Gong zur nächsten Akquise-Runde: Im Rahmen des Pressegesprächs schilderten einige Besucher des Box-Gyms eindrucksvoll, was ihnen das Training gebracht hat.Foto: Per Bergmann

Hanau

Das k.town muss sich durchboxen - Hilfe bei Finanzierung nötig

Hanau. Seit 16 Jahren bietet das Kesselstädter Jugendzentrum k.town Boxtraining zur Sucht- und Gewaltprävention an. Finanziert werden konnte das Angebot zuletzt nur noch mithilfe von Spenden. Im Rahmen eines Pressegespräches startete das Juz nun einmal mehr die Suche nach Unterstützern.

Von Per BergmannNilu ist 16 Jahre alt und sagt: „Ich wurde früher gemobbt.“ Erst im Box-Gym habe sie wirklich „gelernt, mich zu verteidigen und meine Meinung zu sagen“. Seit März dabei ist der 19-jährige Arnold Loyd. Das Boxen ist sein „Ausgleich zur Ausbildung“. Man lerne sich selbst und seine Grenzen kennen. Der Vater der 20-jährigen Chiara „hatte Angst um meine Nase, bevor ich anfing“, aber sie setzte sich durch und ging zum Boxtraining – „es hat mich stärker gemacht“.

Seit 2003 gibt es das sozial-pädagogisch orientierte Training, das mittlerweile zu einer wichtigen Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Hanau geworden ist. Rund 20 000 Euro werden jährlich benötigt, um das Material und zwei Trainer zu finanzieren, „die ein integraler Bestandteil des Juz-Teams sind“, erklärt die pädagogische Leiterin Antje Heigl.

Eine Arbeit, die oft abseits des öffentlichen Radars geleistet werde, „fernab von Ehrenbriefen“, beobachtet Pfarrer Merten Rabenau von der evangelischen Kirchengemeinde, die die Einrichtung zusammen mit dem Kirchenkreis zu etwa einem Drittel finanziert. Der Rest kommt von der Stadt. Obwohl der größte Teil der Besucher „nicht christlich“ sei, unterstütze die Kirche das Juz auch in Zukunft – „für ein Miteinander im Stadtteil“, erklärt Rabenau.

"Boxen ist kein brutaler Sport"

„Boxen ist kein brutaler Sport“, weist Cheftrainer Davut Demir hin. Das Risiko schwerer Verletzungen ist beim Fußball- und Handballsport deutlich höher. Beim Boxen geht es nur auf den ersten Blick darum, den Gegner zu verprügeln. Bei genauer Betrachtung geht es um Schnelligkeit, um Ausdauer – nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich. Wie so häufig im Sport, geht es um eine intensive Vorbereitung, um Disziplin und nicht zuletzt um Psychologie.

Rund ein Drittel der Juz-Besucher – etwa 80 Jugendliche – nehmen Woche für Woche am Boxtraining teil. Täglich gibt es mindestens zwei Einheiten – vom Boxen für Mädchen bis hin zum Training für ambitionierte Boxer, die auch Turniere bestreiten. Die meisten von ihnen nutzen parallel das offene pädagogische Angebot des k.town.

Soukaina schnürt regelmäßig die Boxhandschuhe und nimmt an der Nachhilfe teil. „Ich kann im Juz über meine Probleme reden“, sagt die 21-Jährige. Maurice ist hingegen gerade einmal 15 Jahre und „hatte früher schon mal Probleme mit der Polizei“. Seit er mit dem Training angefangen hat, „läuft es auch in der Schule besser und mit der Familie“. Vom Fußball zum Boxen wechselte Beytullah. Er ist 16 Jahre alt, „Schulsprecher der Eppstein-Schule“ und hat beim Boxen seine „Stärken und Schwächen kennengelernt“.

Führen auf einen guten Weg

Sie alle stehen stellvertretend für zahlreiche weitere Jugendliche, die das Boxtraining selbstbewusster gemacht hat und auf einen guten Weg führte. Im Jugendzentrum haben sie eine zweite Familie gefunden. Hayrullah studiert Bauingenieurwesen und sieht „viele Leute am Freiheitsplatz, die ohne Ziele herumlaufen“. Der 21-Jährige „fände es schade, wenn das Angebot nicht weiter geht“. „Volkan ist mehr als ein Trainer, er ist wie ein Bruder.“ Gemeint ist Volkan Bagbasi, der zweite Trainer neben Demir.

Im Juz k.town wird Präventionsarbeit geleistet – und das nicht nur von Trainern und Pädagogen: Einige der jungen Besucher sind schon jetzt Vorbilder für andere. Um es mit den Worten von Heigl zu sagen: „Wir müssen stabile Persönlichkeiten entwickeln und Orte der Begegnung schaffen, um Gemeinsamkeiten zu finden.“

Wer das Boxangebot im Juz k.town unterstützen möchte, bekommt weitere Informationen von Antje Heigl unter der Telefonnummer 0 61 81/25 92 68 oder per E-Mail an die Adresse juz_ktown@yahoo.de.

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