Am 14. Dezember hielten erstmals die orangefarbenen Wagen des neuen Fernzuganbieters Locomore am Hanauer Hauptbahnhof. Heute, vier Wochen nach dem Start, kündigte das Unternehmen eine Einschränkung seines Angebots auf fünf Tage in der Woche an. Foto: Paul

Hanau

Kurz nach Start: Locomore muss Betrieb einschränken

Hanau. Wegen technischer Probleme muss der neue Fernzug-Anbieter Locomore vier Wochen nach Betriebsstart auf dem deutschen Schienennetz seine Fahrten vorübergehend einschränken. Der Zug, mit dem das Unternehmen seit Mitte Dezember täglich auch in Hanau hält, fährt ab Montag, 23. Januar, nur noch an fünf Tagen die Woche.

Von Jutta Degen-Peters

Nach Ostern will man wieder an sieben Tagen mit fünf bis sieben Wagen unterwegs sein. Am Mittwoch, 14. Dezember, hatte Locomore als Neuling im Fernbahngeschäft seinen in Orange gehaltenen Zug erstmals auf die Strecke Stuttgart – Berlin geschickt und dabei um 8.42 Uhr erstmals auch im Hanauer Hauptbahnhof haltgemacht: mit Kampfpreisen nach dem Ryan-Air-Prinzip und vielen neuen Ideen (unter anderem WLAN für alle und Themenabteile).Die Nachfrage unserer Zeitung, ob das Angebot eingeschränkt werde, weil die Erwartungen sich nicht erfüllt hätten, verneinte der Chef und Gründer des Unternehmens Locomore, Derek Ladewig. „Wir haben mit 1000 Fahrgästen täglich gerechnet und haben bis heute rund 25 000 Reisende gezählt“, erklärte er. Damit liege man genau in der angepeilten Zone, zumal der Zug an einigen Tagen wegen Wartungsarbeiten mit weniger Wagen auf die Strecke gegangen sei.Keine Fahrten dienstags und mittwochsVon Montag, 23. Januar, bis 6. April werde der Zug übergangsweise nur noch an fünf Tagen in der Woche fahren. Dienstags und mittwochs finden keine Fahrten mehr statt. Zug 1818 (von Stuttgart nach Berlin) fährt an den Tagen Freitag, Samstag, Sonntag, und Montag; Zug 1819 (von Berlin nach Stuttgart) ist an den Tagen Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag unterwegs.Als Grund für die Einschränkung des Angebots nannte Ladewig Probleme wie defekte Toiletten, Mängel beim Internet-Zugang per WLAN sowie Fehler bei der Ticketbuchung. Die betriebsfreien Tage würden nun für eine intensive Wartung genutzt.Probleme am Ostkreuz Berlin„Wir konnten die gewünschte Qualität zwar an vielen Tagen, aber an zu vielen Tagen nicht vollständig bieten“, erklärte der Geschäftsführer. Man habe die Wartungssituation unterschätzt, zudem hätten Probleme am Ostkreuz Berlin die Zuführung der Waggons in die Werkstatt erschwert. Diese habe viel Zeit in Anspruch genommen. Immer wieder seien die Züge mit weniger Wagen gefahren. Jetzt habe sich Locomore entschlossen, lieber an fünf Tagen den kompletten Zug einzusetzen und die Wagen an den übrigen Tagen warten zu lassen.Bis am 6. April wieder in den täglichen Betrieb gestartet werde, würden zusätzlich zu den aktuell verfügbaren fünf Locomore- und zwei Ersatzwagen weitere vier Locomore-Wagen geliefert werden, kündigte Ladewig an. Damit verfüge das Unternehmen, das 25 Angestellte hat und den Zug mit 40 Mitarbeitern bewegt, dann über eine ausreichende Wagenreserve, um einen stabilen Betrieb durchzuführen.Alle Schichten nutzen ZugEinmal pro Woche ist der Verwaltungswissenschaftler Ladewig, der sein ganzes Berufsleben im Bereich Verkehr und Bahn tätig ist – er war unter anderem Bahnreferent im Bundestag – ebenfalls an Bord und arbeitet im Service. „So kann ich Kinderkrankheiten besser erkennen“, sagt er. Genutzt werde der Zug von allen Schichten, „da greift das Aldi-Prinzip“. Die günstigen Tarife spreche aber viele junge Leute an und Menschen, die sich vom ökofairen Catering und dem ökofairen Strom überzeugen ließen.„Wir wollen im Laufe der ersten drei Monate aus der Verlustzone fahren“, so Ladewig weiter. Bisher mache das Unternehmen weder Verluste noch Gewinne. „Da wollen wir weiter Kurs halten“, gibt sich Ladewig optimistisch.

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