahre Haft beantragt hatte. Staatsanwältin Nina Bolowich hätte P. lieber fünf Jahre hinter Gittern gesehen.

Doch es gibt tatsächlich auch Gründe, die für den 22-Jährigen sprechen. Er stellte sich zwei Tage nach den Überfällen selbst der Polizei. Und die Taten waren mehr als dilettantisch. Denn im Groß-auheimer Imbiss, den er unmaskiert ausgeraubt hat, ist er bestens bekannt. An der Hirschstraße ist er zudem von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden, ehe er im Franziskushaus seine erbeuteten Zigaretten „vertickte“.

Vorstrafen aus der Jugend

Dennoch, so Richterin Oberländer, habe er den Opfern durch sein Auftreten gehörig „Angst eingejagt“. Hinzu kommen die zahlreichen Vorstrafen aus seiner Jugend. „Sie haben eine gute Schullaufbahn, doch dann kam ein Knick“, so die Vorsitzende, die den kurzen Lebenslauf von P. als „tragisch“ bezeichnet und die Urteilsbegründung mit einer eindringlichen Mahnung beendet: „Ich glaube, das ist Ihre letzte Chance.“

P. scheint das zumindest an diesem Tag begriffen zu haben. Denn bevor ihm die Wachtmeister wieder die Handschellen anlegen und ihn in die Zelle abführen, wendet sich P. an das Gericht, uns sagt, was nur sehr selten von einem Angeklagten zu hören ist: „Danke schön!“

Der FallAm 26. und 27. August 2019 überfällt ein Täter zunächst einen Döner-Imbiss an der Hauptstraße in Großauheim und am Morgen danach einen Kiosk an der Hirschstraße in Hanau. Zwei Tage später stellt sich der 22-Jährige freiwillig der Polizei.5. Februar 2020:Der Prozess wegen schweren Raubes beginnt vor der 2. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht. Der Angeklagte legt dabei ein umfassendes Geständnis ab.12. Februar: Wegen schweren Raubes in zwei Fällen wird der Angeklagte zu drei Jahren Haft verurteilt.

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