Der Feldhamster, hier ein ausgestopftes Exemplar, lebt auch auf den Feldern rund um Mittelbuchen. Sein Lebensraum schwindet. Manfred Sattler führt daher 15 Landwirte durch den Feldhamsterlebensraum und erläutert das Verhalten der Tiere. Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Klimawandel und Erntebeginn machen dem Feldhamster zu schaffen

Mittelbuchen. Für den Feldhamster sieht es nicht gut aus. Dem putzigen Gesellen, der im westlichen Main-Kinzig-Kreis in einem seiner stetig sich verkleinernden Lebensräume noch vorkommt, macht der frühere Beginn der Getreideernte zu schaffen. 

Von Holger Hackendahl

Trockenheit und Hitze im Zuge des sich verändernden Klimas setzen dem Nager zu. „Früher wurde Getreide im August, 2018 aber bereits im Juli geerntet. Durch den früheren Erntebeginn fehlt ihm das Futter für seinen zweiten Feldhamsterwurf“, sagt Manfred Sattler, der sich seit zehn Jahren ehrenamtlich in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF) engagiert. 

„Trotz vieler Schutzmaßnahmen sind die Bestände in den letzten fünf Jahren deutlich zurückgegangen, viele Bereiche sind bereits hamsterfrei.“ Gemeinsam mit Melanie Albert und weiteren Helfern kartierte Sattler auch im heißen Sommer 2019 wieder die Hamsterbestände in acht Gemarkungen zwischen Bergen-Enkheim und Bruchköbel-Roßdorf. Eines der Probleme für die in den Feldfluren lebenden kleinen Nager seien auch das Verbauen von wertvollem Ackerland – so wie im umstrittenen Neubaugebiet Mittelbuchen-West, erläutert Sattler.

Der Feldhamster lebt auf fruchtbaren Lehm-Löss-Böden, auf dem vor allem Getreide angebaut wird. 2019 habe man nur noch 0,3 Hamsterbaue pro Hektar Fläche festgestellt. Das sei weit entfernt von einer guten Feldhamsterbau-Dichte, führt Sattler bei einer Feldexkursion und Infoveranstaltung zum Feldhamster vor Landwirten aus. Er hoffe nun, dass die Bestände durch die Förderung von Feldflurprojekten wieder ansteigen.

"Lassen Sie Getreide stehen"

„Lassen Sie Getreide stehen, der Feldhamster wird es ihnen danken“, sagt Sattler, der sich seit zehn Jahren in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF), eine AG der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, engagiert und die – wegen des nun schon zweiten Dürrejahres in Folge – nicht besonders erfreulichen Ergebnisse aus der Sommerkartierung der Baue erläutert. 

„Mittlerweile gibt es ein ganzes Potpourri an Schutzmaßnahmen“, sagt Feldhamsterschützerin Melanie Albert. Großzügig angelegte Blühflächen wie die einer Mittelbuchener Gärtnerei, an der die Landwirte beim Feldrundgang vorbeikamen, nutzen dem Tier eine zweite Generation junger Hamster aufzuziehen. Abgeblühte Sonnenblumen, Borretsch und eine Vielzahl weiterer Blühpflanzen bieten dem Feldhamster Deckung vor Fressfeinden aus der Luft und geeigneten Lebensraum.

„Es wurde auch schon beobachtet wie der Feldhamster große Sonnenblumen fällt und sie dann restlos auffrisst“, sagt Albert. Im Anschluss an den einstündigen Rundgang durch den Feldhamsterlebensraum bei Mittelbuchen gab es einen Austausch in geselliger Runde. Ideen zu einem produktionsintegrierten Anbau, der zum Erhalt des bunten Feldgesellen beitragen kann, waren dabei willkommen.

›› feldhamster.de

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