Fanprotest: Anhänger von Hanau 93 kritisieren im Herbert-Dröse-Stadion die Entscheidung von OB Claus Kaminsky mit einem Transparent mit der Aufschrift "Erst gegen rechts posieren, jetzt 'nen Nazi hofieren!? Geht's noch, Claus?" Foto: Privat

Hanau

Landesehrenbrief für Republikaner: Verleihung schlägt Wellen

Hanau. Die Verleihung des Landesehrenbriefes an Bert-Rüdiger Förster durch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zieht weitere Kreise. Politische Gegner und kritisierten die Entscheidung des Rathauschefs. Protest gab es sogar beim Heimspiel des Fußballvereins Hanau 93. Doch es gibt auch Stimmen, die Förster unterstützen

Stein des Anstoßes ist Försters Parteizugehörigkeit: Er sitzt seit Jahren für die Republikaner sowohl in der Stadtverordnetenversammlung als auch im Ortsbeirat Steinheim. Die Partei Die Republikaner gilt offiziell als rechtskonservativ.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, kurz VVN-BdA, spricht in einer Mitteilung bezüglich der Verleihung des Landesehrenbriefes an Förster von einem „falschen Signal“, das zurückgenommen werden müsse. Die Auszeichnung sei „eine Brüskierung derer, die sich gegen das Gedankengut und die Politik der Rechtsradikalen und Rechtsextremen einsetzen“.

Grüner will Ehrenplakette zurückgeben

Auch wenn das Ehrungsmanöver „als hinterlistiger Schachzug gegen die AfD gedacht war, so kann dieser nur nach hinten losgehen: Die Braunen reiben sich die Hände. Sie ernten hohe Staatsehren, auf Vorschlag einer SPD-Spitze“, so VVN-BdA.

Als Reaktion auf die Verleihung des Landesehrenbriefes an den Republikaner-Politiker will das ehemalige Mitglied der Grünen-Fraktion im Hanauer Stadtparlament, Günter Ullrich, seine Ehrenplakette der Stadt Hanau zurückgeben. Ullrich hatte diese im Jahr 2006 erhalten.

In einem offenen Brief wendet sich der Ex-Stadtverordnete an Kaminsky unter anderem mit den Worten: „Durch die Verleihung des Landesehrenbriefes an einen Republikaner hat nun diese Würdigung ihre Wirkung verloren. Ebenso möchte ich meinen Namen nicht auf einer Liste der geehrten Hanauer mit einem Republikaner wiederfinden. Wulf Hilbig (für die Grünen als ehrenamtlicher Stadtrat Mitglied im Magistrat der Stadt Hanau, Anm. d. Red.) wird Ihnen deshalb demnächst die Ehrenplakette zurückgeben. Bitte veranlassen Sie die Löschung in den entsprechenden Listen.“ Zuvor hatte sich bereits die Mitgliederversammlung der Hanauer Grünen von Förster distanziert (wir berichteten).

Hanau 93-Fans protestieren mit Transparent

Die politische Diskussion machte am Wochenende auch vor dem Fußball nicht halt: Fans von Hanau 93 entrollten am Samstag beim Heimspiel gegen Hessen Kassel im Herbert-Dröse-Stadion ein Transparent mit der an den Oberbürgermeister gerichteten Frage: „Erst gegen rechts posieren, jetzt 'nen Nazi hofieren!? Geht's noch, Claus?“

Der Verein EU-Kanton Rhein-Main sprang Förster dagegen zur Seite und kritisierte einen Beitrag zur Landesehrenbriefverleihung in der „Hessenschau“ als „politisch unausgewogen“. Förster ist laut Mitteilung des EU-Kanton dort Fördermitglied. „Der Aufnahme sind Gespräche vorausgegangen, in denen Herr Förster seine pro-europäische Gesinnung offen gelegt hat und unsere Satzung anerkannt hat. Über seine Ehrung mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen hat sich der Vorstand des EU-Kanton Rhein-Main gefreut“, wird der Vorsitzende des EU-Kanton Rhein-Main, Torben Zahradnicky, in einer Mitteilung zitiert.

Kritik des EU-Kanton Rhein-Main

Ein in der „Hessenschau“ vom 28. August gesendeter Bericht sei, so der Vorwurf, „wenig qualifiziert und ohne ausreichende Recherche“. Diese einseitige Kritik müsse öffentlich-rechtlich zur Diskussion gestellt werden. „Die politische Situation in Deutschland ist aktuell kritisch wegen der beachtlichen Stimmenverluste der traditionellen Parteien CDU und SPD. Umso wichtiger ist es, Recht und Ordnung als entscheidende Grundlagen für Freiheit und Wohlstand der Bürger genau zu betrachten.“ Eine öffentlich-rechtliche Anstalt wie der Hessische Rundfunk sollte laut EU-Kanton kontroverse politische Beiträge nicht nur einseitig veröffentlichen, indem nur eine Partei, in diesem Fall die Partei Die Linke, zu Wort komme.

„Wenn ein politischer Beitrag schon als kontrovers angekündigt wird, sollte jede öffentlich-rechtliche Anstalt nicht nur ethisch, sondern auch praktisch verpflichtet sein, Pro und Contra angemessen zu Wort kommen zu lassen“, heißt es weiter. „In diesem Sinne legen wir öffentlich Beschwerde ein beim Rundfunkrat des HR und seinem Intendanten.“ das

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