Dem Neubau folgt der Abriss: Wenn die geplante neue Einrichtung von Bundesagentur und Stadt Hanau fertiggestellt ist, soll das alte Gebäude der Hanauer Agentur für Arbeit abgerissen werden. An dessen Stelle werden anschließend Parkplätze errichtet. Archivfoto: Axel Häsler

Hanau

Kreisfreiheit: Stadt und Arbeitsagentur stellen Jobcenter vor

Hanau. Es soll eine hessenweit einmalige Anlaufstelle für alle Belange "rund um das Erwerbsleben" werden, die Projektträger nennen es selbstbewusst das Hanauer Modell: Auf ihrem angestrebten Weg in die Kreisfreiheit plant die Stadt Hanau mit der Bundesagentur für Arbeit eine neue gemeinsame Einrichtung.

Von David Scheck

In dieser sollen alle Anlaufstellen für Arbeits- und Ausbildungssuchende, für Empfänger von Sozialleistungen, aber auch für Arbeitgeber unter einem Dach untergebracht werden. Wie der Fahrplan für die Verwirklichung des Kooperationsprojekts aussehen soll, haben die Verantwortlichen gestern in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Überblick zu geplanten Personalzahlen

Im Rahmen des Termins nannten Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (beide SPD) als Repräsentanten für die Brüder-Grimm-Stadt sowie für die Arbeitsagentur Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, und die Vorsitzende der Geschäftsführung der Hanauer Agentur für Arbeit, Heike Hengster, einen zeitlichen Fahrplan und gaben einen Überblick über die geplanten Zahlen zum Personal.

118 Planstellen sind im Organigramm der zukünftigen Behörde vorgesehen, rund 100 davon im Bereich der Sachbearbeitung. Bei der Besetzung sei von 157 Personen beziehungsweise einer Teilzeitquote von 30 Prozent auszugehen. Darüber hinaus werde die Stadt Hanau weitere 120 Arbeitsplätze für ihre Einrichtungen.

Alles in allem ergebe sich damit ein Raumbedarf von rund 17 400 Quadratmetern. Dieser Bedarf soll mit einem Neubau gedeckt werden, der auf dem Areal am Hauptbahnhof entstehen soll, wo sich derzeit bereits die Hanauer Agentur für Arbeit befindet. Die Bundesagentur plant wie berichtet, unabhängig von Hanaus Wunsch nach Auskreisung ihren bestehenden Gebäudekomplex durch einen neuen zu ersetzen.

Keine Zahlen zu den Baukosten

Zu Zahlen über die Baukosten ließen sich die Verantwortlichen noch nichts entlocken, nicht zuletzt auch deshalb, weil man sich in einem frühen Stadium der Planung befinde. So stünden die Ausschreibungen erst noch bevor. Klar sei allerdings, so Regionaldirektionschef Martin, dass man von einem zweistelligen Millionenbetrag ausgehen müsse.

Zunächst soll auf dem Grundstück in Richtung Hauptfriedhof der Neubau realisiert werden, anschließend ist der Abbruch des derzeitigen Gebäudes der Agentur für Arbeit vorgesehen. Die Bundesagentur hat laut Frank Martin für den Beginn des Neubaus Ende 2020, Anfang 2021 anvisiert, den Einzug für Anfang 2023. Der Abriss des alten Agentur-Hauses solle laut grober Zeitplanung Ende 2023 oder Anfang 2024 umgesetzt werden.

Und für den Fall, dass das Land Hessen der Hanauer Kreisfreiheit eine Absage erteilt? Bis April 2020 rechne er damit, dass ein Planungsergebnis vorliege, so Kaminsky. Er gehe davon aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt auch „beim Land Klarheit herrscht“. Sprich, dann werde bekannt sein, ob sich Hanau auf den Weg in die Eigenständigkeit machen kann oder Teil von MKK bleiben muss.

Aufteilen der Zuständigkeiten

Die Zuständigkeiten innerhalb der gemeinsamen Einrichtung werden aufgeteilt: So ist vorgesehen, dass die Bundesagentur für Arbeit die Federführung im Bereich Markt und Integration übernehmen wird, die Stadt Hanau übernimmt ihrerseits den Bereich der Leistungssachbearbeitung. Verständigt habe man sich auch darüber, dass Stadt und Arbeitsagentur jeweils die Hälfte des Personals und der Führungskräfte stellen sollen.

Um die Handlungsfähigkeit der neuen Behörde ab dem ersten Tag sicherzustellen, wollen die Kooperationspartner in drei Schritten zeitnah auf die Suche nach qualifiziertem Personal gehen: Erster Schritt ist eine Informationsveranstaltung für die Mitarbeiter des beim Main-Kinzig-Kreis angesiedelten Kommunalen Centers für Arbeit, Schritt zwei sind interne Stellenausschreibungen bei Stadt und Arbeitsagentur, Schritt drei gemeinsame Ausschreibungen auf dem externen Stellenmarkt.

Beginn des Projekts im September

Der Weg zu einem gemeinsamen Jobcenter begann im September des vorigen Jahres mit einem „letter of intent“, also quasi einer Absichtserklärung, seitens der Stadt Hanau und der Agentur für Arbeit. Bürgerfreundlich, innovativ und in ihrer Form bislang einmalig in Hessen solle die gemeinsame Einrichtung sein, welche die Stadt Hanau und die Hanauer Agentur für Arbeit in der Wahrnehmung der Aufgaben nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II ab dem 1. Januar 2021 – dem anvisierten Datum für die Loslösung vom Main-Kinzig-Kreis – betreiben wollen.

Im Zuge der Absichtserklärung wurde ein Lenkungsausschuss gegründet, der nun im Hintergrund mit Hochdruck an der Vorbereitung der Neustrukturierung bei der Übernahme der Aufgaben aus dem SGB II arbeite.

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