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Handschellen als ständige Begleiter: Der 44-jährige Romano R. wird wohl auch künftig nicht wieder in Freiheit leben, sondern in der Justizvollzugsanstalt.

Angeklagter mit ungewöhnlichem Wunsch

Staatsanwalt fordert weitere vier Jahre Haft für notorischen Kriminellen

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Die Hälfte seines Lebens hat Romano R. bereits im Gefängnis verbracht. Nun muss er sich erneut vor Gericht verantworten. Mit einem ungewöhnlichen Wusch. 

Richter Dr. Niels Höra redet Klartext: „Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald nur noch das Instrument der Sicherungsverwahrung.“ Das würde bedeuten, dass Romano R. auf unbestimmte Zeit weggesperrt wird. Der 44-Jährige ist zudem, was man therapieunwillig nennt. So spricht R. einen Satz, den man nur selten von einem Angeklagten hört: „Ich will wieder zurück ins Gefängnis.“ 

Das verblüfft, denn eigentlich hat sich R. zu den Vorwürfen bislang gar nicht geäußert. Und eigentlich sind viele Straftaten, die Staatsanwalt Dr. Oliver Piechaczek dem Angeklagten vor der 7. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht vorwirft, ein Fall für das Amtsgericht: Sachbeschädigung, Diebstahl, leichte Formen der Körperverletzung sowie ausländerfeindliche Beleidigungen und ein verbotener Hitlergruß. 

Staatsanwaltschaft und Verteidiger liegen nicht weit auseinander

Doch es ist die Masse der Straftaten, die der gebürtige Hanauer bereits auf dem Kerbholz hat: Seit seinem 14. Lebensjahr sind es bereits 26 Verurteilungen, also fast jedes Jahr eine. Das Vorstrafenregister ist gigantisch. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird in der nächsten Woche die 27. Verurteilung dazukommen. 

Staatsanwalt Piechaczek fordert in seinem Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren. Denn in zwei der Vorwürfe sieht der Ankläger Raubstraftaten, weil er im Tümpelgarten einen Bekannten „besucht“ und bedroht sowie um zehn Euro erleichtert hat. Ein anderes Mal soll er einem Mann am Westbahnhof einen Rucksack entrissen und 400 Euro erbeutet haben. „Wir müssen in diesem Fall daran denken, die Gesellschaft zu schützen“, meint Piechaczek. R. sei ein notorischer Kleinkrimineller. „Aber unter Umständen kann da auch mehr passieren.“ Der Verteidiger hat nur marginale Änderungswünsche mit Blick auf die Taten. Seine Strafmaßforderung liegt nur ein halbes Jahr unterhalb der Forderung des Staatsanwalts. 

Gutachterin spricht von paranoider Schizophrenie

Zuvor bereits zeichnet die Oberärztin Eva-Catarina Janzen aus der Forensisch-psychiatrischen Klinik in Haina ein düsteres Bild des Angeklagten. R. habe eine paranoide Schizophrenie entwickelt und spüre die negativen Folgen des jahrelangen Drogenkonsums. „Er eskaliert sehr schnell, auch bei uns im Gutachtengespräch.“ 

Zudem sei der 44-Jährige, der kaum Schulbildung abbekommen habe, als „grenzbegabt“ einzustufen. Und er habe seltsame, teilweise sehr „schräge“ Vorstellungen. Der Hanauer Polizei geht R. beispielsweise ständig auf die Nerven, weil er sich als angeblicher Spitzel andienen will. „Er meint beispielsweise auch, er sei der Sohn von Yul Brynner“, so die Oberärztin, die gleich hinzufügt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass er es nicht ist.“ 

Therapie sei wegen Aussichtslosigkeit abgebrochen worden

Dennoch sehe sie keine Anhaltspunkte dafür, dass R. schuldunfähig sei, die Schizophrenie habe keinen Einfluss auf das kriminelle Verhalten. „Es sind seit 1991 insgesamt Eigentumsdelikte, Sachbeschädigungen, Drogenverstöße“, fasst sie zusammen. Bislang habe es „keine schweren Opferfolgen“ gegeben. Ihre Prognose im Fall einer Entlassung ist allerdings sehr schlecht, der Weg sei vorgezeichnet: „Er greift wieder zu Drogen, dann geht es mit der Geldbeschaffung weiter, also mit der Beschaffungskriminalität.“ 

Eine Therapie der Drogenabhängigkeit hält die Gutachterin wegen „mangelnder Aussicht auf Erfolg“ für nicht angebracht. R. war bereits aus einer Therapie rausgeflogen: „Abgebrochen wegen Aussichtslosigkeit“, heißt es zur Begründung. 

Die Strafkammer hat die Urteilsverkündung für Donnerstag, 30. April, um 9.30 Uhr anberaumt.

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