Hanau

Kleine Parkwirtschaft feiert Richtfest - Dachstuhl erneuert

Hanau. Eigentlich hatte Gianni Zebi seinen 60. Geburtstag in der Kleinen Parkwirtschaft feiern wollen. „Leider hat es in diesem Jahr mit der Wiedereröffnung nicht geklappt. Also warte ich auf nächstes Jahr und feiere dann 60 plus eins“, sagt der Wirt.

Von Kerstin Biehl

Er betreibt das italienisches Restaurant im Wilhelmsbader Staatspark seit dem Brand 2015 in Containern. Gestern konnte der Italiener schon mal Probe feiern: Beim Richtfest für den Wiederaufbau des kleinen Juwels.

25 Jahre betreibt Zebi inzwischen sein Restaurant. Er hat durchgehalten. Obwohl sich in der Nacht Anfang Mai vor vier Jahren für ihn und seine Frau Ulla alles geändert hat. „Es war ein Schock“, sagt das Ehepaar, wenn es an die Brandnacht zurückdenkt. Brand-stifter hatten Feuer gelegt. Doch der Schock scheint überwunden. Heute strahlt das Gastronomenehepaar, als es dem Richtspruch von Polier Olav Kämmerer lauscht. Der steht hoch oben auf dem Dach der Kleinen Parkwirtschaft, deren neu eingedeckte Dachbalken sorgsam mit Folie abgedeckt sind. Neben ihm wehen die bunten Bänder des Richtbaums. Er spricht den Richtspruch, leert das Glas und lässt es mit einem ordentlichen Wumms zerschellen.

Eine Millionen Euro in den Dachstuhl investiert

Eine Million von insgesamt 5,3 Millionen Euro sind bis dato für den Wiederaufbau und die Erweiterung des spätbarocken Bauwerks ausgegeben. Das restliche Geld fließt in die Dacheindeckung und die Technik. Hier mussten beziehungsweise müssen einige Gewerke neu ausgeschrieben werden, weil dafür keine Angebote gemacht wurden. Das ist auch der Grund für die Verzögerung der Wiedereröffnung.

Hessens Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms, ein waschechter Hanauer Bub, der einst gemeinsam mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Schulbank drückte, würdigte gemeinsam mit zahlreichen Ehrengästen die gelungene Aufbauarbeit an dem denkmalgeschützten Gebäude, das Teil des historischen Parkensembles ist. „Nur dank des engagierten Einsatzes der Feuerwehrleute und dank der massiven Gebäudekonstruktion mit sehr stabilen Dachbalken entging die Parkwirtschaft der kompletten Zerstörung“, so Worms.

Neben dem Gastraums wird im Zuge des Wiederaufbaus auch ein Nebengebäude errichtet, in dem die Küche, Vorrats- und Kühlräume sowie die neuen Sanitäranlagen einschließlich einer barrierefreien Toilette, untergebracht werden.

21 Millionen Euro des Landes

In das gesamte Wilhelmsbader Ensemble hat das Land in den vergangenen Jahren 21 Millionen Euro investiert. Alleine 16 Millionen davon in den historischen Arkadenbau. Nun soll laut Worms die Sanierung des Stallbaus, des Langen Baus und des Badehauses folgen, mit geschätzten Kosten von weiteren 16 Millionen Euro. Das Badehaus soll künftig vorwiegend museal und nicht wie in früheren Zeiten für eine Vollgastronomie genutzt werden.

Wissenschaftsstaatssekretärin Ayse Asar sagte: „Wir hatten Glück im Unglück! Das barocke Kerngebäude und einige Elemente aus späteren Entwicklungsphasen haben den Brand so weit überstanden, dass man mit den Resten für einen Wiederaufbau gut arbeiten konnte.“

Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH), erinnerte an die besonderen Herausforderungen, die ein solches Projekt mit sich bringt: „Unsere Aufgabe ist, die beschädigte historische Bausubstanz bestmöglich und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wieder aufzubauen. Gleichzeitig wollen wir das Gebäude behutsam modernisieren, damit es künftig den heutigen Ansprüchen gerecht wird, etwa mit Blick auf die Barrierefreiheit. Das macht den Reiz dieser Baumaßnahme aus.“

Dank für Unterstützung

Die Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Kirsten Worms, dankte für die Unterstützung. Diese Initiative sei im Sinne der Denkmalpflege in hohem Maße lohnenswert. „Aufgrund glücklicher Umstände ist das Wilhelmsbad größtenteils erhalten, wie es sich zum Ende des 18. Jahrhunderts noch präsentierte.“

OB Kaminsky lobte das Durchhaltevermögen der Zebis: „Ich bin fasziniert von diesem Ehepaar. Sie lassen das, was passiert ist, nicht als letzte Antwort der Geschichte zu. Sondern sie haben ausgehalten und durchgehalten, bis ihr Restaurant wieder aufgebaut ist. Dafür einen herzlichen Dank. Auch an die Bürger, die das mit ihren Besuchen unterstützt haben. Es war schön zu sehen, dass ihnen die Menschen auch in schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben.“

Ein Geschenk hatte das Stadtoberhaupt für die Zebis auch dabei: eine Collage mit alten Ansichten der Klei-nen Parkwirtschaft. „Die bekommt einen ganz besonderen Platz in den neuen Räumen“, freuten sich die Zebis.

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