In Hanau werden derzeit insgesamt nur vier Frühchen behandelt. Alle neuen Fälle kommen an Kliniken in Offenbach, Frankfurt und Aschaffenburg unter. Symbolbild: Pixabay

Hanau

Keim: Fragen und Antworten zur Frühchen-Station am Klinikum Hanau

Hanau. Seit dem Ausbruch des Darmkeims vor über zwei Wochen nimmt die Frühchen-Intensivstation am Klinikum keine neuen Patienten auf. Vier Kinder hatten sich angesteckt, eines befand sich am Freitag in unverändert kritischem Zustand.

Von Christian Dauber

Während die Suche nach der Ursache in Hanau läuft, kümmern sich Krankenhäuser in Offenbach, Frankfurt und Aschaffenburg um neue Frühchen beziehungsweise ihre schwangeren Mütter. Wir beantworten Fragen zur aktuellen Situation.

Wie viele Stationen für Frühchen gibt es am Klinikum Hanau?Es gibt am Klinikum eine neonatologische Station. (Neonatologie: Frühchen-Intensivstation).

In welchen Fällen müssen Frühchen auf der Intensivstation behandelt werden?Alle Frühgeborenen, die vor Vollendung der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, werden nach Auskunft von Klinikums-Sprecherin Janina Sauer auf der neonatologischen Station aufgenommen.

Wie viele Frühchen befinden sich derzeit noch auf der Frühchen-Station am Klinikum?Über das Frühgeborene mit dem Keim hinaus würden derzeit vier weitere Kinder aufgrund ihrer Frühgeburt weiter im Klinikum betreut, erläutert Sauer. Das schließe auch die drei als ausgeheilt geltenden Kinder ein.

In welchen Krankenhäusern werden neue Frühchen-Fälle aufgrund des Aufnahmestopps derzeit behandelt?Im Umkreis sind nach Auskunft aus Hanau außerdem das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau, das Sana-Klinikum Offenbach, und in Frankfurt am Main das Bürgerhospital, die Uniklinik und das Klinikum Frankfurt-Höchst Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe (Level eins, siehe Kasten). Die Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen böten ein Perinatalzentrum Level zwei.

Wie viele Patienten wurden seit Bekanntwerden des Keims überwiesen?Nach Auskunft des Klinikums wurden bisher 20 schwangere Frauen, bei denen eine Frühgeburt im Raum stand, an die umliegenden neonatologischen Fachabteilungen überwiesen.

Woher erfahren Mütter mit Frühchen, dass sie in Hanau nicht behandelt werden können?„Risikoschwangere, deren Kinder nach der Geburt möglicherweise neonatologisch betreut werden müssen, verweisen wir an die oben genannten Kliniken“, erläutert Sprecherin Sauer. Geburten ab der 36. Schwangerschaftswoche seien davon nicht beeinträchtigt. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe stelle hier weiterhin die Versorgung sicher.

Sorgt das Klinikum nach der Geburt eines Frühchens für den Transport in eine Ausweichklinik?Seit der Aufnahmestopp verhängt wurde, seien im Klinikum keine Frühgeborenen mehr zur Welt gekommen. Unvorhersehbare Notfälle würden durch das Team der Neugeborenen-Intensivstation weiterhin kompetent versorgt, so Sauer. Sei eine stationäre Behandlung notwendig, betreue das Team der Neugeborenen-Intensivstation die Verlegung in ein adäquates Krankenhaus.

Wie groß ist die Kapazität der Frühchen-Station in Hanau, und wie viele Frühchen werden im Schnitt pro Jahr behandelt?Laut Sprecherin Sauer können auf der Station bis zu 20 Neu- und Frühgeborene versorgt werden. Pro Jahr werden etwa 400 Kinder neonatologisch stationär behandelt. „Als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level eins) sind wir auch auf die Versorgung kleinster Frühgeborener ab der Grenze der Lebensfähigkeit (24. Schwangerschaftswoche) und deutlich unter 1000 Gramm spezialisiert“, erläutert Sauer. In den vergangenen beiden Jahren seien jeweils über 30 solcher Kinder versorgt und behandelt worden.

Wie viele Ärzte und weitere medizinische Kräfte sind auf der Station im Einsatz?Gemäß den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses ist die Station ärztlich im Drei-Schicht System besetzt. Neonatologen (Spezialisten für die Versorgung von Früh- und Neugeborenen) leiten laut Sprecherin Sauer die Station und stimmen die Behandlung auf die kleinen Patienten ab. Unterstützt würden diese von Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern, die ebenfalls im Drei-Schicht-System arbeiteten. Zusätzlich leiteten zwei speziell ausgebildete Neonatalbegleiterinnen die Eltern bei der Pflege und dem Umgang mit ihrem Kind an. Sie stünden den Familien mit Rat und Tat zur Seite.

Welche Erkenntnisse zur Ursache des Keim-Ausbruchs gibt es bereits?Hierzu erklärt Sprecherin Sauer: „Zur Identifizierung der Infektionsquelle sind die Ergebnisse zeitaufwändiger (molekularbiologische, genetische) Untersuchungen notwendig. Viele Befunde dieser Untersuchungen stehen derzeit noch aus.“

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