Warten auf den großen Auftritt: Die Kinder der Kirchengemeinde St. Elisabeth werden heute um 15 Uhr vor der hölzernen Bühnenkulisse das Krippenspiel in der Kirche in Kesselstadt aufführen. Dabei wird nicht alles perfekt werden. Aber genau das macht den ganz besonderen Charme von Krippenspielen aus. Foto: Bergmann

Hanau

Kinder-Krippenspiel in Kesselstadt: Mit dem Navi nach Bethlehem

Hanau. Das Kinder-Krippenspiel der Kirchengemeinde St. Elisabeth lockt am heutigen Heiligabend mit seinem ganz besonderen Charme. Ein Besuch bei den Proben zeigte im Vorfeld: Die Darbietungen der Mädchen und Jungen werden nicht perfekt, dafür aber umso liebenswerter und rührender und sein.

Von Per Bergmann

Es ist kalt und wird langsam dunkel. „Die Nacht bricht herein“, während Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem sind und verzweifelt einen Unterschlupf für die Nacht suchen. Das Krippenspiel der Katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth erzählt die klassische Bibelgeschichte. Unter dem Titel „Alle Wege führen zum Kind“ lassen die jungen Regisseure zudem ihre eigenen Ideen einfließen, um die alte Botschaft in die Moderne zu führen.

„Die Grundgeschichte ist immer gleich. Es wird aber auch wieder einen neuzeitlichen Bezug geben“, erklärt Gemeindereferentin Margit Lavado. Sie organisiert und begleitet die seit November laufenden Vorbereitungen. In diesem Jahr nehmen 25 Mädchen und Jungen an der Aufführung teil. „Die Gruppe ist über die Jahre stetig gewachsen“, freut sich Pfarrer Andreas Weber. Mindestens ebenso erfreulich sei die Resonanz des Publikums. „Wir erwarten wieder rund 800 Zuschauer an Heiligabend.“

Raum für eine moderne Familie

Neben den zentralen Figuren des traditionellen Krippenspiels, schafften die Nachwuchsregisseure Raum für eine moderne Familie: Auf der Suche nach ihrem Hotel kämpft der Vater mit dem Navigationsgerät, während die Mutter einen Trolley hinter sich herzieht und die Kinder es gerne weihnachtlicher hätten. So spannt das Krippenspiel den Bogen zur Moderne. Wo die Familie am Ende landet, verrät der Titel des Stücks. Wie die Protagonisten auf diese Überraschung reagieren, das wird die Aufführung zeigen.

Verantwortlich zeichnen für die Inszenierung in diesem Jahr gleich vier junge Männer. Während sie früher als Schauspieler teilnahmen, sind sie seit mehreren Jahren für Regieführung, Technik und die Texte zuständig: Leon Herget, Jakob Ziegler, Julius Vitzthum und Mattis Muß. „Jeder von ihnen hat seine eigene Expertise“, erklären Susanne Muß und Andrea Herget, die sich seit rund zehn Jahren um die Betreuung der Kinder beim Krippenspiel kümmern.

Videoprojektion für die hinteren Reihen

Bei der Generalprobe am Freitag lief freilich noch nicht alles perfekt. Da fällt schon mal ein Teil der Kulisse um, wo eigentlich nur ein Vorhang gelüftet werden soll. „Die Könige müssen früher reinkommen“, „Spiel die Ansage des Navis nochmal ab“, weisen die Betreuerinnen ihre Schützlinge an. Ein Hirtenjunge, dessen Rolle „extra für den jüngsten Mitspieler eingebaut“ wurde, wie Leon Herget verrät, führt den Zeigefinger zum Mund und starrt einen Moment verlegen in die Luft, weil ihm sein Text nicht auf Anhieb einfällt.

Die jungen Darsteller im Alter zwischen fünf und elf Jahren werden am heutigen Montag wieder vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus spielen. Für die Zuschauer in den hinteren Reihen wird das Stück an die Wand hinter dem Altar projiziert. „So können alle Gäste das Stück ganz genau verfolgen und verpassen nichts“, erklärt Weber. Nicht nur bei der Videoprojektion greift die Krippenspiel-Gruppe auf moderne Technik zurück. Zum Bühnenbild gehört unter anderem ein elektrisches Lagerfeuer, einige Soundeffekte kommen vom Band. Für die eigentliche musikalische Untermalung sorgt jedoch – ganz traditionell – der 22-jährige Nachwuchsorganist Jan Windhövel.

Liebenswerter Anstrich

Nachdem die Kulisse in den vergangenen Jahren aus Pappe angefertigt worden war, feiert am heutigen Montag die neue, von Gemeindemitglied Oliver Taschke geschreinerte Holzkulisse ihre Premiere. Finanziert wurde sie durch Spenden von Gemeindemitgliedern. „Lediglich eine Herberge aus Pappe“ sei übrig geblieben, weiß Regisseur Herget. „Das Krippenspiel hat mittlerweile viele richtige Fans“, bemerkt Dechant Weber. Diese werden auch heute wieder einiges geboten bekommen. Dass beim Kinder-Krippenspiel nicht alles perfekt läuft, ist selbstverständlich. Genau genommen ist es diese Unvollkommenheit, die die Aufführung ausmacht, die ihr einen teilweise witzigen, in jedem Fall aber unglaublich liebenswerten Anstrich verpasst.

Das Krippenspiel in der Kirche St. Elisabeth, Kastanienallee 68, beginnt am heutigen Heiligabend, um 15 Uhr.

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