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Am Sonntag, zwei Monate nach dem Attentat, trafen sich die Opferfamilien an den Tatorten.

Neuer Verein für Toleranz und Zivilcourage

Kommentar: Hoffen auf die Zeit nach der Trauer

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Am 19. Februar wurde Hanau durch eine schreckliche Tat erschüttert. Nun hat sich ein Verein gegründet, der nicht nur die Familien der Opfer zusammenbringt, sondern sich auch für Toleranz einsetzt. Unsere stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold bezieht in ihrem Kommentar Stellung. 

Neun Familien haben am 19. Februar einen Menschen aus ihrer Mitte verloren, getötet von einem rassistisch motivierten Täter. Daran kann man zerbrechen – als Mutter und Vater, als Schwester oder Bruder, als Tante, Onkel, Cousin oder Cousine. Aber man kann sich – nach Tränen und Trauer – auch auf den Weg machen und etwas Gutes aus dem Bösen erwachsen lassen, es zumindest versuchen. Für die Gesellschaft. Für ein Miteinander ohne Angriffe in Worten oder Taten. 

Der neu gegründete Verein, der Toleranz und Zivilcourage im Namen trägt und von den Mitgliedern des Hanauer Ausländerbeirats gemeinsam mit den Opferfamilien und den Verletzten des 19. Februar aus der Taufe gehoben wurde, ist schon heute – einfach weil er gegründet wurde – eine gute Sache. Und obwohl die Pflanze noch ganz klein ist, ist ihre Wurzel stark – gewachsen aus dem Antrieb, etwas Gutes bewirken zu wollen. Dass sich hier Menschen ehrenamtlich engagieren, verdient Respekt und Anerkennung. Allzuoft haben in den vergangenen Wochen Journalistenkollegen aus ganz Deutschland den Eindruck geäußert, dass „Corona“ die Tat vom 19. Februar verdrängt habe. Manche fügten ein „leider“ hinzu, andere ein „traurig, aber ist eben so“. Verdrängt? 

Vielleicht aus den bundesweiten Schlagzeilen, halten wir dem entgegen, aber nicht aus der Stadt Hanau. Hier ist das Attentat nach wie vor präsent – nicht nur an den Tatorten oder in Gesprächen, sondern auch in den Herzen der Menschen. Es gibt kein Vergessen, weil es kein Vergessen geben darf. Und es gibt kein Zerbrechen, weil die Mütter, Väter, Schwestern und Brüder der Opfer sich entschieden haben, das nicht zuzulassen. Es gibt Hoffnung. Und die ist ohne Zweifel der beste Dünger für eine gute Sache.

Den Hauptartikel finden Sie hier.

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