Hahn abgedreht: Den Mietern am Kinzigheimer Weg wäre um ein Haar der Hahn zugedreht worden, weil ihr Vermieter die Wasserrechnung nicht bezahlt hatte. Foto: Pixabay

Region Hanau

Kinzigheimer Weg: Was Versorger bei offenen Wasserrechnungen tun

Region Hanau. Wenn Vermieter Wasserrechnungen nicht bezahlen, kann das für Mieter erhebliche Folgen haben. Sie müssen schlimmstenfalls für die Schulden ihrer Vermieter büßen. Auch im Kinzigheimer Weg ist das Thema präsent.

Von Reinhold Schlitt

Den noch verbliebenen Mietern in der Wohnsiedlung Kinzigheimer Weg kündigten die Stadtwerke Hanau die Sperrung der Wasserlieferungen an, weil ihr Vermieter offene Forderungen trotz mehrmaliger Mahnung nicht bezahlt haben soll.

Erst unmittelbar vor dem Absperrtermin hatte der Versorgungsbetrieb seine Mitteilung zurückgezogen, weil dann doch noch Geld eingegangen sein soll. Wer hier konkret die Begleichung einer offenen Wasserrechnung schuldete, ist der Redaktion nicht bekannt. Die Stadtwerke sprechen gegenüber Mietern der Siedlung lediglich vom „Vermieter“. Nach Lage der Dinge wäre das die im Frankfurter Westend ohne eigenen Briefkasten residierende Vordere Hanau I GmbH, die bekanntlich von sich behauptet, der neue Eigentümer der Siedlung zu sein und die Mieten kassiert.

Keine Abgrenzung der Altforderungen

Bereits im Jahr 2017 drohte den Mietern der Kinzigheimer-Weg-Siedlung eine Wassersperrung wegen offener Rechnungen, die damals ebenfalls erst im letzten Moment bezahlt wurden. Seinerzeit war die Dolphin Capital 214. Projekt GmbH der Adressat der Forderung. Das Langenhagener Unternehmen hatte die Siedlung an die Vordere Hanau I verkauft, worüber jedoch vor dem Landgericht Darmstadt seit 2017 ein Streit anhängig ist, weil die Stadt Hanau ein Vorkaufsrecht beansprucht.

Im jüngsten Fall hatten die Stadtwerke den Mietern am 17. September schriftlich empfohlen, Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen, „um einen Zahlungsausgleich zu erreichen“. So könnten sie einer Wassersperrung entgehen. Auf unsere Anfrage hieß es, dass man nach einer Wassersperrung im Normalfall nur nach Zahlung der gesamten Forderung entsperre. Die Stadtwerke würden jedoch Forderungen aus Altrechnungen dann „abgrenzen“, wenn sie mit den Mietern selbst Zahlungsvereinbarungen für die Zukunft erreichten. Rückständige Forderungen würden dann eingeklagt. In der Sperrankündigung an die Mieter in der Kinzigheimer-Weg-Siedlung war davon jedoch nichts zu lesen.

Weniger als fünf Wassersperren pro Jahr

Zur Häufigkeit von Wassersperrungen teilte das Versorgungsunternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass tatsächlich durchgeführte Wassersperrungen bei ihm recht selten vorgekommen seien. Sehr häufig würde nach Androhung der Sperre dann doch noch gezahlt.

In den vergangenen drei Jahren, so die neue Geschäftsführerin Martina Butz, seien jährlich „weniger als fünf Wassersperren in Mehrfamilienhäusern durchgeführt worden“. Zumeist habe man nach erfolgter Sperrung dann eine Vereinbarung mit Mietern treffen können, ihr Wassergeld direkt an die Stadtwerke zu zahlen. Das seien aber „absolute Einzelfälle“.

Ein bundesweites Ärgernis

Jedoch – wie viele Familien beziehungsweise Wohnungseinzelmieter in den betreffenden Häusern von Wassersperren betroffen waren, konnte Butz nicht sagen: „Wir sehen in unseren Systemen nur unsere Vertragspartner (Vermieter) und nicht die dahinterliegende Anzahl der Nutzer bzw. Mieter, die wir auch nicht kennen dürfen, da mit ihnen kein direktes Vertragsverhältnis besteht.“

Dass Mieter, obwohl sie ihren Wasserverbrauch durch Vorauszahlungen im Rahmen der Mietnebenkosten beglichen haben, für Rechnungsschulden ihrer Vermieter büßen müssen, ist ein bundesweites Ärgernis. Bei Gerichten fallen sie oft hinten runter, weil die betreffenden Wasserlieferanten damit argumentieren, ein Vertragsverhältnis mit dem Vermieter und nicht mit Mietern zu haben.

Wunsch nach einer verbindlichen Regelung

Gerichte urteilen bisweilen sehr unterschiedlich, wie der Hessische Mieterbund unserer Zeitung sagte. Während ein Amtsgericht zur Verhinderung von Wassersperren beispielsweise den Mietern lediglich aufgegeben hat, ihre Vorauszahlungen künftig direkt an den Versorger zu leisten, verlangt ein Landgericht, dass die Mieter die Wasserrechnungsschulden des Vermieters übernehmen, um eine Liefersperre zu verhindern.

Eva Maria Winkelmann, die Direktorin des Hessischen Mieterbundes in Wiesbaden, sieht hier den Gesetzgeber in der Pflicht. Unserer Zeitung sagte sie: „Von der Politik wünsche ich mir, dass sie verbindliche Regelungen schafft, im Falle von Zahlungssäumnissen den Mietern stets anzubieten, künftige Vorauszahlungen direkt an die Versorger zu leisten. Doch sollte dies dann nicht auch für die Übernahme aufgelaufener Schulden gelten.“

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