Das ist der neue Außenboulderblock am Kletterzentrum Hessen-Homburg. Die Farben der verschiedenen Griffe und Tritte geben Auskunft über den Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Route. Sowohl Anfänger wie auch Profis finden dabei die passende Herausforderung. (Foto: Bormann)

Hanau

Klettern wie am Felsblock

Hanau. Klettern ohne Sicherheitsgurt? Was klingt, wie eine waghalsige Idee, ist in Wirklichkeit die ideale Beschreibung einer aufstrebenden Sportart. Wer bouldern möchte, braucht außer dem entsprechen Schuhwerk nur noch einen Boulderblock. Einen solchen gibt es nun auch in Hanau.

Von Jonas Bormann

Am Kletterzentrum Hessen-Homburg kommen Anfänger wie auch Profis auf ihre Kosten. Wir haben den neuen Block getestet.

So schwer kann das Ganze ja nicht sein, denke ich mir, und fasse nach dem gelben Griff, der mit der Schwierigkeitsstufe 3 markiert ist. Greifen wäre hier wohl das völlig falsche Wort, denn schnell frage ich mich, wo genau man sich hier eigentlich festhalten soll. Geht das überhaupt? „Jeder Griff hat eine Belastungsrichtung, die man je nach Schwierigkeitsgrad erst einmal finden muss“ erklärt mir Bernhard Hombach. Dieser muss es wissen. Als Hallenreferent des DAV-Kletterzentrums Hessen-Homburg war er maßgeblich an der Errichtung des neuen Außenboulderblocks beteiligt, an dem ich mich nun abmühe. Ich versuche es noch zwei weitere Male, bevor ich es endgültig aufgebe.

Bouldern ist wie Rätsellösen

Als Laie muss ich mich erst einmal mit den beiden leichtesten Schwierigkeitsgraden begnügen. Die Profis könnten mir nun zurecht vorwerfen, das „Boulderproblem“ nicht gelöst zu haben. Hombach vergleicht das Bouldern (abgeleitet vom englischen Begriff „boulder“, zu deutsch „Felsblock“), also das Klettern ohne Sicherheitsgurt an Felsblöcken oder künstlichen Kletterwänden in bis zu vier Metern Höhe, mit dem Lösen eines Rätsels. Statt einfach darauf loszuklettern, gehe es beim Bouldern auch darum, im Voraus schon seine Herangehensweise zu überdenken und mit anderen Kletterern zu besprechen. „Bouldern ist ein unheimlich kommunikativer Sport“, erklärt Hombach. „Man kann gemeinsam den besten Weg austüfteln und sich gegenseitig Tipps geben.“

Wer sich überschätzt, hat schon verloren

Mir wird unterdessen schnell klar, was Hombach mit dem Austüfteln der Herangehensweise meint. Plötzlich hänge ich in zwei Metern Höhe, ohne zu wissen, wie ich an den nächstgelegenen Griff gelange. Weil die Finger anfangen wehzutun, lasse ich los und komme in einem 83 Kubikmeter fassenden Kiesbett auf, das meinen Sturz entscheidend abfedert. Langsam beginne ich zu verstehen, warum eine US-amerikanische Kletterlegende einmal sagte: „Bouldern ist das Höchste der Kletterkunst überhaupt.“ Der Sport verlangt nicht nur ein hohes Maß an Körperbeherrschung, sondern auch ein Gefühl für die auf den Körper wirkenden Kräfte. Wer sich überschätzt, hat schon verloren.

Regelmäßig neue Routen erstellt

Nach meinem kläglichen Scheitern an der dritten Schwierigkeitsstufe knöpfe ich mir nun die beiden leichteren Varianten vor – und das mit Erfolg. Schwierigkeitsgrad 1 geht ohne Probleme, wohingegen mich die nächsthöhere Stufe schon wieder fast an meine Grenzen bringt. Genau das sei es jedoch, worum es bei Bouldern gehe, erklärt Hallenreferent Hombach. „Der Boulderer soll an seine Grenzen gebracht werden.“ Und dies gelte eben nicht nur für Laien wie mich, sondern auch für erfahrenere Kletterer und Profis. Das ist auch der Grund, warum es gleich mehrere Boulder-Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen gibt, die durch unterschiedliche Grifffarben markiert sind. Damit auch niemand den Spaß verliert, werden die Griffe und Tritte in regelmäßigen Abständen abgeschraubt und zu neuen Routen zusammengesetzt. Für einen „Block, der lebt“, wie Hombach erklärt.

Ich belasse es bei meinen letzten Erfolgserlebnissen und nehme mir Hombachs Meinung zu Herzen, der sagt: „Zugucken ist langweilig? Pustekuchen! Ich könnte ständig mit ansehen, wie die Profis kopfüber an der Wand hängen.“ Dafür wird es ab jetzt mit Sicherheit genügend Gelegenheiten geben, schließlich hat Hombach als Hallenreferent des Kletterzentrums Hessen-Homburg von nun an einen Boulderblock direkt vor der Tür.

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