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Hanau

Kommentar: Ein Jahr Videoschutzanlage

Hanau. Für HA-Redakteur David Scheck kommt das Zwischenfazit zu einem Jahr "Videoschutzanlage" in Hanau zu früh, um von einem Erfolg zu sprechen.

Von David Scheck

„Die Videoanlage ist ein großer Erfolg“: Dieses Statement am gestrigen Freitag von Seiten der Stadtspitze und der Polizeioberen zum Fazit nach einem Jahr seit Installierung der Kameras am Marktplatz und am Freiheitsplatz überrascht nicht. Schließlich ist eine solche Anlage – völlig unabhängig von der Diskussion darüber, ob oder wie nötig sie ist – immer ein Eingriff in die Privatsphäre. Und solch ein Eingriff will gut begründet sein – am besten mit Erfolgen. Die scheint es jetzt, nach einem Jahr, zwar zu geben. Doch das Zwischenfazit kommt zu früh.

Wie man Erfolg in einer sensiblen Angelegenheit wie der Sicherheit definiert, liegt wohl im Auge des Betrachters. Für die Polizei und die städtischen Ordnungshüter ist die Videoüberwachung deshalb ein Erfolg, weil die Deliktzahlen zurückgegangen sind. Für den Bürger wäre sie wahrscheinlich dann ein Erfolg, wenn die Zahlen bei null lägen und er ein absolutes Gefühl der Sicherheit hätte.

Sicherheitsgefühl immer subjektiv und von außen beeinflusst

Beides gibt es natürlich nicht – ersteres nicht, weil eine Überwachung mit Videokameras kriminelles Denken und Handeln nicht verhindert, letzteres nicht, weil das Sicherheitsgefühl immer ein subjektives ist und von äußeren Einwirkungen beeinflusst wird. Wer morgens im HA eine Polizeimeldung von einem Raubüberfall in der Hanauer Innenstadt liest, der wird sich wahrscheinlich beim Abendspaziergang auch dann nicht sicherer fühlen, wenn man ihm versichert, dass die Zahl der Raubüberfälle insgesamt weniger geworden sei.

Zumal man im Fall von Hanau sagen muss, dass die Fallzahlen zwar tatsächlich gesunken sind, jedoch in einem sehr überschaubaren Maß. 64 Straftaten im Jahr seit der Einführung der Videoüberwachung gegenüber 69 im selben Zeitraum vor deren Installierung: Das sind fünf Taten weniger, die eine normale jährliche Schwankung sein könnten und nicht zwangsläufig auf einen Erfolg der Videoanlagen hinweisen. Auch die Zahlen vom Marktplatz (27 Delikte im Jahr vor der Überwachung, 20 im Jahr danach) sorgen jetzt nicht gerade für einen Aha-Effekt.

Auf lange Sicht

Doch eins scheint klar: Die Zahlen gehen zurück – und möglicherweise ist das tatsächlich das Verdienst der Videoanlagen. Aber das wird man vielleicht erst in ein paar Jahren wirklich beurteilen können. Falls sich langfristig jedoch zeigen sollte, dass die Videoüberwachung an neuralgischen Punkten der Innenstadt keinen spürbaren Rückgang der Kriminalität gebracht hat, sollte nochmals über deren Notwendigkeit diskutiert werden.

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