Christa Kleinhens wird nach fast 25 Jahren ihren Tante-Emma-Laden in Kesselstadt zum 1. März schließen. Foto: Habermann

Kesselstadt

Kesselstädter Tante-Emma-Laden schließt

Hanau. Es ist ein Verlust für den Stadtteil Kesselstadt und ein klein wenig auch für sie selbst: Christa Kleinhens schließt heute Abend ihren Zeitschriften- und Geschenkartikelladen in der Kastanienallee. Damit geht eine Ära zu Ende, die immerhin fast ein Vierteljahrhundert währte.

Von Rainer Habermann

Eine Ära deshalb, weil nun auch einer der letzten echten Tante-Emma-Läden in Hanau aufgibt. Gestern haben wir Christa Kleinhens in ihrem urigen Lädchen besucht. Heute gibt es noch ein Sektchen für die vielen treuen Kunden, dann ist um 18 Uhr Schluss.

„Ach, wissen Sie, ich habe mehr als 24 Jahre gerne hinter der Ladentheke gestanden“, sagt die 64-Jährige (im März feiert sie ihren 65. Geburtstag). Und wischt sich eine Träne aus den Augenwinkeln. „Aber irgendwann im Leben ist alles mal zu Ende. Meinem Mann geht es gesundheitlich nicht so gut, er hat früher ja auch hier mit mir im Laden gestanden. Jetzt werde ich viel mehr Zeit haben, mich um ihn zu kümmern.“

Kein Nachfolger gefundenSie habe schon als Kind selbst in diesem Lädchen an der Kastanienallee Ecke Remisenweg eingekauft, erzählt Kleinhens. Ursprünglich sei es aber eine Wohnung gewesen, und eine solche wird es wohl auch wieder werden. Jetzt, nachdem sie den Laden aufgegeben hat. Einen Nachfolger zu finden: Das hatte nicht gefruchtet. Obwohl ein interessiertes Ehepaar vor rund einem Jahr das Geschäft übernehmen wollte, wie Kleinhens weiter erzählt. Aber wie das so geht: Die Interessenten sind abgesprungen, es gab keine weiteren.

Die Kunden – die allermeisten kennt die Inhaberin seit vielen Jahren, sie kommen aus der Nachbarschaft im Stadtteil, denn Laufkundschaft ist hier eher rar – bedauern ausnahmslos die Geschäftsaufgabe. „Ich bin seit vielen Jahren fast täglich hier. Es war immer eine sehr ruhige, freundliche Stimmung, wo man auch mal einen netten Plausch halten konnte“, meint beispielsweise ein 74-Jähriger.

Stammkunden sind traurig„Wo hole ich jetzt morgens meine Zeitung, meine Zigaretten, meine Rosinenweck?“, fragt ein weiterer Rentner. „Und wo gebe ich meinen Lottoschein ab?“, folgt eine Dame, fast 90 Jahre alt.

Es sind überwiegend ältere Menschen, die die Stammkundschaft bilden. Zeitungen und Zeitschriften, Schul-, Bastel- und Malbedarf, aber auch Geschenkartikel, eine Papeterie mit Grußkarten, Pinseln und Malkarton, frische Schokobrötchen, einen Hermes-Paketshop: den hatte Kleinhens ebenfalls. Ein typischer Tante-Emma-Laden eben, wo die Leute gerne eingekauft haben. Aber darin liegt auch der Hund begraben: Reich wird man heute mit so einem Lädchen ganz sicher nicht. „Die jüngeren Frauen lesen keine Zeitung, allenfalls mal eine Illustrierte, und schreiben auch keine Grußkarten“, meint Kleinhens wehmütig.

Abschied tut wehDoch: Eine junge Mutter kauft auch ein. Zwar tatsächlich keine Zeitung, aber sie hält ein kleines Schwätzchen mit Kleinhens, ihre kleine Tochter guckt ganz fasziniert nach den Lollis, die es auch im Laden gibt. Pardon: ab heute gab.

„Eine Kundin hat mir zum Abschied einen 'Tränentröpfchenkuchen' gebacken, wie süß“, lächelt die Ladenbesitzerin, wieder mit einem selbigen in den Augen. Ja, Abschied tut weh. „Aber ich habe privat vorgesorgt, jahrzehntelang. So muss ich mir für die Zukunft keine ganz großen Sorgen machen. Außer um meinen Mann. Und so gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Das könnte Sie auch interessieren