Die Sommernacht im Kurpark Wilhelmsbad war wie jedes Jahr der Höhepunkt am Abschluss-Wochenende des Kultoursommers. Archivfoto: Reinhard Paul

Hanau

Kultoursommer-Fazit: So wenig Müll im Park wie noch nie

Hanau. So zufrieden wie in diesem Jahr waren die Veranstalter des städtischen Kultoursommers noch nie: Nicht nur, dass die Besucher trotz einer Verlegung des Spielorts vom Fronhof an die für die meisten unbekannte Spielstätte hinter dem Comoedienhaus mit 3962 Gästen in kaum verringerter Zahl kamen.

Von Jutta Degen-Peters

Die Besucher der Wilhelmsbader Sommernacht, die im Reigen mit weiteren Veranstaltungen den Kultoursommer beschließt, hinterließen zudem so wenig Müll wie nie zuvor.

Bernd Michel vom Veranstaltungsbüro strahlt über beide Backen. „Früher mussten wir am Morgen nach der Sommernacht mit zehn Leuten den Park durchkämmen, diesmal reichte ein einziger Helfer“, sagt er und berichtet, dass über die Facebook-Seite der Stadt den Bürgern aus Hanau und Umgebung dafür ein ganz dickes Lob ausgesprochen werde.

Nur 20 Gäste weniger

Dass die Zahlen der Gäste mit 3962 nur um 20 niedriger liegen als im Vorjahr, ist für das Veranstaltungsbüro Beleg dafür, dass der Wechsel des Spielortes für die Lesungen, Konzerte und Theaterstücke richtig war.

„Schon im vergangenen Jahr haben wir uns dazu entschlossen, vom Fronhof wegzuziehen“, sagt Michel und räumt ein, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Denn eigentlich sei das Ziel ja gewesen, die Kultur in die Mitte der Stadt zu holen. Doch die Tatsache, dass die Schlossplatzbebauung beschlossene Sache und nicht klar gewesen sei, wann die Bauarbeiten beginnen würden, habe zu der Entscheidung geführt, einen anderen Spielort zu wählen. Glücklicherweise habe sich die Prognose, wonach der Wechsel eines Veranstaltungsortes häufig mit einem Einbruch verbunden sei, nicht bewahrheitet.

Der neue Standort sei ausnahmslos auf Zustimmung gestoßen, stellt Michel fest. Ein Statement, das sich mit Erfahrungen unserer Berichterstatter deckt. Die meisten Besucher wollen nicht mehr zurück in den Fronhof, zumal der Platz hinter dem Comoedienhaus vom Team um Caterer Christian Holle und vom Veranstaltungsbüro mit großem Einsatz zu einem geschmackvollen Open-Air-Bereich mit Biergartenatmosphäre gestaltet worden war.

„Logistisch“, sagt Michel, „ist vieles einfacher“ und meint damit, dass es zumindest bei den Veranstaltungen hinterm Comoedienhaus , kein Parkplatz-Problem gab, die Gastronomie mehr Platz hatte und sich die Anwohner nicht gestört fühlten.

Name für neue Location

Nach Veranstaltungen im Fronhof mit seinem ganz besonderen Flair zwischen historischen Mauern seien reihenweise Beschwerden von Anwohnern im Veranstaltungsbüro zusammengelaufen. Das habe zusammen mit der Ungewissheit, wann der Schlossplatz wegen des Umbaus gesperrt werden muss, zum Umzug geführt. Damit die Besucher künftig bei der Suche nach der neuen „Location“ nicht in die Irre geführt werden – viele Bürger dachten, die Events fänden im Comoedienhaus statt – will Michel für die Bühne einen neuen Namen finden. „Kleine Parkbühne“ wäre eine gute Alternative, findet der Macher.

Seit das Veranstaltungsbüro den Kultoursommer organisiert, ein Kind und großer ‧Erfolg des damaligen Kulturamtsmitarbeiters Dieter Jäger, haben sich laut Michel die Zahlen verbessert oder annähernd gehalten.

Man startete mit 896 Karten im Jahr 2014, wo der Vorverkauf unter dem Übergang in neue Hände litt. 2015 waren bereits 3342 Karten verkauft gewesen. Im ‧Folgejahr, einem Jahr mit außergewöhnlichen Künstlern und Zugnummern wie Christopher Cross (mit 600 Gästen alleine im Fronhof) oder dem Pixner-Projekt gingen laut ‧Michel 4346 Karten über die Theke. Ein Jahr später, wieder mit besonderen „Zugpferden“, wie etwa der mittlerweile aufgelösten Kabarettgruppe „Die Brennnesseln“, wurden 3946 Tickets verkauft.

Verkehrsregelung verbessern

Bei der Wilhelmsbader Sommernacht ging man erstmals 2015 dazu über, Geld für die Sitzplätze einzunehmen, zunächst für 751 Stühle. Diese Zahl steigerte sich kontinuierlich auf 830 und 1106. Im vergangenen Jahr waren von mittlerweile 1166 ausgewiesenen Plätzen 150 nicht verkauft worden. „Dieses Jahr haben wir mit 1333 verkauften Sitzplätzen das Maximum erreicht“, stellt Michel fest. Das Geld aus dem Stuhlverkauf spült zusammen mit den Eintrittsgeldern und den Spenden von Sponsoren rund die Hälfte der Kosten in die städtischen Kassen.

Heute sei der Etat, mit dem er arbeiten könne, zwar niedriger als in den Anfangsjahren dieser Institution. Doch habe man damals ausnahmslos alle Kulturveranstaltungen, die an unterschiedlichen Spielorten wie Fronhof, Schlossplatz oder Freiheitsplatz stattgefunden hätten, unentgeltlich angeboten.

Karussellfest als Bestandteil

Für das kommende Jahr verspricht Michel diverse Verbesserungen. Die Verkehrsregelung nach dem Ende der Wilhelmsbader Sommernacht solle verbessert werden. Auch die Kritik an langen Wartezeiten an den Cateringständen werde man berücksichtigen.

Erstmals soll das Karussellfest des Fördervereins Bestandteil des Kultoursommers sein und vom 10. bis 12. Juli stattfinden, bevor der Reigen der Veranstaltungen hinter dem Comoedienhaus beginnt. Welche Künstler kommen, steht laut Michel auch schon fest. Unter anderem sind Heinz Rudolf Kunze, das Kikeriki-Theater und das Irish-Folk-Festival wieder mit dabei. Außerdem die A-cappella-Nacht mit Lalelu und Viva Voce sowie das Duo Ohrenschmaus und seine Freunde.

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