Zehn Buden weniger als üblich werden wohl diesmal für den Hanauer Weihnachtsmarkt aufgebaut. ARCHIV
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Der Weihnachtsmarkt in Hanau findet trotz der steigenden Corona-Zahlens statt..

Budenzauber in Hanau

Kommentar: Der Weihnachtsmarkt hätte abgesagt werden müssen

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    VonYvonne Backhaus-Arnold
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Ist jetzt die richtige Zeit, um einen Weihnachtsmarkt stattfinden zu lassen? Nein, ist es nicht! Noch mehr Infizierte sind das Letzte, was wir brauchen. Ein Kommentar.

Ist jetzt die richtige Zeit, um einen Weihnachtsmarkt stattfinden zu lassen? Nein, ist es nicht! Die Corona-Zahlen steigen, es gibt kaum mehr freie Intensivbetten im Main-Kinzig-Kreis, eine Nachverfolgung der Erkrankten ist längst nicht mehr zu schaffen, Schulklassen und Kindergartengruppen werden geschlossen, weil es immer mehr Fälle gibt – und in Hanau wird am Montag (22.11.2021) ein eingezäunter Weihnachtsmarkt eröffnet, ein Markt mit weniger Hütten, ohne Weihnachtsbaumverkauf, mit 3G (noch nicht einmal 2G) und – wie es in der Mitteilung heißt – strengen Kontrollen am Einlass.

Offenbach, Frankfurt, Darmstadt – sie haben den Budenzauber bereits, oder halten an ihm fest. Gelnhausen, Wächtersbach, Alzenau, Hammersbach, Langenselbold, Rodenbach und zuletzt sogar Klein-Auheim – sie alle haben ihre Weihnachtsmärkte abgesagt, weil es die einzig vernünftige Entscheidung ist. Menschen in der jetzigen Situation zusammenkommen zu lassen, ist falsch. Das Robert Koch-Institut hat erneut die Empfehlung ausgesprochen, Kontakte zu reduzieren. Die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst ist dieser Empfehlung gefolgt. Sie hat am Mittwoch (17.11.2021) ihren Jahresempfang abgesagt, weil sich „die erhöhte Rücksichtnahme durch Kontaktvermeidung im öffentlichen Rahmen für uns richtig anfühlt.“ Diese Aussage zeugt von großem Verantwortungsbewusstsein.

Weihnachtsmärkte in der Corona-Krise: Können ein weiteres Jahr verzichten

„Der Weihnachtsmarkt wird anders sein als wir ihn bisher erlebt haben, aber wir unternehmen große Anstrengungen, damit die Menschen der Region die bevorstehende Adventszeit in der Innenstadt auch unter sicheren Corona-Bedingungen genießen können,“ hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky Anfang der Woche verlauten lassen. In den vergangenen eineinhalb Jahren gab es indes kaum einen Pressetermin mit OB ohne den Satz: „Wir spielen im FC Vorsicht“.

Warum nicht auch beim Thema Weihnachtsmarkt? Wir haben ein Jahr verzichtet, wir werden auch ein weiteres Jahr verzichten und unseren Punsch zu Hause trinken können. Budenzauber mit Abstand? Wie soll das gehen nach zwei, drei Glühwein? Und was soll das überhaupt? Weihnachtsmärkte leben davon, dass Menschen zusammenkommen (können), wenn sie das nicht dürfen, wenn das ihre Gesundheit und die anderer gefährdet, muss man doch nicht auf Biegen und Brechen eine Stimmung erzeugen wollen, für die im Moment kein Platz ist.

„Traurig ist zu Ende“, hatte Kaminsky bei der Eröffnung eines Biergartens im Juni erklärt. Nein, traurig ist leider noch nicht zu Ende. Wir alle sind – natürlich – Corona-müde, viele Menschen erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Ein Weihnachtsmarkt und danach noch mehr Infizierte sind deshalb das Letzte, was wir brauchen. (Yvonne Backhaus-Arnold)

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