Gute Laune garantiert: Die Tagesmütter Femia Brandt und Isabelle Hayn (rechts) sind wichtige Stützen im städtischen Kinderbetreuungsangebot. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Kinderbetreuung: Zu Besuch bei zwei Tagesmüttern aus Überzeugung

Hanau. Offenes Lachen, gewinnendes Wesen, lustig zwinkernde Augen – kein Wunder, dass Femia Brandt und Isabelle Hayn als Tagesmütter gefragt sind. Die beiden Frauen, die mit offenen Armen auf Fremde zugehen, tragen mit ihrer Arbeit seit über 20 Jahren dazu bei, dass die Kinderbetreuung für die Kleinsten gut funktioniert.

Von Jutta Degen-Peters

Sie gehören damit zum Fundament Hanaus als familienfreundlicher Stadt. Wer ihnen gegenübersitzt, spürt, dass sie diese Aufgabe mit Herzblut ausfüllen. Da brauchen sie gar nicht lange von ihrem bisweilen turbulenten Alltag zu erzählen.

Je vier Kinder zur Betreuung

Zurzeit betreuen Brandt und Hayn je vier Kinder zwischen einem und drei Jahren. Die Kiste mit dem Spielzeug in einer Nische im Wohnzimmer der Brandts, wo sich die beiden Freundinnen mit unserer Zeitung zum Gespräch treffen, vermittelt einen Eindruck davon, was dadurch zum Alltag gehört. Denn Spielen steht bei den Kleinen hoch im Kurs. Für Brandt und Hayn ist das Spielen nur eine von vielen Aufgaben, denen sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit widmen. Viele weitere kommen dazu. Wickeln, wenn die Knirpse noch Pampers tragen, Mittagessen zubereiten, Streit schlichten, mit den Kindern nach draußen gehen ins Grüne, singen tanzen und vieles mehr.

„Man muss alles können“, beschreiben die zwei ihre Arbeitsanforderungen. „Auch fit sein in Erster Hilfe, falls es mal einen Notfall geben sollte und halt einfach wissen, wie man mit Kindern umgeht.“ Es reicht also längst nicht aus, Kinder zu mögen oder selbst Mutter zu sein.

Im November haben Brandt und Hayn eine Prüfung abgelegt und unter Beweis gestellt, dass sie alles können, was als Rüstzeug nötig ist. „Das war für uns sehr aufregend“, erinnert sich Hayn, „obwohl wir schon so lange Tagesmütter sind.“ Aber jetzt mussten sie auch theoretisch unter Beweis stellen, dass sie alles drauf haben. Dazu gehörte eine 15-seitige Hausarbeit, mit der jede Absolventin und jeder Absolvent das eigene Betreuungskonzept erläuterte. „Außerdem mussten wir eine mündliche Prüfung bestehen“, ergänzt Brandt.

Eine echte Herausforderung

Selbst für alte Häsinnen wie die 52-jährige Brandt und die 53-jährige Hayn war das, wie sie sagen, nochmal eine echte Herausforderung. „Damit hat die Stadt uns 'Alte' auf den Stand der Neuen gebracht“, umreißen die Freundinnen den Grund für die Prüfung nach langjähriger Praxis.

Gerade erst wurden die Zertifikate von Bürgermeister Axel Weiss-Thiel übergeben. Unter den 77 Absolventen, die das Zeugnis in Empfang nahmen, war neben vielen Frauen sogar eine Hand voll Männer. Auch hier ist also die Gleichberechtigung auf dem Vormarsch, wenn auch ganz langsam. All diese Tagesmutter und -väter stehen bereit, wenn Familien Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen wollen oder müssen.

Für Brandt und Hayn war genau diese Vereinbarkeit von Elternschaft und Berufsalltag der Anfang ihres Tagesmütter-Daseins. Die 53-jährige Brandt war damals als Friseurin tätig und suchte nach Heirat und der Geburt zweier Kinder nach einem Weg, wie sie arbeiten und trotzdem für ihren Sohn und die Tochter da sein konnte.

Mutter zweier Kinder

Ähnlich erging es der heute 52-jährigen Hayn. Die Fremdsprachenkorrespondentin ist ebenfalls Mutter zweier Kinder, die heute mit 29 und 26 Jahren nur jeweils ein Jahr älter sind als die Sprösslinge ihrer Freundin in Femia. „Das hat prima gepasst“, findet Brandt, „so hatten unsere Kinder immer jemanden zum Spielen. Außerdem sind sie dadurch sozialer geworden“, ist sie überzeugt. Sie hätten besser teilen gelernt als nur mit einem Geschwisterkind.

Wenn neue Betreuungskinder kommen, gilt es erst einmal Vertrauen aufzubauen, dafür zu sorgen, dass die Kleinen sich in der zunächst fremden Umgebung wohlfühlen. „Wir behandeln die Kinder wie unsere eigenen“, sagt Hayn. Da ist es dann wenig erstaunlich, dass es oft Tränen gibt, wenn die Tagesmutterzeit vorbei ist und die Kleinen in die Kita wechseln. Denn häufig entsteht eine enge Bindung. „Wenn die Kleinen Nähe suchen, wollen sie kuscheln, wenn sie sprechen lernen, sind wir oft die Mama“, sagen die zwei Freundinnen.

Da braucht man Fingerspitzengefühl, damit sich die Mamas und Papas nicht zurückgesetzt fühlen. Doch in der Regel klappt das gut. Zu vielen Ehemaligen haben Brandt und Hayn heute noch Kontakt. Gerührt sind sie, wenn junge Leute anrufen, die als Kinder selbst betreut wurden und jetzt ihre eigenen Kinder anmelden wollen.

Alltagsbeginn meist um 6 Uhr

Der Alltag beginnt für Hayn und für Brandt meist um 6 Uhr. Aufstehen, mit dem Mann frühstücken sind der private Teil. Ab 7 Uhr werden die ersten Kinder gebracht. Dann gibt es Frühstück für die Kleinen und es geht danach, wann immer möglich, nach draußen. Treffpunkt ist häufig der Spielplatz in Wilhelmsbad. Bei schlechtem Wetter vergnügt sich die kleine Gruppe drinnen mit Basteln, Malen oder Spielen. Freitags zieht sie in den Kindergarten Fallbach, mit dem eine Kooperation besteht. Dort können die Größeren der Kleinen ausprobieren, wie es ist, in einer Kita zu sein.

„Diese Arbeit hält uns jung“, sagen Brandt und Hayn. Und wer sie sieht, glaubt ihnen das aufs Wort. Die Vielseitigkeit ihres Jobs umreißen sie mit den Worten „Man muss alles können“. Ob das auch zutrifft, testet der Fachbereich Kindertagesbetreuung immer wieder. Denn ab und zu gibt es unangekündigte Hausbesuche. Mal zwischendrin, mal zur Mittagszeit, wenn die Tagesmütter frisch Gekochtes auf den Tisch bringen. Ganz klar, dass jede über gesunde Ernährung genauso gut Bescheid wissen muss wie über den Begriff Kindeswohlgefährdung.

Regelmäßige Familiengespräche für Vertrauen

Regelmäßige Familiengespräche tragen ebenfalls dazu bei, dass es den Mädchen und Jungen bei den Tagesmüttern gut geht – und den Eltern damit genauso.

Wenn alles zur Zufriedenheit des Teams vom Eigenbetrieb läuft, wird die Pflegeerlaubnis alle fünf Jahre erneuert. Ein Gesundheitsattest sowie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis aller im Haushalt lebender Personen gehört übrigens auch noch zum Kanon. Genauso wie der Erste-Hilfe-Kurs, der alle zwei Jahre aufgefrischt werden muss.

Reich werden kann man als Tagesmutter nicht, betonen die beiden Frauen. Jede von ihnen bekommt 689 Euro monatlich pro Kind. Darin seien 250 Euro an Förderung über das Bambini-Geld enthalten. Damit ist alles abgegolten, von der Arbeit bis zum Essen. „Man muss es schon gerne mögen“, betonten Hayn und Brandt abschließend noch einmal.

Liebe und Geduld erforderlich

Liebe und Geduld brauche man, wenn man den Job machen will und manchmal auch starke Nerven. Und man darf sich nicht dran stören, wenn mal Spielzeug in der Wohnung liegt. Aber nach dem Spielen wird miteinander aufgeräumt. Dann lernen die Kinder das auch gleich.

Besonders schön finden Brandt und Hayn, dass die Älteren auf die jüngeren aufpassen und ganz stolz sind, wenn sie ihnen etwas beibringen können. Zum Beispiel das Tischdecken. Sie führten sich dann bisweilen auf wie eine kleine Hauspolizei.

Für Brandt und Hayn steht fest: Sie wollen noch so lange Tagesmutter bleiben, wie sie können und die Nerven dazu haben. „In unseren alten Job wollen wir nicht mehr zurück. Dafür mögen wir die Arbeit mit den Kindern viel zu gerne!“

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