Familie Blümler, das sind Mama Jördis, Papa Jean Henrik und die Kinder Theo (rechts) und Marina. In Sachen Kita hat Mutter Jördis einige Verbesserungvorschläge für die Stadt. Foto: Axel Häsler

Hanau

Kinderbetreuung Familie erzählt von ihren Problemen mit der Kita

Hanau. Von der Suche nach einer Kindertagesbetreuung für ihren Sohn Theo kann Jördis Blümler ein Lied singen. Als die junge Mutter mit ihrem Mann Jean Henrik 2012 von Köln nach Hanau zog, fand sie für ihren Sohn keinen Betreuungsplatz in der Grimmstadt. „Es war einfach kein Platz für Theo da“, erinnert sich die 36-Jährige.

Von Kerstin Biehl

Dem Paar blieb nichts anderes übrig, als ihren Sohn Tag für Tag mit nach Frankfurt zu nehmen, um ihn in der Betriebskrippe ihres Arbeitgebers betreuen zu lassen. „Jeden Tag ging es für uns mit der S-Bahn nach Niederrad. Ein Jahr lang. Es war eine Tortur“, sagt Blümler. Irgendwann streikte Theo. „Es ging einfach nicht mehr“, so die junge Mutter. Purer Stress seien diese Fahrten für den kleinen Kerl gewesen.

„Dann haben wir einen Brief an Oberbürgermeister Claus Kaminsky geschrieben und ihm die Situation geschildert. Wir haben einen Platz bekommen. In der Kita in Wolfgang“, blickt die Mutter zurück. Das war, als Theo zwei geworden ist. Eine enorme Entlastung für die Familie.

Fünf Gruppen mit 95 Kindern

Heute ist Theo vier. In die Kita in Wolfgang geht er noch immer. In der Einrichtung gibt es fünf Gruppen mit insgesamt 95 Kindern. Drei Vollzeitkräfte arbeiten dort, der Rest der Erzieher hat Teilzeitmodelle. „Das fängt ab fünf Stunden in der Woche an. Eine Erzieherin ist beispielsweise nur einen halben Tag in der Woche da“, erzählt Blümler. Das bewertet die junge Mutter als „sehr schwierig“. Vor allem für Kinder, die neu sind. „Die nehmen jemanden, der nur fünf Stunden in der Woche da ist, doch gar nicht als Erzieherin und Bezugsperson wahr“, sagt sie.

Blümler stellt den Sinn dieser Art von Teilzeitmodelle in Frage. Und regt sinnvollere Modelle an. „Wenn, dann müsste man ein solches Modell mit einer bestimmten, besonderen Aktivität verbinden. Also an den Tagen, an denen diese eine Erzieherin da ist, etwas Besonderes anbieten. Sodass die Kinder genau diese Erzieherin mit genau dieser besonderen Aktivität, diesem Highlight verbinden.“

Und Blümler hat noch weitere Verbesserungsvorschläge. Beispielsweise was die Erzieherausbildung betrifft. Blümler, die im Stadtelternbeirat engagiert war, würde dafür viel mehr Werbung machen. „Die Stadt Hanau hat sich ein wirklich gutes Ausbildungsmodell ausgedacht, das man so sicher auch in anderen Gemeinden anbieten könnte, um sich dort seinen Nachwuchs zu sichern.“

Drei Jahre klassische Erzieherausbildung

Die klassische Erzieherausbildung, die über fünf Jahre Schule und ein Anerkennungsjahr geht, hat die Stadt Hanau auf drei Jahre verkürzt. In Kooperation mit der Eugen-Kaiser-Schule wurde eine berufsbegleitende dreijährige Ausbildung konzipiert. „Daraus resultieren unheimlich gute Übernahmequoten, aber es genügt trotzdem nicht, um den Bedarf zu decken“, weiß Blümler.

„Ungerecht“ findet sie das Gehalt von Erziehern. „Diese Menschen tragen die Verantwortung für unsere Kinder. Damit wir arbeiten gehen können, bringen wir sie in die Kita. Die Arbeit von Erziehern sollte angemessen bezahlt werden. Wenn Männer den Beruf des Erziehers ergreifen sollten sie in der Lage sein, ihre Familie von dem, was sie verdienen, zu ernähren. Dafür wäre ich auch bereit, mehr Kita-Gebühren zu bezahlen“, sagt sie.

Gut findet sie, dass in der städtischen Kita stets frisch gekocht wird. Die Kinder dürfen dort der Hauswirtschafterin in der Küche auch über die Schulter schauen.

Seit vergangenem November wurde in der Kita in Wolfgang das sogenannte Raumöffnungskonzept eingeführt. Die Kinder können dabei selbst bestimmen, in welchem Raum innerhalb der Kita sie sich aufhalten wollen. Sie haben aber weiterhin eine feste Erzieherin als Bezugsperson, als Ansprechpartner. „Leider wurden die Eltern im Vorfeld nicht über diese Neuerung informiert. Das hat für Verwirrung gesorgt.“

Zu viel für den Sohn

Für ihren Sohn Theo sei das alles zu viel gewesen. Von seinem Kita-Tag habe der eigentlich gesprächige Junge so gut wie nichts mehr erzählt. „Mein Sohn war wütend auf die Kita. Jetzt ist es besser geworden. Das ganze Konzept war auch noch nicht so ausgeklügelt. Nach einem Leitungswechsel mit Erfahrung im Raumkonzept, wird es jetzt wesentlich besser. Und wird auch sehr gut von den Kinder angenommen.“

Lange Zeit waren Ausflüge in der Kita Mangelware. Auch das habe sich gebessert, mit der Verbesserung der Personalsituation. Nun stehen regelmäßige Ausflüge in den Wald oder auch mal ins Comoedienhaus an.

„Wenn man mehr Vollzeitkräfte hätte, könnte man noch viel mehr anbieten“, ist sich Blümler sicher. Gerade für die Kleineren. „Man muss die Teilzeitmodelle überprüfen, ob diese wirklich so tragbar sind und wenn, dann muss man diesen Erziehern genaue Aufgaben zuschreiben oder sie müssen als Springer fungieren.“

Flexiblere Betreuung

Blümler spricht sich zudem dafür aus, dass das Betreuungspaket-System flexibler gestaltet wird. Beispielsweise, dass ein Mittagessen auch für Vormittagskinder angeboten wird, deren Eltern in Elternzeit sind. Und der Fünf-Stunden-Rechtsanspruch sollte auch zu anderen Zeiten gelten, beispielsweise von 9 bis 14 Uhr satt nur von sieben bis 12 Uhr. „Man muss einfach andere Pakete schnüren.

Zusammenfassend befindet Blümler: „Die Kita-Betreuung in Hanau hat Potenzial nach oben. Wir sind hier auf einem guten Weg, aber auch die Eltern müssen mithelfen und mitgestalten. Die Arbeit darf nicht nur am Elternbeirat und den Erziehern hängen bleiben, die Eltern müssen sich dafür interessieren und sich einbringen. Mehr Engagement ist gefragt. Leider sind es immer nur dieselben Eltern, die sich engagieren. Das sollte es einem einfach Wert sein. Meiner Meinung nach könnte die Stadt mehr Geld verlangen und dafür mehr bieten. Das sollte es den Eltern wert sein.“

Inzwischen hat Theo eine kleine Schwester bekommen, Marina heißt sie und ist ein Jahr alt. Eine Hanauer Kita wird Marina nicht besuchen. Familie Blümler wird Hanau im Sommer den Rücken kehren. In Nidderau bauen Jördis und Jean Henrik derzeit ein Haus. Die Kita-Plätze dort hat das Ehepaar für beide Kinder bereits sicher. Die gab's quasi zum Grundstückserwerb dazu. Ab Mitte August werden Theo und Marina die dortige Kita besuchen.

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