Eine der lustigen Arbeiten von Puth: Gänse in der Äppelwoikneipe. Repros: Klaus Puth

Hanau

Klaus Puth zeigt seine Cartoons beim Hanauer Kulturverein

Hanau. Das Leben auf dem Land feiert ein fulminantes Comeback. Wir sehnen uns nach reiner Luft, dem morgendlichen Krähen eines Hahnes, weiten, grünen Wiesen und dem sanften Muhen der Kühe. Leider ein Irrglaube.

Von Andrea Pauly

Denn auf den einst so beschaulichen Weiden ist mittlerweile die Hölle los. Kühe üben exzessiv Yoga, gründen Rockbands und machen Filmkarriere. Gänse drängen sich in alle Bereiche unseres Alltagslebens, schnattern überall dazwischen und fürchten sich vor gar nichts mehr. Nicht einmal vor Füchsen oder dem Heiligen Martin.

So sieht es zumindest in den Cartoons von Klaus Puth aus. Der Grafiker zeigt unter dem Titel „Landleben“ unter anderem eine Vielzahl von Originalen seiner „Gans“-Cartoons und seiner „Yoga-Kühe“ in der ersten Ausstellung des neuen Jahres beim Hanauer Kulturverein in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe. Wir haben den Künstler in seinem Atelier in Mühlheim besucht und haben ihm nach einem Gespräch über seine Arbeit, Inspiration und sein Verhältnis zu Tieren im wahrsten Sinne des Wortes beim Zeichnen „über die Schulter geschaut“.

Besondere Beziehung zu Tier

„Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu Tieren. Sie faszinieren mich schon von Kindheit an“, erzählt der gebürtige Frankfurter, der mit seiner Familie seit fast 30 Jahren in Dietesheim am Main lebt. So wollte der Gymnasialschüler Klaus damals Zoologe werden. Aber der Numerus Clausus ließ das Fach nach dem Abitur, dass er am Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen machte, in weite Ferne rücken.

Puth hatte schon immer viel gezeichnet und wuchs in einem künstlerisch ambitionierten Zuhause auf. Der Vater hatte Kunst studiert, malte und zeichnete viel neben seinem Hauptberuf, der den Unterhalt der Familie sicherte. „Wenn ich als Kind im Familienalltag oder bei Einladungen zum Verwandtenkaffee zeichnete, gab es immer nur positive Rückmeldungen und fördernde Äußerungen dazu“, erzählt der Künstler.

Schließlich wurde er Dank seiner vielseitigen Bewerbungsmappe für das Studium „Visuelle Kommunikation“ an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach angenommen. „Hier hatte ich reichhaltige Möglichkeiten, mich zu entfalten. Denn das Studium war sehr frei und vielschichtig gestaltet“ bemerkt Puth. Seine Studienschwerpunkte waren „Illustration“ im Hauptfach sowie „Bühnenbild“ und „Karikatur“ im Nebenfach. Das Fach „Karikatur“ sei dort noch relativ neu gewesen. Zu den ersten Dozenten gehörten die Macher des Satire-Magazins „Titanic“, Hans Traxler und Chlodwig Poth.

Die Fantasie spielen lassen

„Wenn ich für mich zeichne, fange ich am liebsten einfach irgendwo an und lasse die Fantasie spielen – eine Art Zeichnen nach dem Lustprinzip. Ich strichele dann so vor mich hin“, meint der Grafiker und gibt einen Einblick in sein Skizzenbuch, das voller filigraner Gestalten und Situationen ist. Manchmal erzählen kleine nebeneinander angeordnete Bilder-Kästchen gleich einem Comic regelrechte Geschichten im Gegensatz zu seinen Cartoons, der ja eher gezeichnete Bilderwitze sind.

Ansonsten inspirieren ihn bei seinen Illustrationen, die er für etliche bekannte Verlage gestaltet hat, natürlich die Geschichten selber, um die es geht, wie etwa bei den von ihm illustrierten Kinder- oder Schulbüchern. Als Mitglied der Frankfurter Künstlergesellschaft arbeitet Klaus Puth ebenfalls gerne auf themenorientierte Ausstellungen hin, wie seinerzeit die Ausstellung zum Thema „Märchen der Brüder Grimm“ in Schloss Philippsruhe.

Der Kulturpreisträger der Stadt Mühlheim hat neben Cartoons, Buchprojekten und Ausstellungen auch schon mehrere Großprojekte realisiert, so 2014 ein 40 Meter langes Wandbild in Fechenheim im Rahmen des Stadtteilprojektes „Positivbotschaften“ oder eine 60 Quadratmeter große Wandbemalung in der Stadtbücherei Mühlheim.

Die Entstehung der „Gans-Cartoons“​

Und wie kam es in den 90er Jahren zur Entstehung der „Gans-Cartoons“? „Ich hörte im Radio den alten Caterina-Valente-Schlager 'Ganz Paris träumt von der Liebe' und griff zum Stift. Heraus kam eine Gans mit Baskenmütze auf dem Kopf und Baguette unter dem Arm, die am Eiffelturm vorbei marschiert. Das war der Anfang“, erinnert sich Puth. Inzwischen wurden mehr als 1,5 Millionen Gans-Cartoon-Postkarten gedruckt, mal abgesehen von entsprechenden Kaffeetassen, Kalendern und Büchern. Die Yoga-Kühe in den witzigen und extremen Positionen auf dem Weg zur Erleuchtung kamen dann in den 2000er Jahren. „Obwohl ich schon immer ein Faible für Kühe hatte“ sagt der Künstler.

So habe er lange zuvor bereits Original-Kinoplakate mit Kühen verfremdet, nach dem Motto „Cinemuh – als die Rinder laufen lernten“. Momentan arbeitet Klaus Puth an einer „neuen Geschichte“ – eine Reihe von Geschenkbüchern zum Thema „Kultur küsst Arbeitswelt“, die im März 2020 erscheinen wird. Hier werden Worte und Sätze aus dem „Business“ mit Zitaten aus der Bildungswelt auf amüsante Weise mit ein paar Hintergedanken in Bild und Text umgesetzt. Doch neben diesem umfangreichen Projekt freut sich Klaus Puth nun erstmal auf seine Hanauer Ausstellung „Landleben“. „Dem Kulturverein gefiel die Idee, mit einem leichtfüßigen und humorvollen Thema ins neue Ausstellungsjahr zu starten“, so Puth.

Die Ausstellung „Landleben“ mit Cartoons von Klaus Puth ist vom 19. Januar bis 2. Februar beim Hanauer Kulturverein in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe zu sehen. Die Vernissage: findet am Samstag,18. Januar, um 18 Uhr statt, die Finissage: Sonntag, 2. Februar, um 16 Uhr. Öffnungszeiten sind jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

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