Vom digitalen Klassenzimmer und der Arbeit mit Tablets sind die Hanauer Grundschulen weit entfernt, sagt die CDU. Der Schuldezernent verweist auf einen Medienentwicklungsplan. Foto: Pixabay

Hanau

Kritik: Digitalisierung an Schulen zu wenig berücksichtigt

Hanau.190 Seiten stark ist das Dokument, das die Entwicklung der städtischen Grundschulen bis zum Jahr 2022 festhält. Schuldezernent und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) stellte Inhalte am Montagabend im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung vor – und erntete harsche Kritik seitens der CDU-Fraktion.

Von Kerstin Biehl

Diese quantitative und qualitative Bestands- und Bedarfsanalyse muss alle fünf Jahre fortgeschrieben werden und ist mit dem Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis abgestimmt.

Eine seit dem Jahr 2013 steigende Geburtenzahl in der Grimmstadt sei für den Schulentwicklungsplan ein planerisches Novum, so Weiss-Thiel. „Die demografische Rendite im Grundschulbereich ist für Hanau mindestens aufgebraucht“, so Weiss-Thiel. Damit einher geht auch ein wachsendes Betreuungsangebot.

Sichergestellt werden soll mit dem Planungsinstrument unter anderem ein vollständiges und wohnortnahes Bildungsangebot. Aber auch die Ausstattung der Schulen wird darin festgezurrt. Beschrieben werden die pädagogischen Besonderheiten und baulichen Maßnahmen jeder einzelnen Grundschule. Er umfasst auch die Kooperation von Hort und Schule, verdeutlicht die vielseitigen Schnittstellen zwischen Schule und Jugendhilfe und beleuchtet die wesentlichen Integrations- und Inklusionsaufgaben. Diese stellen vielfältige Anforderungen an Lehrer und Schulträger.

Die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund etwa sei doppelt so hoch wie die Zahl derer ohne deutsche Staatsangehörigkeit, so Weiss-Thiel.

Der Plan umfasst auch das Themenfeld Digitalisierung. Aktuell werden hierfür jährlich 100 000 Euro ausgegeben, die in Hardware investiert werden. Hinzu kommen eine viertel Million für Wartung und Lizenzgebühren. „Es ist ja nicht damit getan, den Schülern Tablets in die Hand zu drücken, vielmehr müssen Serverräume und Leitungen geschaffen werden, was wiederum erhebliche Anforderungen an das Schulgebäude nach sich zieht“, so Weiss-Thiel. Hierfür werde ein Musterraumprogramm, das Zielvorstellungen zusammenfasst und das als Leitbild dienen soll, aufgelegt.

„Die Anforderungen an Schulräume sind heute dreimal so groß wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Schulen wie beispielsweise die Gebeschussschule oder die Friedrich-Ebert-Schule stammten noch aus dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts und liegen inmitten bebautem Gebiet, sodass es sich dort entsprechend schwierig gestalte, diese neuen Anforderungen umzusetzen. Weiss-Thiel informierte darüber, dass ein Medienentwicklungsplan für die städtischen Schulen aufgelegt werden soll.

Dennoch zeigte sich die CDU-Fraktion wenig einverstanden mit der Berücksichtigung dieses Themenfelds. Gerade einmal auf einer viertel Seite behandele der Plan die digitale Zukunftsausstattung. „Wie soll da Digitalisierung voran gehen?“, fragte Helge Messner. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion ist selbst Lehrer an der Karl-Rehbein-Schule und dort Spezialist für digitale Medien. „Welche Anschaffungen für die Zukunft geplant sind, nimmt einen viel zu kleinen Raum ein. So sieht Schule heute einfach nicht mehr aus. Hier wird die Realität in Grundschulen vernachlässigt“, so sein Vorwurf.

Denn die Schule der Zukunft benötige eine lauffähige IT- Infrastruktur, die nicht nur eine digitale Ausstattung der Schüler zusichere, sondern auch die Betreuung vor Ort gewährleiste. Das habe der Schulträger sicherzustellen. Leider versäume es die Stadt hier, eine verlässliche Perspektive aufzustellen. Aus Gesprächen mit Grundschullehrern wisse Messner um den vielfach auftretenden Unmut über Service und Support seitens der Stadt.

Beispielsweise sei auf Antrag der CDU im vergangenen Jahr W-Lan in Grundschulen eingeführt worden. Allerdings: „Es ist einzig und allein auf Geräte beschränkt. Eine Unterrichtsvorbereitung mit eigenen Geräten von daheim ist nicht möglich“, bilanzierte Messner.

In einer Pressemitteilung kritisiert die CDU weiterhin, dass es seit Jahren insbesondere im Grundschulbereich eine enorme Frustration über die digitale Betreuung seitens der Stadt gebe. „Grundschulkollegen sehen sich mittlerweile deutlich abgehängt“, heißt es darin. Grundschulleiter hätten sich mit diesem Problem in letzter Zeit an die CDU gewandt und ihr Leid geklagt.

Konkretes Problem: Falle die digitale Technik aus, vergingen Wochen, bevor eine Reaktion der Stadt erfolge. „Wir haben in Hanau hoch motivierte Lehrer, die Schüler mit digitalen Geräten bilden wollen. Aber das alles nützt nichts, wenn die Technik nicht zur Verfügung steht.“

Gerade in den Grundschulen sei es enorm wichtig, mit der digitalen Bildung zu beginnen. Messner sieht hier enormen Nachholbedarf seitens der Stadt. Für die CDU ist es unverständlich, dass das Zukunftsfeld Digitalisierung gegenüber den anderen, ebenfalls wichtigen Bereichen, wie Inklusion und Integration, im Schulentwicklungsplan ohne Akzente bleibt. „Durch die fehlenden Perspektiven verpasst die Stadt Hanau den Anschluss“, ist in der Pressemitteilung zu lesen. Ein Blick in den Kreis zeige, wie es richtig gehe.

Dort würden seit Jahren die Schulen digital ausgebaut und so den dortigen Lehrern ermöglicht, ihre Schüler mit modernen Medien zu bilden. „So, wie der aktuelle Stand in Hanau ist, greift jeder Lehrer wieder frustriert zu Tafel und Kreide zurück“, mutmaßt Messner. „Der Schulentwicklungsplan wäre eine Chance gewesen. Leider wird diese von unserem anlogen Magistrat nicht genutzt.“

Nach einstimmiger Abstimmung über den Entwurf des Schulentwicklungsplans wurde dieser in den Ausschuss für Kultur, Schule und Sport verwiesen. Nach der Ausschussberatung erfolgt die Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung, bevor der Plan zur Genehmigung dem Kultusministerium vorgelegt wird.

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