Der Weg ist das Ziel: Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky freut sich, dass die Studie die angestrebte Kreisfreiheit Hanaus in allen Punkten bestätigt. Foto: Mike Bender

Hanau/Main-Kinzig-Kreis

Kreisfreiheit: Vorstellung der Studie der Nassauischen Heimstätte

Hanau/Main-Kinzig-Kreis. 95 Seiten stark ist die Studie, die Daniel Winter heute mit nach Hanau gebracht hat.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Winter ist bei der Projekt Stadt, einer Marke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, im Bereich Integrierte Stadtentwicklung tätig. Er ist Leiter der Studie mit dem sperrigen Titel „Raum im Wandel – zwei starke Partner in der Region am Beispiel der Kreisfreiheit Hanau“. Im Mai hatte die Stadt die Studie in Auftrag gegeben. Den Steuerzahler kostet sie laut OB "unter 50 000 Euro".

Nachdem am Morgen der Magistrat und der Landtagsabgeordnete Christoph Degen (SPD), als Vertreter des noch im Urlaub befindlichen Landrats, informiert wurden, gab es die Studie und die Präsentation mit insgesamt zehn Kernthesen wenig später im klimatisierten Versammlungsraum der Hanauer Hauptwache für die versammelten Pressevertreter.

Keine Zahlen und Fakten

Wer jetzt Zahlen oder andere Fakten erwartet hatte zu Kosten für Stadt und Steuerzahler, Vor- und Nachteilen einer möglichen Kreisfreiheit Hanaus, sah sich enttäuscht, denn der Fokus der Studie liegt auf dem Raum, besser gesagt der Raumordnung. Wer den Begriff im Internet recherchiert, wird beim Bundesinnenministerium fündig.

Hier heißt es: „Die Raumordnung sorgt für einen Ausgleich der vielfältigen Nutzungen und Funktionen des Gesamtraums der Bundesrepublik Deutschland und seiner Teilräume. Das Ziel ist, die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang zu bringen. […] Informell spricht man auch vom 'magischen Dreieck' der Raumordnung: Ökonomie – Ökologie – Soziales.“

So weit, so abstrakt: Im Grunde geht es um das alt bekannte Stadt-Land-Gefälle, das im Main-Kinzig-Kreis aufgrund seiner Größe und Struktur seit jeher besonders stark ausgeprägt ist. Es geht aber auch um die Zukunft der Mittelzentren. Erst in der vergangenen Woche hatte Landrat Thorsten Stolz dem Regionalverband Frankfurt Rhein-Main den Rücken gestärkt nachdem Pläne des Hessischen Wirtschaftsministeriums bekannt geworden waren, die Anzahl der Mittelzentren zu überprüfen und Abstufungen vorzunehmen.

„Unsere sieben Mittelzentren, die Städte Maintal, Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Bruchköbel, Gelnhausen, Schlüchtern und Wächtersbach, müssen auch weiterhin mit dieser Bedeutung in der Landesplanung erhalten bleiben. Dafür werden wir uns klar und unmissverständlich positionieren“, sagte Stolz im Hinblick auf die Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans.

Studie im richtigen Moment

Die Studie kommt also genau zum richtigen Moment, unterstreicht sie doch die Wichtigkeit starker Mittelzentren. Wer sich die zehn Thesen anschaut, kann nur zu einem Ergebnis kommen: Hanau muss kreisfrei werden – für die eigene Entwicklung und zum Wohle der anderen 28 Städte und Gemeinden. Die Interessensvertretung im Kreis sei heute schon schwierig, sie gleiche, so Studienleiter Daniel Winter, einem Spagat.

Während der Main-Kinzig-Kreis sich auf den ländlichen Raum konzentriere, strebe Hanau als Großstadt Richtung Metropolregion. Die eigenen Stärken stünden diametral gegeneinander. Es müsse im Interesse aller Partner sein, Hanau in die Kreisfreiheit zu entlassen.

Die Studie und die erarbeiteten Thesen sollen jetzt sowohl dem Kreis als auch dem Land vorgestellt werden. Auch eine Präsentation im Regionalverband ist laut OB denkbar, immerhin sieht die Studie auch vor, dass sich die Mittelzentren im Kreis dem Gremium anschließen. Die Studie solle, so der OB, Denkanstöße geben und eine Landesdebatte über die Raumordnung anzustoßen, die am Ende auch mehr Rationalität in die Diskussion um Hanaus Kreisfreiheit bringen soll.

Der weitere Zeitplan des Kreises steht. Wird's dann nicht knapp mit der Kreisfreiheit am 1. April 2021? „Aus Hanauer Sicht würden wir uns wünschen“, räumt Kaminsky denn doch ein, „dass da noch ein bisschen mehr Tempo ins Spiel kommt.“

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