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Wer einen Kaffee trinken will, muss auch im Café „Henri und Leo“ seine Daten auf einem Kontaktformular hinterlassen. Julia Kolb (links).

Gäste beschweren sich

Kein Kaffee ohne Daten: Nicht nur bei „Henri und Leo“ in der Hammerstraße ärgern sich Kunden über die Kontaktformulare

  • Jutta Degen-Peters
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Mittwoch, Markttag. An Tagen wie diesen herrscht normalerweise Hochbetrieb. Nicht nur auf dem Pflaster in der Fußgängerzone in der Hammerstraße, sondern auch bei „Henry und Leo“, der Bäckereifiliale mit Café, die Jochen und Julia Kolb dort Ende 2017 eröffnet haben.

Auch am Mittwoch ist in der Stadt mehr los als noch vor ein paar Tagen – doch die Corona-Hygienevorschriften sorgen nach wie vor für einen Betrieb „mit gebremstem Milchschaum“. Die Tatsache, dass alle Kunden, egal ob draußen oder drinnen sitzend, ihre Daten auf einem Kontaktformular hinterlassen müssen, hält neben den allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen und gesundheitlichen Bedenken noch zusätzlich manchen Gast ab.

Inhaberin Julia Kolb hält sich sorgfältig an die Vorschriften. Nicht nur, dass ihr derzeit unter Kurzarbeitsbedingungen arbeitendes Team nur drei Kunden gleichzeitig in den Verkaufsraum einlassen darf (nur mit Maske, versteht sich) und der Zugang zum Café mit Tischen zu einem schmalen Gang verengt ist. Die Mitarbeiterinnen müssen auch von jedem Besucher, der drinnen oder auch draußen an einem reduzierten Tische verweilt, die Daten auf Kontaktformularen festhalten. 

Ärger über Gastronomen, die sich nicht an die Regelungen halten

Der Kunde, der in dem Selbstbedienungscafé seine Bestellung aufgibt, erhält zu seinem Tablett mit Cappuccino und belegten Brötchen ein Kontaktformular, in dem er Namen und Adresse notieren muss. „Das gefällt natürlich nicht jedem“, zeigt Julia Kolb Verständnis für den Unmut manches Kunden. Es gebe Besucher, die bei der Aufforderung, ihre Daten zu hinterlegen missmutig das Café verließen. „Ich frage auch ungern nach den Daten, wenn sich der Vater mit zwei kleinen Kindern mit zwei Käsestangen ganz kurz draußen bei uns hinsetzen will. Aber es ist nun mal Vorschrift“, sagt sie. 

Ärgerlich findet sie, dass sich offenbar nicht jeder Gastronom an diese Regelungen halte. Denn sie bekomme immer wieder von Kunden erklärt, dass das in den Außenbereichen anderer Cafés nicht verlangt werde. Ihre Beschwerde bei Hanau Marketing oder beim Bürgertelefon sei offenbar im Sande verlaufen. Denn nach wie vor erhalte sie unterschiedliche Rückmeldungen. Natürlich halten wir uns an die Vorgaben, denn am Ende wäre ich als Inhaberin noch Schuld, wenn Kontaktpersonen nicht ausfindig zu machen wären. Froh ist sie über ihre Idee, von den Stammkunden ein Karteikästchen anzulegen. Wer dreimal täglich vorbeikomme, müsse auf diese Weise nur seinen Namen auf dem Formular festhalten. Das stimme so manchen Gast versöhnlich. 

Gastronomen wollen alle möglichst gut durch die Krise kommen

Dass sie über die unterschiedliche Handhabung der Regeln verärgert ist, ist nachvollziehbar. Schließlich hat auch „Henri und Leo“ durch Corona einiges an Einbußen zu verzeichnen. Während des Lock-Downs waren es laut Julia Kolb 50 Prozent des Umsatzes, der in der Filiale Hammerstraße mit dem Verkauf noch gemacht wurde. Seit der Öffnung des Cafés am 15. Mai stehen drinnen nur noch zehn Tische. Die Geschäftsfrau zückt einen 1,50 Meter langen Holzstab und demonstriert, wie der Abstand zwischen den Tischen sein muss. „Statt sonst 68 haben wir jetzt genau 34 Plätze“, sagt Kolb. Und jemand müsse ein Auge drauf haben, dass die Gäste die Tische nicht zusammenrücken und sich die Singles an die kleinen Tische setzen und nicht größere Tische blockieren.

 Ein „Corona-Törtchen“ oder ein „Krisen-Brot“ gibt es bei Kolbs nicht. „So lustig ist das ja alles nicht, als dass wir mit einer solchen Kreation darauf reagieren müssen“, sagt Julia Kolb. Sie – und mit ihr viele Gastonomen – hofft einfach, dass alle möglichst gut durch diese Krise kommen. Beim Blick durch die großen Scheiben des Cafés erhält diese Hoffnung Nahrung: Denn in der Fußgängerzone sind viel mehr Menschen unterwegs als noch vergangene Woche. Und für das Pfingst-Wochenende erwarten die Kolbs auch angesichts des schönen Wetters einen regen Besuch.

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