Die dunklen Wolken haben sich verzogen: Die Elisabeth-Schmitz-Schule in Hanau-Wolfgang bleibt in der gegenwärtigen Form als Förderschule mit einer Abteilung für kmE (körperlich und motorisch beeinträchtigte) Schüler erhalten und muss keine Kürzungen befürchten. Archivfoto: Reinhard Paul

Hanau

Keine Kürzungen: Elisabeth-Schmitz-Schule kann aufatmen

Hanau. Der Kampf um den Erhalt der Elisabeth-Schmitz-Schule als Förderschule mit ausreichend Lehrern und Stunden auch für die „kmE-Schüler“, also Schüler mit körperlichen und motorischen Einschränkungen, hat sich gelohnt. Die Kürzungen sind vom Tisch.

Von Jutta Degen-Peters

In einem Brief, der die Schulleitung nach Informationen der Stadt jetzt erreichte, kündigte das Staatliche Schulamt des Main-Kinzig-Kreises die vollständige Rücknahme der angedrohten Kürzungen an. Die geplanten Ressourcenkürzungen – und damit verbundene Vergrößerung der Klassen und Reduzierung der Lehrkräfte – sind vom Tisch, auch für die kommenden Jahre seien keine „Korrekturen“ geplant, steht dort nach den Worten eines sichtlich zufriedenen Oberbürgermeisters Claus Kaminsky (SPD) geschrieben. Das Staatliche Schulamt war gestern Abend nach Eintreffen dieser Nachricht in unserer Redaktion nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

OB und Weiss-Thiel erleichtert

Der OB, Schuldezernent Axel Weiss-Thiel sowie die Kollegen vom Magistrat der Stadt zeigten sich laut Mitteilung hoch erfreut über die Neuigkeit: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wir haben gekämpft und gesiegt“, sagte der OB mit Blick auf die letzten Wochen. Schulleiter, Lehrkräfte, Eltern und Kinder der Förderschule in Wolfgang hatten mit allen Kräften versucht, die drastische Reduzierung der Zuweisung für Kinder mit dem Förderschwerpunkt körperlicher und motorischer Entwicklung (kmE) abzuwenden, die das Staatliche Schulamt kurz vor den Sommerferien angekündigt hatte.

Schüler und Eltern ließen nichts unversucht

Vor wenigen Tagen hatten die Schüler eindrucksvoll mit umgestürzten Rollstühlen ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Der stellvertretende Schulsprecher Luis Adam hatte sich unter anderem mit einer Unterschriftensammlung bei den Mitschülern engagiert. Auch die Eltern hatten nichts unversucht gelassen. Zuletzt hatte sich aus den Reihen der Mütter und Väter Alexandra Cremer vom Netzwerk Inklusion Frankfurt mit einem sachlich und fachlich ausgefeilten Schreiben für die Belange der Kinder und Jugendlichen eingesetzt.

Statt der bisher gültigen Bemessungsgrundlage von 4,9 Stunden für kmE-Kinder hatte das Schulamt künftig nur noch 1,5 Stunden wie bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen ansetzen wollen. Diese veränderte Bemessungsgrundlage hätte im konkreten Alltag bedeutet, dass nicht mehr acht, sondern 16 Kinder mit verschiedenen, zum Teil schweren Beeinträchtigungen in einer Klasse gemeinsam unterrichtet worden wären. Als Folge hätte die Klassenzahl an der Schule von bisher 18 auf zwölf reduziert werden müssen, was eine Verringerung der Anzahl an pädagogischen Fachkräften nach sich gezogen hätte.

Kaminsky wollte Verschlechterung der Qualität "nicht hinnehmen"

Mehrfach hatte der Magistrat der Schule seine Unterstützung zugesichert: „Es kann und darf nicht sein, dass das Staatliche Schulamt ein offensichtlich bestehendes Ressourcenproblem im Bereich der Inklusion zu Lasten der Elisabeth‐Schmitz-Schule und auf dem Rücken körperbehinderter Kinder mit Schwerpunkt Lernen zu lösen versucht“, hatte der OB erklärt und angedroht, man werde eine Verschlechterung der Qualität „der bisher hervorragenden sonderpädagogischen Arbeit vor Ort nicht einfach so hinnehmen“.

Kultusminister Lorz habe selbst seinerzeit öffentlich erklärt, so der OB in der gestern veröffentlichten Pressemitteilung, dass in Hessen Eltern mit einem Anspruch auf sonderpädagogische Förderung ihres Kindes die Aufnahme in eine Förderschule beantragen können.

Damit werde ein echtes Wahlrecht zum Wohle der Kinder geschaffen. Kaminsky zitiert den Minister mit den Worten: „Je nachdem, ob die Eltern für ihre Kinder eine Förderschule oder die inklusive Beschulung an der allgemeinen Schule wünschen, fließen die Förderschullehrerstellen an den jeweiligen Förderort. Damit geben wir eine passgenaue Antwort auf die Herausforderungen inklusiver Beschulung und agieren mit Augenmaß und dem notwendigen Verantwortungsbewusstsein.“

Einzige Förderschule dieser Art im Kreis

Für den Main-Kinzig-Kreis als bevölkerungsreichsten Kreis in Hessen ist die Entscheidung des Schulamtes, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen, von weitreichender Bedeutung. Schließlich ist die Elisabeth-Schmitz-Schule die einzige Förderschule dieser Art weit und breit. Die Anmeldezahlen sind mit über 150 fürs kommende Schuljahr auf einen neuen Rekord gestiegen. Auch Hanau wächst weiter und braucht auch für Schüler mit Handicap mehr Platz und mehr Lehrer.

„Wir sind sehr froh, dass sich das Staatliche Schulamt noch einmal mit dem Kultusministerium ausgetauscht und die geplanten Kürzungen zurückgenommen hat!“, sagte der OB. Er dankte auch dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Christoph Degen, für seine tatkräftige Unterstützung.

Degen: Argumente haben überzeugt

Degen erklärte gestern ebenfalls seine Erleichterung über die Rücknahme: „Hier haben die guten Argumente überzeugt“, sagte er auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung. Wenn sich Eltern bewusst für eine Förderschule entschieden, müsse der Vertrauensschutz auf Basis der zugesagten Klassenbgrößen gewährleistet sein.

Auch Anne-Dorothea Stübing habe sich als Vorsitzende des Schulausschusses beim Treffen mit Vertretern von Schulamt und Kultusministerium energisch für die Schmitz-Schule eingesetzt. In seinen Dank schloss der OB auch das Kultusministerium ein, dass im Sinn der Kinder doch noch eingelenkt habe.

Schulentwicklungsplans herbeiführen. Man sei derzeit im Dialog mit Kultusministerium und Schulamt, um aus der Förderschule mit einer kmE-Abteilung künftig eine Schule mit den zwei Schulzweigen Lernförderung sowie kmE zu machen, so der OB und Weiss-Thiel abschließend.

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