Fotos: Mike Bender

Hanau

Kommentar: Terrorakt in Hanau - Wir sind verantwortlich

Hanau. Der Terror hat Hanau erreicht. In der Nacht zum Donnerstag hat ein Mann zehn Menschen aus vermutlich rassistischen Beweggründen getötet. Unsere Redakteure beziehen in ihrem Kommentar klar Stellung zu der Bluttat.

Von Yvonne Backhaus-Arnold und Holger Weber-Stoppacher

Hünxe, Solingen, Halle und jetzt Hanau. Die Brüder-Grimm-Stadt wird jetzt in einem Atemzug genannt mit Orten, an denen in Deutschland Menschen aus rassistischen Gründen ermordet wurden. Von heute an gilt auch in unserer Stadt der Satz: Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Hanau ist von jetzt an nicht mehr nur der Geburtsort der bekannten Märchensammler, sondern auch der Tatort eines unfassbaren Verbrechens, mit dem wir leben müssen.

Was bedeutet der Terrorakt vom 19. Februar für unser Zusammenleben in Hanau? Keine Frage: Auf jedem von uns lastet seit gestern eine große, eine noch größere Verantwortung. Wir müssen in unserem alltäglichen Tun ab sofort noch mehr darauf achten, dass Hass, Ausgrenzung und Rassismus in unserer Gemeinschaft keinen Nährboden finden. Wir müssen uns jenen, die versuchen Zwietracht zu sähen, entschlossen entgegenstellen. Für uns Hanauer gilt dies seit Mittwochabend noch mehr als je zuvor. Hessen, Deutschland, die Welt – alle schauen auf die Brüder-Grimm-Stadt und ihre Menschen.

Ist unser Umgang verroht?

Politiker aus Land, Bund und Kommunen haben es gestern vorgemacht, Gesicht gezeigt. Die Hanauer haben es ihnen am Abend gleichgetan. Zu Tausenden haben sie ihre Trauer und ihr Entsetzen über die schreckliche Tat bekundet, den Familien der Opfer gezeigt, dass sie nicht allein sind. Seit Jahrhunderten ist Hanau Heimstätte für Menschen aus der ganzen Welt. Darauf wies auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky hin. „Das“, erklärte er am Nachmittag in die vielen Kameras, „werden wir uns nicht zerstören lassen durch die irre Tat eines Einzelnen.“

Fragen müssen wir uns allerdings, warum die Zahl der Einzeltäter mit rechtsradikalem Hintergrund in den vergangenen Jahren derart zugenommen hat. Auch deshalb – und das ist das Perfide – weil die gesellschaftliche Reaktion sie nicht mehr abgeschreckt hat. Im Gegenteil: In sozialen Medien wurden sie noch gefeiert. Ist unser Umgang mittlerweile so verroht, dass der Schritt zur Gewalt kein großer mehr ist?

Achten Sie aufeinander!

Deshalb kommt es seit dem 19. Februar mehr denn je auf unsere Reaktion an. Wir müssen zeigen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keine Chance hat. Wir müssen dafür sorgen, dass auf unserem Boden die Saat gar nicht erst aufgehen kann. Das fängt im Kleinen an: in der Schule, im Verein, bei der Arbeit. Achten Sie aufeinander! Achten Sie auf das Miteinander! Wir alle müssen alles dafür tun, dass in der Aufzählung die Stelle nach Hanau für immer leer bleibt.

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