Nach Tod und Trauer keimt neues Leben: Die Drittklässler der Wilhelm-Geibel-Schule in Kesselstadt haben im Rahmen der Projektwoche „Hospiz macht Schule“ Blumentöpfe bemalt und bepflanzt. Dabei sollen die Kinder einen gesunden Umgang mit Trauer erlernen. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Kinder- und Jugendhospizdienst organisiert Projektwoche an WGS

Hanau. Fünf Vormittage lang hatten die Kinder der Klasse 3b die Chance, ihren Gefühlen und Erfahrungen über Krankheit, Trauer und Tod Raum zu lassen.

Von Ulrike Pongratz

Zu Gast in der Wilhelm-Geibel-Schule in Kesselstadt waren ehrenamtliche Mitarbeiter des Kinder- und Jugendhospizdienstes Hanau, die mit dem Projekt „Hospiz macht Schule“ die Grundschüler begeistern konnten.

Fröhliche Kinder präsentierten am Donnerstagvormittag stolz ihre selbstbemalten Blumentöpfe, die sie gleich eigenhändig bepflanzen sollten. Ein wenig ungeduldig, aber aufmerksam folgten sie den Anweisungen von Conny Neun, die kleine Bohnenpflanzen mitgebracht hatte. Am vierten Tag des Projekts stand das Thema „Traurig sein“ im Mittelpunkt.

Trauer positiv verarbeiten

Dazu hatte die Klasse von Claudia Hüser einen kurzen Film gesehen und anschließend brachte jedes Kind mit Fingerfarben seine Gefühle zum Ausdruck. „Das ist ein Klavier, das traurige Musik spielt,“ erklärte ein Schüler. Ein Mädchen sagte: „Ich fühle mich zerrissen. Deshalb hat mein Blatt einen Riss.“ Aber ein ganz weißes Blatt hing an der Leine im Klassenzimmer, für „die Leere, die man fühle“, ebenso wie eine farbige „Explosion der Gefühle.“

Die Struktur von „Hospiz macht Schule“ ist für fünf Schultage, von 8 Uhr morgens bis mittags 12.30 Uhr konzipiert, so Lisa Kaufer. Gemeinsam mit Cornelia von der Heide, Michael Kornherr, Hartmut Ehrich, Alexandra Zein und Jaklin Altu betreut sie die Drittklässler der Geibel-Schule. „Der strukturierte Ablauf gibt Sicherheit, lässt aber auch Freiraum für eigene Ideen.“ Zum festen Ritual gehört beispielsweise das Lied „Der Himmel geht über allen auf“, das immer zur Begrüßung und zum Abschied gesungen wird.

Projekt "Hospiz macht Schule" behandelt verschiedene Trauerthemen

Jedes Tagesthema ist mit einer Farbe verknüpft und gleichzeitig besitzt auch jede Gruppe eine Farbe. So steht Gelb für das Thema „Werden und Vergehen“, zugleich für den ersten Tag. Die gelbe Gruppe hatte an diesem Tag besondere Aufgaben, gearbeitet wurde mit Materialien aus der gelben Kiste. Das zweite Thema „Krankheit und Leid“ wurde durch Grün symbolisiert, „Sterben und Tod“ hatte am dritten Projekttag die Farbe Rot erhalten. Ein Arzt vom Palliativteam Hanau hatte die Kinder enorm beeindruckt, konnten sie doch hier alle Fragen stellen, auch so mutige wie: „Haben Sie schon jemanden sterben sehen?“

„Vom Traurig sein“ war das orangene Motto am Donnerstag und am letzten Projekttag stand das Thema „Trost und Trösten“ im Mittelpunkt. Die Schüler sehen Filme, reden im Stuhlkreis miteinander, sie arbeiten allein und auch in Kleingruppen. „Für jede Gruppe steht ein Ansprechpartner zur Verfügung“, sagte Klassenlehrerin Hüser, „da fühlen sich die Kinder mit ihren Gefühlen gut aufgehoben.

Die gesamt Klasse hat engagiert mitgearbeitet

Die ganze Klasse hat ganz toll mitgearbeitet.“ Als ‚lila Dame‘ steht zudem noch Conny Neun für Organisatorisches und Notfälle zur Verfügung. Bislang kommt nur die Wilhelm-Geibel-Schule in den Genuss des Projektes. „Uns fehlt die Kapazität“, sagt Kaufer, „wir machen das alles ehrenamtlich.“

Die Themen sind keine einfachen und verlangen von Kindern und Betreuern eine intensive Auseinandersetzung. Aus diesem Grund gab es auch nur eine einzige Hausaufgabe für die Schüler und die bleibt auch „zu Hause“. Wie produktiv die Klasse 3b während der Projekttage war, davon konnten sich Eltern am letzten Tag überzeugen. Die Arbeiten wurden vorgestellt und es wurde ein Abschiedsfest gefeiert.

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