Das Atomdorf lag im Nordosten des heutigen Industrieparks. Hier lagern die Überreste, und ein weiteres Zwischenlager ist geplant.

Wolfgang

Land Hessen beantwortet Fragen zu Atom in Hanau

Wolfgang. Die Zeiten des Hanauer Atomdorfs sind lange vorüber, dennoch sind Überbleibsel von damals noch hier. Was genau lagert in Wolfgang? Und warum sieht das Land Hessen kein Problem in einem weiteren Lager? Wir haben dem Umweltministerium einen Fragenkatalog geschickt.

Von Christian Dauber

Die Antworten hat uns Pressesprecher Mischa Brüssel de Laskay kürzlich zur Verfügung gestellt.Wie viele Tonnen radioaktive Abfälle lagern in Hanau?Die Genehmigungen enthalten laut Umweltministerium keine Begrenzungen nach Mengen der gelagerten radioaktiven Stoffe beziehungsweise Abfälle, sondern begrenzen die Gesamtaktivität und gegebenenfalls die Zahl der Gebinde. „Daher ist eine Angabe in Tonnen nicht möglich“, teilt de Laskay mit.Die Abfälle verteilen sich auf zwei Hallen, die Hallen 6 und 12, sowie auf zwei Freilager. Welche Stoffe werden wo gelagert?Die Lagerung in Halle 6 sei nicht statisch, das heißt, es fänden Ein- und Auslagerungsvorgänge statt. Der Betreiber der Lager, die Daher Nuclear Technologies (ehemals Nuclear Cargo Service) teile der Aufsichtsbehörde monatlich den Bestand an radioaktiven Stoffen (Gesamtaktivität) mit. Zum 31. Dezember waren nach Angaben des Landes Hessen in Halle 6 radioaktive Stoffe mit einer Gesamtaktivität von 5,84 E+12 Bq (Becquerel) gelagert.

Im Gegensatz zur Halle 6 handele es sich bei der Halle 12 um einen statischen Lagerbetrieb. Dort würden nur „endlagerfähig konditionierte Abfälle aus dem Rückbau des ehemaligen Siemens Brennelementwerkes bis zur möglichen Ablieferung an das Endlager Konrad“ zwischengelagert. Von insgesamt 1250 möglichen Containern seien bereits 1131 eingelagert.

Im Freilager 1 seien insgesamt 15 Stellplätze für Transportcontainer, die zweilagig gestapelt werden können, vorhanden. Gegenwärtig befinden sich laut Ministerium 22 Container mit radioaktiven Stoffen im Freilager 1. Im Freilager 2 lagern leere Transportbehälter.Was hat man unter einem Freilager zu verstehen?Bei den Freilagern handele es sich um „definierte Freiflächen auf dem Betriebsgelände, wo umschlossene radioaktive Stoffe gelagert werden dürfen“. Die genehmigte Aktivität im Freilager 1 sei um den Faktor 100 geringer als in Halle 6. Bei den umschlossenen radioaktiven Stoffen handele es sich „in der Regel um radioaktive Stoffe in Fässern, die in einen Transportbehälter eingestellt sind“.Seit wann bestehen die verschiedenen Zwischenlager?Halle 6 besteht seit 1982. Halle 12 wurde laut Umweltministerium am 1. Oktober 2002 in Betrieb genommenWie gefährlich können die in Hanau gelagerten Stoffe für die Gesundheit sein – insbesondere im Falle eines Freiwerdens des radioaktiven Materials?„Im Genehmigungsverfahren nach der Strahlenschutzverordnung werden alle sicherheitstechnischen Ereignisse, die zu Auswirkungen auf die Umgebung (Bevölkerung) führen können, betrachtet“, teilt de Laskay mit. Es sei festgestellt worden, dass die radiologischen Auswirkungen „bei den zu unterstellenden Auslegungsstörfällen und auslegungsüberschreitenden Ereignissen zu Strahlenexpositionen in der Umgebung führen, die unter den gesetzlich vorgegebenen Grenzwerten liegen“.Wie häufig werden die bestehenden Lager kontrolliert?Der Betreiber ist nach der Strahlenschutzverordnung und den Bestimmungen des Genehmigungsbescheides zu eigenen Kontrollen verpflichtet. Dazu gehören nach Darstellung des Umweltministeriums Strahlenmessungen bei Ein- und Auslagerungen sowie an festgelegten Messpunkten und regelmäßige Funktionskontrollen von Strahlungsmessgeräten. Behördliche Kontrollen unter Beteiligung von Sachverständigen fänden in Halle 12 und in den Freilagern einmal jährlich und in Halle 6 zweimal jährlich statt.Hat es seit Bestehen der Lager Beanstandungen seitens der Kontrollbehörden gegeben?„Im Laufe der Jahre hat es auch Beanstandungen der Behörde gegeben“, räumt der Ministeriumssprecher ein. Diese würden dokumentiert und seien unter Fristsetzung vom Betreiber abzustellen. „Diese Beanstandungen betrafen innerbetriebliche Vorgänge und hatten keine Auswirkungen auf die Bevölkerung beziehungsweise Umwelt“, macht de Laskay deutlich.Das geplante Zwischenlager soll in der bestehenden Halle 15 eingerichtet werden. Ist diese dafür baulich schon geeignet?Laut de Laskay wurde das Bauwerk im damaligen Genehmigungsverfahren nach der Strahlenschutzverordnung als geeignet bewertet.Wie beurteilt das Land Hessen die Pläne von NCS?„Der Abbau der Kernkraftwerke führt zu weiterem Bedarf an Zwischenlagerkapazitäten. Der absolute Bedarf ist abhängig von verschiedenen Randbedingungen, unter anderem, wann das Endlager Konrad seinen Betrieb aufnimmt“, erklärt der Pressesprecher.Ist der Technologiepark Wolfgang aus Sicht des Landes ein geeigneter Standort, insbesondere wenn man die Lage mitten im Gewerbegebiet, unweit der Wohnbebauung betrachtet?„Die Frage der Standortwahl stellt sich nicht. Es ist nicht zwischen verschiedenen Standorten auszuwählen. Auf dem Firmengelände von Daher NT befinden sich bereits zwei Lager für radioaktive Abfälle. Der Standort ist also grundsätzlich geeignet“, heißt es aus dem Ministerium.Woran wird dies festgemacht?Im damaligen Genehmigungsverfahren nach der Strahlenschutzverordnung sei eine allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls nach UVPG durchgeführt worden. Es sei festgestellt worden, dass die Lagerung der Abfallgebinde druck- und temperaturlos erfolge. Chemische Reaktionen, die ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen könnten, fänden nicht statt, erklärt de Laskay. „Die einfachen Handhabungsvorgänge bei der Ein- und Auslagerung stellen kein erhöhtes Unfallrisiko dar.“

Die aus dem Vorhaben für ein weiteres Zwischenlager resultierenden radiologischen Auswirkungen würden „weit unterhalb der nach den maßgeblichen Vorschriften der Strahlenschutzverordnung zulässigen Grenzwerte“ liegen. Daher seien diese als nicht erheblich einzustufen gewesen. „Die Genehmigungsbehörde hatte aus Strahlenschutzsicht keine Gründe gesehen, das Vorhaben nicht zu genehmigen“, erklärt der Ministeriumssprecher. Zudem zeige die Überwachung des Betriebsgeländes im Rahmen der Umgebungsüberwachung, „dass die Grenzwerte für die Strahlenexposition der Bevölkerung durch Direktstrahlung bereits am Anlagenzaun eingehalten werden“. Eine erhöhte Strahlung für die Beschäftigten im Technologiepark beziehungsweise die Bevölkerung im weiter entfernten Wohngebiet sei daher nicht zu befürchten“.

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