Büffeln an der Uni, Bauklötze aufräumen im Kindergarten: Katrin Malesevic studiert in Darmstadt Sozialpädagogik und Management. 20 Stunden in der Woche verbringt sie dort, 20 Stunden im Familienzentrum der Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Foto: Mike Bender

Hanau

Kinderbetreuung: Katrin Malesevic absolviert ein Duales Studium

Hanau. Katrin Malesevic wusste schon in der Oberstufe, dass sie irgendwann einmal „was Soziales“ studieren möchte. Nach dem Abitur suchte die Aschaffenburgerin im Internet nach einem sozialen Studiengang – und wurde in Darmstadt fündig.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Heute studiert die 23-Jährige an der Internationalen Berufsakademie (iba) Sozialpädagogik und Management. Dreieinhalb Jahre dauert das Studium zum staatliche anerkannten Sozialpädagogen.

Die iba ist eine private Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe, die duale Bachelor-Studiengänge anbietet. Neben Sozialpädagogik und Management beispielsweise Betriebswirtschaftslehre mit den Fachrichtungen Hotel- und Tourismusmanagement, Sportmanagement oder Industrie und Handel.

Die Berufsakademie wurde 2006 als eine Kooperation aus der F+U Unternehmensgruppe und der BA Nordhessen von Hans-Dieter Sauer gegründet. Sie ist Teil der F+U Unternehmensgruppe, die ihren Sitz in Heidelberg hat und seit mehr als 30 Jahren auf dem Bildungssektor tätig ist. Die iba hatte am Anfang die drei Studienorte Darmstadt, Erfurt und Heidelberg, an denen rund 100 Studierende eingeschrieben waren. 2017 war die iba mit rund 1900 Studierenden an elf Studienorten bundesweit vertreten.

20 Stunden im Familienzentrum

Die Themengebiete im Studium von Katrin Malesevic sind breit gefächert – von der Flüchtlings- und Bewährungshilfe über die Schulsozialarbeit bis hin zur Arbeit mit Menschen mit Behinderungen oder in Kindertagesstätten. 20 Stunden pro Woche hat Katrin Malesevic Theorie, 20 Stunden Praxis. Die Einrichtungen, mit denen die Universität kooperiert, sind auf der Homepage gelistet. Die 23-Jährige suchte nach einer Station in der Nähe ihrer Heimatstadt – und fand die Kathinka-Platzhoff-Stiftung.

Hier hatte man bereits gute Erfahrungen mit dem Dualen System gemacht und nahm Malesevic unter Vertrag. Seit dem Wintersemester 2016 studiert sie und arbeitet 20 Stunden im Familienzentrum, einem von zwei Kindertageseinrichtungen, die die Stiftung betreibt.

Die junge Frau erhält ein Ausbildungsgehalt, von dem sie auch die Studiengebühren von 550 Euro pro Monat zahlt. „Das Gehalt orientiert sich an dem eines Erziehers im Anerkennungsjahr“, erklärt Wolfgang Zöller, der Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, auf Nachfrage unserer Zeitung. Katrin Malesevic, die aktuell noch bei ihren Eltern lebt, ist zufrieden mit der Vergütung, zumal sie auch weiß, dass es unter ihren 50 Mitkommilitonen einige gibt, die deutlich weniger Ausbildungsgehalt bekommen als sie.

Drei Tage ist die 23-Jährige in Hanau, zwei Tage in Darmstadt. Hier stehen Themen wie Diagnostik, Entwicklungspsychologie und Gesprächsführung auf dem Stundenplan, aber eben auch Management mit Rechnungswesen, Finanzierungsmodellen undamp; Co. „Der Rest ist Selbststudium“, sagt sie und lächelt. „Es ist abwechslungsreich, aber auch herausfordernd und anstrengend, weil man oft nach der Arbeit noch lernen muss.“

Erstes Elterngespräch

Im Familienzentrum ist Katrin Malesevic Teil der Pinguine, einer von insgesamt vier Gruppen, die es in der Einrichtung gibt. 15 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren werden hier betreut. Die junge Frau hat eine Anleitung vor Ort, eine Art Mentorin, mit der sie sich alle zwei Wochen eineinhalb Stunden bespricht – sowohl zu Themen im Haus als auch an der Universität. „Am Anfang habe ich nur beobachtet, um die Themen der Kinder zu verstehen“, erklärt Malesevic. Mittlerweile ist sie – gemeinsam mit einer Kollegin – im regulären Dienst. Kürzlich, als das Thema „Gespräch“ auch auf dem Uni-Stundenplan stand, habe sie ihr erstes Elterngespräch geführt. Die junge Frau ist stolz, dass sie immer mehr Verantwortung übernehmen darf.

Sie kennt aber auch die Kehrseite der Medaille. „Es gibt Mitstudierende, die wegen des Personalmangels voll mitarbeiten müssen. Dinge wie Anleiter-Zeit oder ein Austausch über das Studium gibt es nicht“, sagt sie. Malesevic mag ihren Job, die enge Zusammenarbeit mit den Jungen und Mädchen. „Es gibt hier verschiedene Dokumentationsverfahren und manchmal ist auch Zeit für eine 1:1-Betreuung.“

Abschlussarbeit Mitte des Jahres

Was die berufliche Zukunft bringt, weiß Katrin Malesevic, die sich ab dem fünften Semester ganz bewusst das Wahlpflichtfach „Bildung und Erziehung in der Kindheit und Jugend“ ausgesucht hat, noch nicht. Viele, sagt die Aschaffenburgerin, streben nach einer Leitungsfunktion, machen auch deshalb im Anschluss noch den Master. Der dauert zwei Jahre und hat im Schwerpunkt das Thema Management. Im klassischen Gruppendienst in einer Einrichtung sehen sich die wenigsten von Malesevics Kommilitonen.

Mitte des Jahres beginnt sie ihre Abschlussarbeit, dann heißt es erstmal praktische Erfahrungen sammeln – vielleicht im Kindergarten, vielleicht auch woanders.

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