Ein massives Aufgebot der Polizei verhinderte eine Eskalation der Türkei-kritischen Demonstration. Foto: Rainer Habermann

Hanau

Kurden-Demo in Hanau - Polizei verhindert Eskalation

Hanau. Gegen den Einmarsch des türkischen Militärs in die autonome kurdische Provinz Rojava in Nordostsyrien und gegen die nach ihrer Ansicht völkerrechtswidrige Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben am Freitagabend rund 250 bis 300 überwiegend kurdischstämmige Bürger auf dem Freiheitsplatz demonstriert.

Von Rainer Habermann

Im Zuge der Kundgebung kam es zu Provokationen durch Erdogan-Anhänger, die lautstark und mit türkischen Flaggen versuchten, die genehmigte Demonstration zu stören. Einige Kurden ließen sich provozieren, wobei es zu hitzigen Auseinandersetzungen kam, welche die Polizei, die mit mehreren Hundertschaften und einer berittenen Einheit auf dem Platz war, schließlich unterband.

Polizei nimmt zwei Demonstranten fest

Zwei Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen, einer auf jeder Seite. Die Gruppe von knapp 50 Gegendemonstranten wurde von der Pferdestaffel der Polizei in die Fahrstraße abgedrängt, wo sie dann ihre Transparente ausbreitete und so einen eigentlich geplanten und ebenfalls genehmigten Demonstrationszug der kurdischen Gruppe durch Hanau verhinderte.

Die Polizei riegelte die Fahrstraße mit Einsatzfahrzeugen komplett ab, löste allerdings die ungenehmigte Gegendemonstration zunächst nicht auf. Die Polizei zog sich so vonseiten der kurdischen Teilnehmer den Vorwurf zu, gegen das Recht auf Durchführung einer (genehmigten) Demonstration zu verstoßen.

Straßensperrungen in der Innenstadt

Die gesamte Innenstadt um den Freiheitsplatz war weiträumig für den Verkehr gesperrt, es kam zu zahlreichen Behinderungen bis in den späten Abend hinein. Auf Seiten der Kundgebungsteilnehmer bildeten sich immer wieder Menschenketten, die einzelne allzu hitzige Demonstranten aus den eigenen Reihen in Schach hielten und daran hinderten, auf die Erdogan-Sympathisanten, die als „Nationalisten“ bezeichnet wurden, loszustürmen.

Dies, und die massive Polizeipräsenz mit Landespolizeieinheiten aus Wiesbaden, verhinderte eine weitere Eskalation. Die Demonstranten skandierten Sprüche wie „Hoch die internationale Solidarität“ oder „Terrorist Erdogan“. Thomas Lutz vom Traumapädagogikzentrum „Die Welle“, einer der Organisatoren der Kundgebung, beendete gegen 18.30 Uhr schließlich per Lautsprecher die Veranstaltung und verzichtete auf einen Demonstrationszug durch die Stadt.

Protestzug aus Sicherheitsgründen abgesagt

Zuvor hatte eine „Gefährdungsbewertung“ durch die Polizei stattgefunden, wobei ein Polizeisprecher meinte: „Mit Blick auf die angespannte emotionale Lage und die zunehmende Dunkelheit kann die Kundgebung zwar weitergeführt werden. Wir lehnen aber eine mobile Fortsetzung ab. Ein ausreichender Schutz der Demonstrationsteilnehmer wäre nicht zu gewährleisten.“ Dafür hatten nicht alle Verständnis auf dem Freiheitsplatz, die Kundgebung löste sich erst langsam auf.

Zur Demonstration hatten insgesamt 25 Organisationen aufgerufen, unter vielen anderen auch der DGB, die Frauenhäuser in Hanau und Wächtersbach, die GEW, der VVN-BdA oder Pax Christi. Sie war als Solidaritätsveranstaltung mit der kurdischen Bevölkerungsmehrheit in Nordostsyrien gedacht, die durch den Militäreinsatz jetzt gezwungen ist, aus der Region zu flüchten.

Flaggen der YPG wehten über den Kundgebungsteilnehmern, sie stehen für die kurdischen Milizen in der Region Rojava, die an der Seite der US-Streitkräfte gegen den Terror des Islamischen Staats (IS) gekämpft hatten, und die jetzt vor dem türkischen Militär auf dem Rückzug sind; nach Abzug der US-Streitkräfte aus der Region an der türkischen Grenze Syriens.

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