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Ränge bleiben leer: In diesem Jahr wird es keine Brüder Grimm Festspiele im Amphitheater geben. Wer bereits Karten gekauft hat, kann diese zurückgeben. Allerdings bekommt man nicht den gesamten Kaufpreis zurück, erläutert Frankfurt Ticket RheinMain.

Frankfurt Ticket: Kosten sind bereits angefallen

So läuft die Rückerstattung von Veranstaltungstickets

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Wer Eintrittskarten für Veranstaltungen gekauft hat, beispielsweise für Vorstellungen der abgesagten Brüder-Grimm-Festspiele, kann diese zurückgeben. Allerdings: Man erhält dabei nicht den vollen Kaufpreis zurück. Leistungen, die Bestandteil des Preises sind, seien bereits erbracht worden.

Entsprechend seien bereits Kosten angefallen, etwa für das Personal, informiert Dienstleister Frankfurt Ticket RheinMain auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Familienvater aus Erlensee hatte an Oberbürgermeister Claus Kaminsky geschrieben und unsere Zeitung über seine Erfahrungen informiert. „Ich habe für die Brüder-Grimm-Festspiele Karten im Wert von 146 Euro gekauft und kriege jetzt 118 Euro zurückerstattet“, schrieb er. „Wir wollten den Kindern mal was bieten. Oma und Opa sind dabei, und das war der Geburtstagsausflug für unsere Tochter. Jetzt fällt das alles ins Wasser, ohne unser Verschulden, und man hat jetzt einfach so 28 Euro verschenkt. Dafür hätten wir auf dem Festspiel schön eine Runde Eis und Getränke holen können. Oder eine siebte Person mitnehmen.“ 

Dass die ausgewiesenen Gebühren von vier Euro einbehalten würden, sei ja in Ordnung, aber wenn der Anbieter noch mal 15 Prozent einbehalte, „für nichts“, verstehe er das nicht. Es sei ja alles online erledigt worden. „Für 28 Euro. Ein Wahnsinn.“ 

Viele Leistung seinen mit dem Ticketkauf bereits erfolgt

Nicole Reuther-Hornung von Frankfurt Ticket RheinMain erklärt dazu, es sei richtig, „dass wir Anspruch auf Vorverkaufs-, Service-, System- und gegebenenfalls auch Versandgebühren erheben“. Die kompletten Leistungen im Zusammenhang mit dem Ticketverkauf seien bereits erbracht worden. Diese genannten Gebühren seien zum Teil Entgelt für unsere Dienstleistung und zum Teil bereits an den Ticketsystembetreiber entrichtete Systemgebühren. 

„Die Leistungen beginnen bereits mit dem Auftrag des Veranstalters, das Event im Ticketsystem einzustellen. Es werden Preistabellen angelegt, Bilder gepflegt, Layouts angelegt und so weiter. Es fallen hierbei Personal- und Betriebskosten an, die von den beim Verkauf eingenommen Servicegebühren gedeckt werden müssen. Ferner wird die Veranstaltung beworben, die Medien erhalten auch ihr entsprechendes Entgelt. In den Vorverkaufsstellen arbeiten Menschen, die persönlich beraten und Tickets verkaufen. Um diese Kosten zu decken, werden Vorverkaufsgebühren berechnet“, betont Reuther-Hornung. 

AGBs machen das Einbehalten von Gebühren möglich

Angeschlossen an das Vertriebsnetz seien bundesweit etwa 10 000 Vorverkaufsstellen, die (in einigen Fällen auch nur teilweise) vom Ticketverkauf lebten. Für jedes verkaufte Ticket würden Systemgebühren an den Systembetreiber entrichtet, der ein leistungsfähiges Ticketsystem (sowie technische Unterstützung und Weiterentwicklung und das bundesweite Vertriebsnetz) bereitstelle. „Nun kann aufgrund höherer Gewalt die Leistung des Events nicht erbracht werden, und die Kunden haben Anspruch auf den Ticketpreis. Dies bezieht sich aber nicht rückwirkend auf alle Bestandteile des Gesamtpreises, da Teile der Leistung wie dargelegt bereits erbracht wurden.“ 

Das Einbehalten dieser Gebührenpositionen sei in den AGB verankert, die die Kunden mit dem Kauf des Tickets akzeptiert haben, gibt Reuther-Hornung zu bedenken. „Da wir im Auftrag der Veranstalter arbeiten und das Unternehmen allein über diese Dienstleistung betreiben, ist es erforderlich, diese Gebühren zu vereinnahmen und bei Ausfällen nicht zurückzuzahlen.“ Rückerstattungen könnten im Übrigen nur dann vorgenommen werden, „wenn der Veranstalter uns dies erlaubt (also eine Stornofreigabe erteilt), und sofern wir noch über die Ticketgelder verfügen – und sie nicht bereits an den Veranstalter ausgezahlt haben“. In einigen Fällen hätten Kunden „offenbar den Eindruck, die Gebühren würden für die Rückabwicklung an sich erhoben, was definitiv nicht der Fall ist“. 

Kulanzlösungen seien möglich

Man arbeite „auf Hochtouren – und ohne Einnahmen – daran, unsere Kunden bestmöglich zu bedienen“, erklärt die Frankfurt-Ticket-Mitarbeiterin. „Wir werden hoffentlich, wie auch unsere Veranstalterkunden und Ticketkunden, diese Krise überstehen. Der Ansatz, dass wir unsere Erlöse für die in den letzten zwölf Monaten einwandfrei erbrachten Leistungen rückwirkend zurückerstatten, wäre allerdings alles andere als hilfreich.“ Im Fall des Familienvaters aus Erlensee habe man dem Kunden eine „individuelle Kulanzlösung“ angeboten. 

Man behalte sich vor, solche Einzelfallentscheidungen zu treffen, „denn uns ist es sehr wichtig, dass uns die Kunden trotz aller Einbußen und Umstände gewogen bleiben“. Nach dieser „furchtbaren Krise“, die „besonders für Kulturschaffende und ihre Dienstleister eine extreme Herausforderung“ darstelle, werde es wieder Festspiele und andere Events geben. „Und wir möchten wieder Teil davon sein.“

Kartenrückgabe

Eintrittskarten für die Festspiele oder andere Veranstaltungen können an den Vorverkaufsstellen, an denen sie erworben wurden, zurückgegeben werden, wenn diese ihren regulären Betrieb wieder aufgenommen haben. Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf dem Postweg die Tickets zurückzugeben. Dazu gibt es bei Frankfurt Ticket ein Rückerstattungsformular im Internet. Infos gibt es zudem telefonisch über die Ticket-Hotline 0 69/1 34 04 00, per Mail an info@frankfurt-ticket.de sowie auf den Webseiten von Frankfurt Ticket und den Brüder-Grimm-Festspielen.  

Bitte um Spende statt Rückgabe 

Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Intendant Frank-Lorenz Engel hatten laut Mitteilung der Stadt darum gebeten, über eine Rückerstattung gründlich nachzudenken. Von der Absage getroffen seien besonders die Schauspieler. „Wer die Eintrittskarten nicht oder nur teilweise zurückgibt, leistet damit einen finanziellen Beitrag zur Milderung der Problemlage, in der sich die Festspiele nunmehr befinden“, sagte der OB. Über den zu spendenden Beitrag individuell zu entscheiden. Bei mehreren gekauften Tickets kann auch nur ein Teil der Tickets auf dem Formular beantragt und der Rest gespendet werden. 

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