Bis zum Sommer waren Kleinkind-Eltern mit der katholischen Kindertagesstätte Heilig Geist in der Waldsiedlung zufrieden. Doch seit Juli können sie sich wegen Personalengpässen nicht mehr auf eine regelmäßige Betreuung verlassen. Fotos: Hackendahl

Großauheim

Kindergarten Heilig Geist: Eltern und Kinder stehen im Regen

Großauheim. Die Eltern der Kinder, die die katholische Kindertagesstätte Heilig Geist in der Waldsiedlung besuchen, sind verzweifelt: Seit Wochen haben sie in der Kita keine verlässliche Kinderbetreuung mehr.

Von Jutta Degen-Peters

Wegen akuten Personalmangels können viele Kinder dort nicht untergebracht werden. Mit einem Hilferuf haben sich jetzt einige Eltern an unsere Redaktion gewandt. Als Silberstreif am Horizont könnte sich ein Gespräch erweisen, das Anfang kommender Woche zwischen dem Verwaltungsrat der Kirchengemeinde und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel stattfinden soll.

„Wir wissen keinen Ausweg mehr“, klagen Eltern wie Jennifer Braun. „Wir werden einfach sitzengelassen, niemand hilft uns“, erklärte die Mutter einer einjährigen Tochter und eines fast sechs Jahre alten Vorschulkindes gegenüber unserer Zeitung. Auch Angela Bannier hat das Gefühl, im Regen zu stehen.

Schmerzgrenze ist erreicht

Auch sie hat zwei Töchter, eine davon ebenfalls im Vorschulalter. Wer wie der noch fünfjährige Sohn von Jennifer Braun „nur ein B-Paket ist“ – womit die Kinder oder Plätze gemeint sind, die eine Betreuung „nur“ von 7 bis 12 Uhr beanspruchen –, muss derzeit von den Eltern zu Hause betreut werden. Zu solchen Notmaßnahmen sind die Eltern auch bereit. Doch es gibt eine Schmerzgrenze. Und die sehen Eltern wie Braun und Bannier jetzt erreicht.

Das Problem bestehe schon seit Ende Juli, argumentieren sie. Und Eltern, bei denen sich Mütter um eine Berufstätigkeit beworben haben und Freiraum für Vorstellungsgespräche brauchen, blieben auf der Strecke.

Neue Leiterin gesucht

Mehrfach, so erklären die Mütter, seien in der Kita, die 75 Kinder von drei bis sechs Jahren betreut, mehrere Erzieherinnen krank geworden. Erst hätten zwei Kräfte gefehlt, dann abermals zwei Betreuerinnen, dann sei auch die Leiterin der Kita erst krank geworden und dann nicht mehr gekommen. Auf der Internetseite sucht die Kirchengemeinde nach einer neuen Leiterin. An die berufstätigen Eltern sei in dieser Situation die Bitte ergangen, sie sollten ihre Kinder anderweitig betreuen lassen, erklären die Mütter.

Ferner habe man einigen Eltern nahegelegt, sie sollten ihre Kinder vor Ablauf der Betreuungszeit um 17 Uhr abholen. Mütter wie Angela Bannier versuchten daraufhin, in anderen Kitas einen Platz für ihre zwei Töchter zu finden. Doch ohne Erfolg.

Das sagt der Kita-Träger

Auch ein Elternabend in der Kita brachte keine Lösung. Pfarrer Manuel Stickel als Vertreter des Kindergarten-Trägers, der gestern bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage unserer Redaktion antwortete, verwies bei dem Elternabend auf Vorstellungsgespräche, die derzeit geführt würden. Auch der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde, an den die HA-Fragen ebenfalls gingen, kann keine konkreten Antworten geben.

Fragen unserer Zeitung zu den Gründen für die Engpässe, die Frage nach einer Umverteilung der Kinder auf andere Einrichtungen oder konkrete Lösungsansätze beantwortete Dr. Emil Komo für den Verwaltungsrat St. Jakobus mit folgenden knappen Sätzen: „Es gibt sehr wohl Kooperationen sowohl mit der Stadt als auch mit anderen katholischen Kindergärten. Zurzeit finden weitergehende Gespräche zwischen dem Verwaltungsrat St. Jakobus und der Stadt Hanau statt, und wir hoffen, dass diese Anfang nächster Woche zu Ergebnissen im Sinne der von Ihnen gestellten Fragen führen.“

Geduld der Eltern ist am Ende

Viele Eltern verstehen nicht, weshalb es angesichts von Kooperationen zwischen kirchlichen und städtischen Kitas nicht möglich ist, die Kinder auf städtische Einrichtungen umzuverteilen. Dreiviertel der Kinder sitzen nach Schilderungen von Jennifer Braun und Angela Bannier wieder auf unbestimmte Zeit zu Hause.

Noch können die Mütter mit Unterstützung von Großeltern oder Freunden aushelfen, um die Engpässe zu überbrücken. Doch ihre Geduld ist am Ende. Wenigstens die Vorschulkinder, so finden sie, müssten auf andere Kitas aufgeteilt werden. Sie bräuchten ganz besonders dringend eine intensive Förderung, damit sie für die Schule vorbereitet werden.

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