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Konzertveranstalter und Orchester-Manager Dirk Eisermann sorgt sich um die selbstständigen Musiker seines Ensembles.

Sorgen um selbstständige Musiker

„Wir müssen durch dieses Tal gehen“: Konzertveranstalter und Orchester-Manager Dirk Eisermann zu den Folgen von Corona

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Er lebt und vereint zwei Berufswelten in einer Person. Beide seiner Welten sind von den Folgen des Corona-Virus gerade lahmgelegt.

Dirk Eisermann ist bei der Agentur Shooters Promotion GmbH ein Veranstalter von Konzerten, die vorläufig nicht mehr stattfinden können, und als Manager der Neuen Philharmonie Frankfurt verantwortlich für ein rund 70-köpfiges Orchester überwiegend selbstständiger Musiker, das derzeit nirgendwo auftreten kann. Veranstalter und Musiker – zwei Berufsgruppen, die vom Shutdown des öffentlichen Lebens in Deutschland mit voller Wucht getroffen werden. 

Corona-Krise ist nicht die Zeit für lustige Veranstaltungen

Ungeachtet der wirtschaftlichen Sorgen, die Eisermann in gleich doppelter Funktion plagen, steht im Gespräch mit unserer Zeitung für ihn Verantwortungsgefühl an erster Stelle: „Wir müssen durch dieses Tal gehen. Die Menschheit braucht jetzt anderes als lustige Veranstaltungen. Aufgeregtheit oder gar Panik helfen in dieser Krise überhaupt nicht“, sagt Eisermann, der sich selbst über die Tageszeitung und Podcasts von Virologen über die Pandemie-Lage informiert. 

Die bisher von Bund, Land, Kreis und Stadt eingeleiteten Maßnahmen hält er für richtig und erforderlich. „Und für uns als Kulturschaffende bedeutet das: Am Ende der Krise werden wir und das Publikum Kultur noch mehr zu schätzen wissen“, ist sich der Hanauer sicher.

Finanzieller Einbruch für die Musiker

Bis zu diesem unbestimmten Zeitpunkt ist er gefühlsmäßig vor allem ganz nah an „seinen“ Musikern, denen nach den reihenweisen Absagen der Veranstaltungen finanziell alles weggebrochen ist. „Die meisten Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt sind selbstständige Künstler, leben davon, dass sie in mehreren Ensembles oder solistisch spielen und dafür Honorare erhalten.“

Manche hätten zumindest noch einen Lehrauftrag für eine Musikschule, aber auch da sei der Unterricht und damit deren Einnahmequelle weitgehend zum Erliegen gekommen, sagt Eisermann. Eine Möglichkeit, den Musikunterricht aufrecht zu erhalten, sei die Unterrichtsstunde über Skype und damit das Internet abzuhalten. Die von der Bundesregierung angekündigte Einstellung von Steuervorauszahlungen und Stundungen sei eine erste Maßnahme, die helfe.

Eisermann fordert schnelle und unbürokratische Hilfe

Noch wichtiger wäre es aber, dass diese und weitere Hilfen in Form von Zuschüssen „ganz schnell“ und unbürokratisch bei den Betroffenen ankommen. „Am besten wäre es“, so Eisermann, „wenn es für die vom Staat versprochene Unterstützung von Ein-Mann/Frau-Selbstständigen ohne große Bürokratie nur eine Anlaufstelle gäbe, damit die dringend nötigen Beihilfen sofort bei den betroffenen Musikern ankommen können. Denn die finanziellen Engpässe sind ja jetzt schon da.“

Ungeachtet ihrer persönlichen Geldsorgen wollen sich die Instrumentalisten der Neuen Philharmonie gerne musikalisch engagieren. Ein Konzert-Stream mit dem ganzen Orchester kommt wegen der großen Zahl der Musiker zwar nicht infrage, aber Sonaten, die gestreamt werden könnten, werden als Option gerade überlegt. „Vielleicht machen wir ja so etwas Ähnliches wie die Italiener, die abends von ihren Balkonen gemeinsam singen. Das ist wirklich etwas fürs Herz“, schwärmt Eisermann.

Maßnahmen gegen Coronavirus frühzeitig bekanntgeben

In seiner Eigenschaft als Veranstalter von Konzerten und Events hofft er darauf, Planungssicherheit zu bekommen. „Wenn die Pandemie-Experten es für erforderlich halten, dass der Shutdown länger anhält als bis zum Ende der Osterferien – und davon müssen wir ja schon ausgehen –, sollte eine Verlängerung der Maßnahmen frühzeitig beschlossen werden“, wünscht sich Eisermann.

Für Shooters („wir sind eine kleine, nicht personalintensive Agentur“) hofft er, mit den angekündigten Hilfen der Bundesregierung über die Runden kommen zu können. Bislang hat er als Shooters-Manager erst vier terminierte Veranstaltungen – darunter die HA-Leserfahrt zum Sinatra-Event in der Jahrhunderthalle – verlegen müssen. Die Suche nach einem Ausweichtermin gestaltet sich um so schwieriger, solange völlig unklar ist, wie lange Veranstaltungen dieser Art erst einmal nicht möglich sein können.

Hoffen auf Solidarität der Konzertbesucher

Inständig hofft er, dass der Shutdown Wirkung zeigt und die Zahl der Corona-Fälle deshalb bald nicht mehr ansteigt, damit die Amphitheater-Saison im Spätsommer, unter anderem mit zwei ausverkauften Dieter Thomas Kuhn-Konzerten, stattfinden kann. Generell behalten alle Karten bei einer Verlegung ihre Gültigkeit.

Unabhängig von der noch ungeklärten Frage, ob bei einer Absage durch höhere Gewalt ein Rückerstattungsanspruch besteht, hofft er auf Solidarität der Konzertbesucher: „Es würde die ganze Branche immens schützen, wenn bei einer Neuterminierung einer Veranstaltung, an der der Kartenkäufer vielleicht terminlich nicht kann, dieser die Karte besser an Freunde weitergeben würde als Regressansprüche gegen die schwer gebeutelte Branche zu richten.“

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