Foto/Grafik: Mike Bender / HA

Hanau

Kommentar zu Poggenburg: Unglaublich, abscheulich, widerlich

Hanau. Am Mittwochabend besuchte André Poggenburg einen der Tatorte des Terroranschlags vom 19. Februar in Hanau, um dort einen Kranz niederzulegen. Unsere stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold bezieht in ihrem Kommentar Stellung zu dieser politischen Aktion.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Was gestern am Kurt-Schumacher-Platz in Hanau geschehen ist, ist so unglaublich, dass es schwer fällt, dafür Worte zu finden. Ein Nazi, der noch vor einigen Jahren gemeinsam mit dem thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke das Positionspapier des völkisch-nationalistischen Flügels der AfD verfasste, kommt an den Ort, an dem vor einer Woche fünf Menschen erschossen wurden. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kündigt er den Besuch der vermeintlich von ihm gegründeten „Interessengemeinschaft Aufbruch Deutschland“ sogar noch beim Oberbürgermeister an, fordert „eventuell nötige Sicherheitsmaßnahmen und Vorkehrungen im Zuge dieser Trauerbekundung“ und hofft „auf eine völlig friedliche Atmosphäre“.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky bietet ihm die Stirn, schreibt: „Ich sage Ihnen ganz klar und deutlich: Sie und Ihre Begleiter sind in Hanau nicht erwünscht!“ Poggenburg kommt trotzdem. Ein Mann, der über die rassistischen Morde in Hanau gesagt hat: „Wer solch eine schreckliche Mordtat eines geistig stark verwirrten und psychisch kranken Täters für politischen Wahlkampf missbraucht (…) ist einfach ein schäbiger linker Lump.“

Veröffentlichung auf Facebook

Man möchte ihm zurufen: Du bist ein schäbiger rechter Lump, du bist ein Wolf im Schafspelz, der Blumen am Tatort ablegt und dabei möglichst betroffen in die Handykamera blickt.

Das Foto aus Hanau wird wenig später auf Poggenburgs Facebook-Account veröffentlicht. Es ist unsäglich, wie sich ein Rassist in der Trauer all jener Menschen sonnt, die vergangene Woche ihre Liebsten verloren haben. Er verunglimpft die Opfer, die Angehörigen, uns alle, die wir Anteil nehmen und wahrhaftig trauern. Er verunglimpft unsere Stadt, unser Land und unsere demokratische Grundordnung.

Was dieser Mann gestern gemacht hat, ist – auch weil es so perfide inszeniert ist – abscheulich und macht sprachlos. Aber wir dürfen nicht sprachlos sein. Wir müssen den Rechten die Stirn bieten, dürfen nicht mehr wegschauen. Jetzt. Immer.

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