Mit acht Hektar Fläche soll die auf dem Areal der einstigen Großauheim-Kaserne geplante Solaranlage eine der größten Freiflächen-Anlagen ganz Hessens werden. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2020 vorgesehen. Foto: PM

Hanau

Klimaneutrale Konversion: In Großauheim gibt es ab 2020 Ökostrom

Hanau. Eine der größten auf einer Freifläche gelegenen Fotovoltaik-Anlagen wird auf dem Hanauer Areal der ehemaligen Großauheim-Kaserne entstehen. Das gab Oberbürgermeister Claus Kaminsky gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus bekannt. Sie soll Anfang 2020 in Betrieb gehen.

Von Jutta Degen-Peters

Auf dieser Großflächenanlage, die die größte ihrer Art im Main-Kinzig-Kreis und eine der größten in Hessen sein wird, können einmal bis zu fünf Prozent des Stromverbrauchs der Stadt Hanau erzeugt werden. Gestern wurde im Rathaus der Vertrag für das Projekt unterzeichnet. Errichtet wird die Großanlage für Ökostrom von den Stadtwerken Hanau und deren Partner, dem Unternehmen AHS-Solar Biebergemünd. Das acht Hektar große Gelände im Süden Großauheims gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die dieses Areal in einem auf 30 Jahre angelegten Vertrag vermietet. Es liegt direkt neben der 25 Hektar umfassenden Fläche, auf der das Unternehmen P3 Logistic Parks ihr Rechenzentrum auf dem einstigen Kasernen-Gelände errichten wird. Das Datencenter wird in etwa so viel Strom verbrauchen, wie die ganze Stadt Hanau zusammen. Um das Rechenzentrum mit Strom zu versorgen, müssen die Stadtwerke noch kräftig in die Netze investieren.

Investitionen von rund vier Millionen Euro

„Wir können mit diesem Projekt für die Konversion unserer ehemaligen Militärflächen einen weiteren wertvollen Erfolg verbuchen“, freute sich Oberbürgermeister Kaminsky und verwies auf die bei der Klimakonferenz in Kattowitz festgelegten Klimaziele. „Wir stellen uns unserer metropol-regionalen Verantwortung“, so der OB.Die beiden Partner Stadtwerke und AHS-Solar investieren in die Anlage rund vier Millionen Euro. Im Vergleich zu herkömmlich erzeugtem Strom werde der Solar-Park in Großauheim jährlich rund 4000 Tonnen Kohlendioxid einsparen, hieß es.

Dass die Stadtwerke Hanau mit ihrem Partner Mainova bei der Anfang Dezember erfolgten bundesweiten Ausschreibung über die Nutzung durch eine Fotovoltaik-Anlage den Zuschlag erhielt, freut nicht nur den OB. „Die Stadt Hanau und die Stadtwerke Hanau haben 'Biss' gezeigt“, erklärte gestern auch der Leiter des Funktionsbereichs Naturschutz im Bundesforstbetrieb Schwarzenborn der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Matthias Pollmeier. Sie hätten in jeder Hinsicht überzeugt und somit das Rennen für sich entschieden. Pollmeier sprach davon, dass sich die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der BImA in der Vergangenheit bereits bei der Konversion von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie bei Naturschutzprojekten – etwa den Przewalski-Pferden auf Campo Pond – gezeigt habe.

Insgesamt 24 000 Solarmodule

Bestückt werden soll die Fotovoltaik-Anlage auf der Konversionsfläche mit insgesamt 24 000 Solarmodulen. Damit erreicht die Anlage eine Leistung von bis zu sieben Megawatt. Die dort in einem Jahr erzeugte Strommenge entspreche dem jährlichen Verbrauch von rund 3500 Haushalten, so Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Maiwald. Er bezifferte den in Großauheim zu erzeugenden Ökostrom auf rund fünf Prozent des gesamten Hanauer Volumens (ohne Industrie) und bezeichnete die geplante Anlage als Quantensprung in puncto erneuerbare Energien. Das Projekt sei strategisch wichtig für die Stadtwerke Hanau, die sich jetzt mit der Fotovoltaikanlage unabhängig mache vom Markt

.Für den Nachbarn, das Unternehmen P3, ergibt sich mit dem Rechenzentrum die Chance, quasi „über den Gartenzaun“ Ökostrom zu beziehen, ergänzte Pollmeier. Darüber hinaus gibt laut Maiwald das geplante Projekt den Stadtwerken auch die Möglichkeit, Bürgern eine Beteiligung anzubieten. Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender des Stadtwerke-Mitanteilseigners Mainova und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Hanau, erklärte, die Stadtwerke Hanau und Mainova verbinde eine mehr als 15-jährige Partnerschaft. Mit der bedeutenden Investition in Großauheim trügen die Stadtwerke zum Gelingen der lokalen Energiewende bei. Die Stromerzeugung, die bislang den Großen vorbehalten geblieben sei, übernähmen jetzt auch dezentrale, kleinere Unternehmen. Er sei überzeugt, dass Fotovoltaik auch auf städtischen Freiflächen, auf Dächern und an Fassaden eine Zukunft hätte.

Nächstes Jahr müssten die Stadtwerke an einer Ausschreibung für die Ökostrom-Vergütungssätze teilnehmen, erklärte AHS-Vertreter Jens Hommel. Seit 2013 belege sein Unternehmen öffentliche Dachflächen mit Solarpaneelen und habe schon mehrere Projekte mit der Stadt Hanau realisiert. Es müssten noch offene Fragen zum Netzausbau geklärt werden. Nach den Worten von Rathauschef Kaminsky ist das Ökostrom-Projekt kein Zuschussprojekt. Es sei aber auch nicht als ausgesprochenes Renditeprojekt ausgewiesen. Mit der Solarstromanlage seien die Planungen für die Großauheim-Kaserne abgeschlossen.

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