Alle helfen mit: Caterina mit ihrem vier Monate alten Söhnchen Miguel und Oma Antonia, die mit ihren 59 Jahren selbst noch berufstätig ist. Drum wird die Schwiegermutter bei der Kinderbetreuung helfen. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau/Pollenca

Kinderbetreuung: Kaum bezahlte Elternzeit für Mütter auf Mallorca

Hanau/Pollenca – Für Caterina läuft die Zeit. Am 4. Juli fängt die junge Mutter wieder an zu arbeiten. Sie hat dann Nachtdienst in einer privat geführten Betreuungseinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein Job, der der Sozialarbeiterin immer Spaß gemacht hat.

Von Jutta Degen-Peters

Jetzt aber ist die Situation anders: Caterina hat einen Sohn bekommen, und der ist gerade mal vier Monate alt. „Nur noch knapp vier Wochen“, sagt sie. „Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen“.

Die 31-Jährige lebt mit ihrem Mann in dem rund 8900 Einwohner zählenden Städtchen Pollenca im Norden der Ferieninsel Mallorca, dort, wo auch Caterinas Eltern zu Hause sind. Sie muss ab 4. Juli zur Arbeit ins 20 Kilometer entfernte Inka pendeln. Ihr Mann Giusep arbeitet als Techniker in Alcudia. Dort leben auch Caterinas Schwiegereltern: „Wir haben Glück, dass meine Schwiegermutter gerade in Rente gegangen ist und sich um den Kleinen kümmern will“. So kann Caterinas Mann den Wonneproppen auf dem Weg zur Arbeit abliefern und danach wieder abholen.

Abstillen auf staatliche Verordnung

Den kleinen Miguel interessieren die Probleme der Mutter wenig. Er meldet sich gerade lautstark zu Wort, weil er Hunger hat. Noch darf er an Mutters Brust trinken. Aber damit ist bald Schluss: Zwar gewährt der Staat den Müttern nach Ablauf der viermonatigen Mutterzeit noch zwei Monate lang täglich eine Stunde Stillzeit, bei der sie sich aussuchen können, ob sie diese täglich nehmen oder an einem Stück als zusätzliche „Elternzeit“. Aber für viele ist diese tägliche „Lactancia“ unpraktisch. Bleibt also nur das Abstillen, quasi auf staatliche Verordnung.

Väter dürfen in Spanien übrigens auch Elternzeit nehmen. Früher waren es fünf Wochen, heute sind es acht. „Das hilft uns Müttern aber nur bedingt“, kritisiert Caterina. „Ein halbes Jahr mit dem Baby wäre schon schön.“ Sie selbst kann nur deshalb die ihr zustehenden vier Monate auf knapp fünf ausdehnen, weil sie noch alten Urlaub hat und die Stillzeit an einem Stück nimmt. Neidvoll erzählt sie von einer Freundin, die ebenfalls Mutter ist und es sich leisten kann, ein ganzes Jahr lang zu Hause zu bleiben. So lange kann man sich freistellen lassen.

Allerdings ist die Zeit nach den staatlich garantierten vier Monaten bei vollen Bezügen dann unbezahlte Zeit. „Das könne wir uns bei den Mieten und den Lebenshaltungskosten nicht leisten“, erklärt Caterina. „Wir müssen ja froh sein, dass wir Großeltern haben, die einspringen“, sagt die junge Frau. Andernfalls hätten sie und ihr Mann den Knirps in eine der beiden Kinderkrippen abgeben müssen, die es in Pollenca gibt.

Vorbereitung auf die Vorschule

Eine davon ist das Voliaina in einer ruhigen Seitenstraße der Stadt. 47 Kinder von null bis drei Jahren werden hier von sieben Mitarbeiterinnen betreut. „Die jüngsten Kinder sind vier Monate alt, wenn sie zu uns kommen“, erklärt eine der Mitarbeiterinnen. Das Gros ist zwischen zwei und drei Jahren. „Dann ist es den Eltern besonders wichtig, dass ihre Kinder auf die Vorschule vorbereitet werden“.

Die Mitarbeiterin, die wir Maria nennen, weil sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, weiß um die Probleme der Mütter, eine Kinderbetreuung zu finden. Und sie weiß auch, dass es hier noch häufig die Großeltern sind, die die Betreuung übernehmen. Nicht nur, dass es in der 8900-Einwohnerstadt nur zwei private Kinderkrippen gibt. Die Eltern müssen es sich auch leisten können, ihren Nachwuchs dorthin zu schicken.

Mittagessen kostet extra

190 Euro zahlen sie für einen Betreuungsplatz von 7.30 bis 17 Uhr. Mit Mittagessen, das die Chefin selbst in der Kita kocht, sind es noch einmal 100 Euro zusätzlich.

Die Eltern erhalten von der Zentralregierung monatlich 84 Euro pro Kind, wenn die Mutter berufstätig ist. Darüber hinaus gibt es keine Förderung. Und kommunale Kinderkrippen gibt es kaum. Zwar gebe es eine im benachbarten Puerto Pollenca, mit dem Pollenca zu einer Gemeinde zusammengefasst ist. In dieser 6600-Seelenstadt zahlten die Eltern für die kommunale Krippe aber denselben Beitrag wie für die private Krippe.

Im Voliaina in Pollenca gibt es eine Warteliste. Denn die Eltern schätzen an der Einrichtung, dass diese besonderen Wert auf die Pflege der örtlichen Traditionen legt. Hier werden gemeinsam Feste wie die Patrona besucht oder die für die Karwoche typischen Osterplätzchen zusammen gebacken. Im Sommer ist in den Krippen immer mehr los als im Winter, berichtet Maria. Denn viele Mütter sind im Tourismusgewerbe tätig und arbeiten im Sommer.

Kinder in Wintermonaten zu Hause

In den Wintermonaten, wenn sie dann mit der vom Staat gewährten Überbrückungsunterstützung auskommen müssen (je nach Job können das rund 400 bis 1000 Euro sein), behalten Sie ihre Kinder dann zu Hause. Caterina will die Zeit mit ihrem Söhnchen bis zum ersten Arbeitstag auskosten. Dass sie bei ihrem Job oft Schichtdienst hat oder nach Nachtdiensten ein, zwei freie Tage, verschaffe ihr zusätzliche Zeit mit dem Kleinen, ist sie überzeugt.

Ob sie schon darüber nachgedacht hat, später noch ein zweites Kind zu haben? Die Pollencinerin lacht. „Dafür ist es noch viel zu früh. Ich habe mir gerade einen Plastikchip zur Verhütung in den Oberarm einsetzen lassen. So kann ich stillen und muss mir darüber erst einmal keine Gedanken machen“.

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