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Kaum Vorlauf bei Warnstreiks: Dezernent und Verdi reagieren

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Wenn Erzieherinnen streiken, haben viele Eltern Verständnis. Doch wenn sie ohne Vorwarnung vor verschlossenem Kindergarten stehen, hört der Spaß auf. Mit Blick auf bevorstehende Warnstreiks hoffen Eltern auf bessere Informationen. Archivfoto: Paul
Wenn Erzieherinnen streiken, haben viele Eltern Verständnis. Doch wenn sie ohne Vorwarnung vor verschlossenem Kindergarten stehen, hört der Spaß auf. Mit Blick auf bevorstehende Warnstreiks hoffen Eltern auf bessere Informationen. Archivfoto: Paul

Großauheim. In der Regel bieten kommunale Einrichtungen bei regulären (und vorher bekannten) Streiks Ausweichmöglichkeiten an. Bei Warnstreiks reicht dazu aber oft der Vorlauf nicht aus. Seinem Ärger über dieses Problem beim Warnstreik am 23. März hat ein Vater in Mails an Gewerkschaft und die Stadt Luft gemacht.

Von Jutta Degen-Peters

Durch den unangekündigten Warnstreik in der Kita Marienstraße Ende März standen die Eltern der Kitakinder ratlos vorm Eingangstor. Dort hing lediglich ein Schild mit der Aufschrift „Dieser Betrieb wird be-streikt“. Darüber hinaus gab es keine Angaben über die Dauer der Gewerkschaftsaktion.

Vor dem Hintergrund, dass weitere Warnstreiks angekündigt sind, richtete Vater Markus Fritsch Fragen an den Oberbürgermeister, die Leitung des Eigenbetriebs Kindertagesbetreuung, die Kita-Leitung und die Gewerkschaft Verdi, Bezirk Hanau und beschwerte sich über die Vorgehensweise.

Eltern werden vor vollendete Tatsachen gestelltEr befürworte absolut eine angemessene Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher und habe auch Verständnis für einen Streik als letztes Mittel, schreibt der Großauheimer. Doch bezeichnet er es als Unverschämtheit, dass die Eltern der Marienstraßen-Kita-Kinder ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Zwar habe die Presse von bis einem bis 10 Uhr befristeten Warnstreik berichtet. Da aber an der Kita keinerlei Hinweis über die Dauer des Ausstandes zu finden gewesen sei, habe er mit seiner Frau kurzfristig eine private Betreuungslösung organisieren müssen.

Der Gewerkschaft Verdi wirft der Vater vor, diese habe den Eltern mit der Geheimhaltung des Termins einen Bärendienst erwiesen und sie „ins offene Messer laufen lassen“. Die Gewerkschaftsmitglieder seien offenbar zwar informiert, aber angehalten worden, nicht über Details mit den Eltern zu sprechen. Diesen Vorwurf weist die Pressestelle von Verdi in Frankfurt zurück. Es sei richtig, dass über Warnstreikaktionen nicht lange im Vorfeld hingewiesen werden könne. Doch seien im konkreten Falle Verdi auch für eine kurzfristige Vorwarnung die Hände gebunden gewesen: Die Leitung der Kita habe der Gewerkschaft im Vorfeld untersagt, Elternbriefe in der Kita aufzuhängen mit dem Hinweis, allein das Kita-Personal informiere die Eltern. Bei anderen Kitas waren die Eltern rechtzeitig am Tag vor dem Warnstreik aufgeklärt worden, nicht aber in der Marienstraße.

Sozialdezernent wirbt bei den Eltern um VerständnisDer für die Kitas zuständige Dezernent, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, warb um Verständnis und beantwortete die Fragen schriftlich. In der Regel „und bei richtigen Streiks, denen eine Urabstimmung vorausgeht“, gebe es Notdienstvereinbarungen. Da solche Ausstände kurz vorher bekannt gegeben würden, könnten die Eltern auf Schließungen hingewiesen werden, die Kinder würden dann auf andere Einrichtungen verteilt.

Im angesprochenen Fall sei der Anruf mit der Vorwarnung von Gewerkschaftsseite erst nach Schließung der Kitas erfolgt. Einrichtungen, die nach Schließung noch ihre Dienstbesprechungen abhielten, hätten die Eltern noch über ihre Privathandys informieren können. In der Kita Marienstraße aber sei die Leiterin krank gewesen, was die Lage verkompliziert habe. Die angesetzte Dienstbesprechung sei deswegen ausgefallen.

Idee: Streikhinweise über digitale InformationsstrukturDen Vorschlag des Vaters, die Eltern „über eine digitale Informationsstruktur“ auf dem Laufenden zu halten, will der Dezernent aufgreifen. So könnten diese via Whatsapp, über Telefonketten – wie dies bereits praktiziert werde – oder über die Homepage aufgeklärt werden. Weiss-Thiel gibt aber zu bedenken, dass auch die Mitarbeiter, die diese Homepage pflegten, unter Umständen ihr Streikrecht wahrnehmen könnten.Abschließend weist Weiss-Thiel darauf hin, dass im Laufe des Aprils erneut mit einem weiteren Warnstreiktag zu rechnen sei, und empfiehlt, sich über die Medien zu informieren. Die Verdi-Pressestelle kündigte gestern für kommende Woche ab Dienstag Warnstreikaktionen in hessischen Städten an. Vermutlich werden diese gegen Ende der Woche stattfinden. Gerüchten zufolge stellen sich die Mitarbeiter kommunaler Einrichtungen auf einen Warnstreik am Freitag, 13. April ein.

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