Stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold. Foto: HA

Hanau

Kommentar Kreisfreiheit: Ganz schlechtes Timing

Hanau. Aufbruchsstimmung. Stärke. Geschlossenheit. Das Wort „einstimmig“ und die Satzfragmente „der richtige Weg“ wurden gestern mehrfach benutzt in der Pressekonferenz, die eine Stunde und 20 Minuten dauerte und das 132-seitige Konzept der Stadt Hanau zum Thema hatte. Es wurde gelobt und gelobhudelt, dass sich die Balken bogen.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Kritische Anmerkungen aus den Reihen der anderen Fraktionen gab es kaum. Einzig die CDU fragte nach einem Plan B. Neben dem hauptamtlichen Magistrat, den Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert und Christoph Degen, dem Direktor des Hessischen Städtetags Dr. Jürgen Dieter und Heike Hengster, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hanau, waren auch die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck sowie Vertreter aller Fraktionen des Stadtparlaments vor Ort.

16-fach bekundete Aufbruchsstimmung also. Dass weniger manchmal mehr ist, und eine Pressekonferenz – bei der alle Verlage und Radiosender der Region und sogar die ARD vertreten sind – auch genug Raum für Nachfragen bieten sollte, war den Verantwortlichen scheinbar nicht bekannt, oder es war ihnen egal. Die Journalisten wurden niedergeredet, und hatten am Ende kaum Luft, noch Fragen zu stellen – vor allem, weil die Zeit drängte.

Für 17.30 Uhr hatte die Stadt zur Stadtverordnetenversammlung eingeladen und fast alle Teilnehmer des Pressetermins mussten Punkt 17.30 Uhr gehen und schauten vorher schon angespannt auf die Uhr. Für ein so wichtiges Thema kann man keinen Pressetermin veranschlagen, bei dem die Politik fast eineinhalb Stunden spricht und der Presse für Nachfragen nur noch fünf Minuten eingeräumt werden. Das ist kein Umgang. Das gehört sich so nicht. Schon gar nicht bei einem so wichtigen Thema wie der Kreisfreiheit. Kein Diskurs, nur Frontalbeschallung. Setzen. 6!

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