Bereits vor sieben Jahren brachte die Zeichenakademie die einzigartige Kombination aus Studium und Ausbildung auf den Weg. (Fotos: Bormann)

Hanau

Kreative Köpfe bei der Arbeit

Hanau. Immer weniger Lehrlinge, dafür immer mehr Studenten. Obwohl sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, ist das Interesse an den Aus- und Fortbildungsplätzen der Staatlichen Zeichenakademie so groß wie eh und je. Warum? Das haben wir auf dem Tag der offenen Werkstatt erfahren.

Von Jonas Bormann

Überall klopft und hämmert es, Besucher schwärmen durch die Gänge. Wenn Schulleiterin Gabriele Jahns-Duttenhöfer zum Tag der offenen Werkstatt lädt, ist an der Staatlichen Zeichenakademie traditionell viel los. „Unsere Interessenten sollen die Lern-Atmosphäre hier kennenlernen“, erklärt Jahns-Duttenhöfer. „Deshalb organisieren wir nicht einfach nur eine Ausstellung, sondern ermöglichen den Besuchern einen Blick über die Schulter unserer Schüler.“

"Man begegnet völlig unterschiedlichen Menschen"

Die ideale Lern-Atmosphäre als Eckpfeiler einer erfolgreichen Ausbildung – was die Leiterin der staatlichen Zeichenakademie bereits andeutet, wird von ihren Schülern bestätigt. „Es ist hier nicht wie in einer normalen Schule“, sagt beispielsweise Taifun Benzer, der im August 2016 an der Staatlichen Zeichenakademie eine Ausbildung zum Goldschmied begonnen hat. „Man begegnet völlig unterschiedlichen Menschen, aber im Grunde ticken wir alle gleich.“

Hört man sich bei den angehenden Goldschmieden um, warum sie sich ausgerechnet für diesen Bereich entschieden haben, fällt die Antwort oft ähnlich aus. „Ich bin nicht der Typ, der stundenlang mit Lernstoff verbringen kann. Ich arbeite lieber mit den Händen“, sagt beispielsweise Sarah Strauch, die ebenfalls im dritten Semester den Beruf des Goldschmieds erlernt.

Gelerntes am Objekt sofort anwenden

Auf drei Tage Theorie folgen zwei Tage in der Werkstatt. Zwar verschiebt sich die Gewichtung von Theorie und Praxis im Laufe der Ausbildung, der Sinn und Zweck bleibt jedoch erhalten: Das, was man im Unterricht lernt, soll am Objekt sofort angewendet werden.

Im Februar schließt Lukas Metternich seine Ausbildung zum Graveur ab. Über die Liebe zum Zeichnen sei er damals auf die Zeichenakademie gestoßen. „Ich habe nicht gezielt nach der Ausbildung gesucht“, erzählt er. „Mittlerweile würde ich die Arbeit aber definitiv als meinen Traumberuf bezeichnen.“ Auch der angehende Graveur lobt das Miteinander an der Hanauer Fachschule: „Hier kommt jeder miteinander klar, man begegnet sich mit Lehrern und Mitschülern auf Augenhöhe.“

Duales Studium im Kreativ-Bereich

Dass Metternich wie auch die anderen Schüler ihre Ideen schneller als noch vor einigen Jahren in die Tat umsetzen können, liegt auch an der technischen Ausstattung der Zeichenakademie. 3D-Drucker und Wachsplotter gehören ebenso zum Inventar der Schule wie ein großflächiges Computer-Labor, in dem die kreativen Köpfe ihre Entwürfe digitalisieren können.

Wenn Schulleiterin Jahns-Duttenhöfer davon spricht, mit der Zeit zu gehen, gilt das jedoch nicht nur für die technischen Aspekte. Denn auch der Zeichenakademie blieb der Trend zum Studium nicht verborgen. Aus diesem Grund brachte man die Kombination aus Studium und Ausbildung bereits vor sieben Jahren auf den Weg – bis heute eine einzigartige Kombination in Deutschland. „Normalerweise kennt man das duale System ja nur aus den Sozial- und Wirtschaftssektoren“, erklärt Jahns-Duttenhöfer. „Ein duales Studium im Kreativ-Bereich gibt es bislang nur bei uns.“

Verbindung von Theorie und Praxis

In Kooperation mit der Brüder-Grimm-Berufsakademie werden jedes Jahr jeweils 16 Plätze in den Bereichen Produktgestaltung und Designmanagement vergeben. Tabea Wolf erfuhr erstmals am Tag der offenen Werkstatt vor zwei Jahren von dem Angebot und war sofort begeistert. „Ich habe erst überlegt, klassisch zu studieren, habe mich dann aber doch für die Verbindung aus Theorie und Praxis entschieden.“ Dass die gebürtige Fürtherin extra für ihr Studium nach Hanau gezogen ist, wird sich wohl spätestens im Rahmen ihrer Abschlussprüfung bezahlt gemacht haben. Dann haben Wolf und ihre Mitschüler nämlich nicht nur den Bachelor, sondern auch den Gesellenabschluss in der Tasche.

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