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Corona stellt auch das St.-Vinzenz-Krankenhaus vor manche Herausforderung.

Hygienevorkehrungen kosten Zeit

Klinik-Alltag während Corona: St.-Vinzenz-Geschäftsführer Michael Sammet im Interview

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
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Die Corona-Krise ist auch für das Gesundheitswesen eine enorme Herausforderung. Was die verschärften Anforderungen für das tägliche Arbeiten bedeuten erklärt St.-Vinzenz-Geschäftsführer Michael Sammet im Interview.

Zu Zeiten der Corona-Pandemie ändert sich die Situation täglich. Was gestern noch zutraf, ist heute schon überholt, Bestimmungen und Regeln, die heute gelten, können morgen schon obsolet sein. Das trifft ganz besonders auf die Zahlen von Erkrankten oder Corona-Verdachtsfällen zu. Wir haben mit dem für das Hanauer St.-Vinzenz- Krankenhaus zuständigen Direktor und Geschäftsführer der St.-Vinzenz-Krankenhaus gGmbH, Michael Sammet, gesprochen und gefragt, wie das 292-Betten-Haus mit seinen 650 Angestellten mit der Krise zurechtkommt.

 

Wie viele akute Corona Patienten gibt es derzeit im St. Vinzenz? 

Anfang der Woche gab es noch sechs Corona-positiv getestete Patienten auf unserer eigens eingerichteten Covid-19 Station. Jetzt (Stand Donnerstagmittag) sind es drei.

 

Und wie viel Verdachtsfälle? 

Nach wie vor nur einer.

 

Wie viele werden beatmet? 

Zur Zeit kein Covid-19-Patient.

 

Wie viele Beatmungsplätze und Intensivbetten stehen für Corona zur Verfügung und wie viele haben Sie zu normalen Zeiten? 

Normalerweise umfasst unsere Intensivstation insgesamt zehn Betten mit acht Beatmungsgeräten. Diese Plätze haben wir zu Beginn der Corona-Pandemie durch Leihgeräte umgehend auf elf aufgestockt. Zusätzlich haben wir auf einer anderen Station einen zusätzlichen IMC-Bereich (Überwachungsbetten) mit zwei Betten mit Beatmungsmöglichkeit und zwei Betten mit Überwachungsmöglichkeit eingerichtet. Daher können wir unsere Kapazität auf insgesamt 13 Beatmungsplätze und zwei Überwachungsplätze erweitern. Bei den Überwachungsplätzen wäre übergangsweise auch eine Notbeatmung mit OP-Narkosegeräten möglich. Wie viele Pflegekräfte kümmern sich (ausschließlich?) um die Corona-Patienten? Je nach Belegungssituation der Covid-19-Station sind in einer Schicht drei bis sechs Mitarbeiter im Dienst eingesetzt. Der hohe Personaleinsatz ist dem hohen Hygieneaufwand geschuldet, sprich dem Anziehen der Schutzkleidung und vielem mehr.

 

Wie sieht deren Schutz aus und wie häufig werden sie getestet? 

FFP2-Maske, Schutzbrille oder Visier, Haube, Schutzkittel, Handschuhe gehören zum Standard. Seit vergangener Woche gilt für unser Haus intern die Regelung, dass zur Minimierung des Infektionsrisikos bei jedem engeren Patientenkontakt des Personals eine FFP-Schutzmaske getragen wird, ebenso im Kreißsaal, das heißt auch bei Patienten, bei denen kein Covid-19-Verdacht besteht. Viele an Corona erkrankte Personen weisen keine Symptome auf und sind sich der Krankheit nicht bewusst. Durch die getroffenen Schutzvorkehrungen können wir das Risiko einer Übertragung zwischen Patienten und Personal minimieren.

Wie gelingt das? 

Zu Beginn der Pandemie war uns dies zunächst nicht möglich, da nicht ausreichend FFP2-Masken zur Verfügung standen. Aktuell ist es uns jedoch gelungen, eine Lieferung zu erhalten. Ein Test beim Personal erfolgt in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt immer dann, wenn Kontakt zu Infizierten bestanden hat.

 

Wurde schon jemand vom Pflege- oder medizinischen Personal infiziert oder musste verdachtshalber in Quarantäne? 

Wir müssen immer wieder Mitarbeiter, die Kontaktperson waren, in Quarantäne schicken. Dies kommt aber nicht auf der Covid-19-Sation, sondern auf der Normalstation vor, da manchmal Patienten wegen anderer Aufnahmegründe in unser Haus kommen und diese dann erst während des Aufenthalts auf Station Anzeichen von Covid-19 zeigen und dann positiv getestet werden.

 

Wurden schon Corona-Patienten als geheilt entlassen? 

Michael Sammet ist Klinikdirektor im St.-Vinzenz-Krankenhaus.

Wir haben momentan die Situation, dass sich die Patienten auf unserer Covid-19-Station vom Krankheitsbild stabil zeigen und wir konnten auch schon Patienten Covid-19-negativ-getestet entlassen. Wie groß ist der finanzielle Schaden für Ihr Haus dadurch, dass Sie Betten freihalten und Operationen verschieben müssen und dass Menschen aus Furcht ihre Klinikaufenthalte verschieben? Wir waren ja bisher vonseiten der Regierung angehalten, nur dringend notwendige Eingriffe beziehungsweise Aufnahmen ins Krankenhaus durchzuführen, wodurch uns viele Betten leer stehen. Für die dadurch entstehenden Umsatzeinbußen hat die Regierung einen Rettungsschirm für die Krankenhäuser verabschiedet, der auch für unser Haus gilt. Momentan ist jedoch nicht abzusehen, ob dieser Rettungsschirm für unser Haus kostendeckend ist und ob dieser Rettungsschirm die fehlenden Erlöse kompensiert.

 

Bleiben auch Patienten zu Hause? 

Selbstverständlich bemerken auch wir in unserer Notaufnahme, dass sich viel weniger Menschen, die normalerweise zu uns kommen würden, mit Beschwerden melden. Wir empfehlen daher dringend, bei gesundheitlichen Beschwerden, die nicht auf eine Corona-Infektion hindeuten, die niedergelassenen Praxen oder bei Bedarf die Notaufnahmen in den Krankenhäusern aufzusuchen. Die Krankenhäuser tun alles, um ihren Patienten den größtmöglichen Schutz zu bieten.

Welche zusätzlichen Kosten entstanden durch die Anschaffung von Masken, Schutzvorrichtungen oder Beatmungsplätzen?

Für die zusätzlichen Kosten gibt es vom Bund einen zusätzlichen Betrag. Da aber die Kosten für die Schutzausrüstung wie Masken, Schutzanzüge oder Desinfektionsmittel extrem in die Höhe gegangen sind, können wir zurzeit noch nicht bewerten, ob das ausreicht. Die Preise verändern sich permanent. Auch bei den Beatmungsplätzen gab es vom Bund finanzielle Unterstützung für die Erweiterung der Kapazität. Wir haben Geräte gemietet, um frühzeitig ge-nügend Beatmungskapazität vorhalten zu können. Hier muss auch im Nachhinein geklärt werden, ob diese Leihkosten übernommen werden. Die dauerhaft geschaffenen zusätzlichen Beatmungsplätze werden vom Bund mit einer Pauschale pro Platz gefördert. Darüber hinaus hat uns das Land die Kosten für den Kauf von drei zusätzlichen Beatmungsgeräten schnell und unbürokratisch finanziert.

 

Mussten Sie zusätzliches Personal einsetzen, etwa für die Beatmungsgeräte, besonderes Fachwissen erforderlich ist? 

Wir haben zusätzliches Personal für die Arbeit auf der Intensiv- und IMC-Station (Überwachungsbetten) ärztlich wie pflegerisch geschult, um bei höherem Beatmungsbedarf durch COVID-19-Patienten genügend Fachpersonal vorzuhalten. Da die OP-Kapazität deutlich eingeschränkt wurde, konnten wir die Belegung um rund 40 Prozent reduzieren und eine Station zusätzlich komplett freiziehen, um genug Zimmer für Covid-19-Patienten vorzuhalten. Dieses Personal wurde geschult und ist jetzt auch zur Unterstützung auf der Intensivstation eingesetzt, um hier die Mitarbeiter zu unterstützen und das Fachwissen zu vertiefen.

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