Wildlebende Katzen werden auch im Hanauer Stadtgebiet zunehmend zum Problem. Die Stadtverordnetenversammlung diskutierte daher jetzt über eine Katzenschutzverordnung. (Foto: Pixabay)

Hanau

Dem Katzenelend begegnen

Hanau. Hanau boomt. Doch nicht nur die Zahl der menschlichen Einwohner nimmt zu, auch die der Katzen. Eine sprunghafte Vermehrung wildlebender Katzenpopulationen macht nicht nur den Mitarbeitern des Tierheims Hanau Kopfzerbrechen. Nun debattieren die Stadtverordneten über die Kastration wild lebender Streuner.

Von Jutta Degen-Peters

Das Thema beschäftigte die Stadtverordnetenversammlung. „Es gibt immer mehr Katzenkolonien“, erklärte gestern der Leiter des Tierheims Hanau, Daniel Gimbel, auf Anfrage unserer Zeitung. In Hanau gebe es viele Plätze, an denen sich 25 und mehr Streuner aufhielten, oft würden sie von Bürgern gefüttert. Und sie vermehrten sich weiter.

Katzenthematik im Hauptausschuss

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, müssten die wild lebenden Katzen kastriert werden. Das Tierheim Hanau bemüht sich darum, fängt frei laufende Katzen ein und lässt sie kastrieren und impfen. Doch es sind zu viele. In diesem Jahr hat das Tierheim allein für die Kastration von Fundkatzen rund 10 000 Euro ausgegeben (weitere 5000 bis 8000 Euro kamen an Kosten für den Tierarzt, das Impfen und Chippen hinzu). Deshalb baten die Mitarbeiter die Politik und die Verwaltung um Hilfe.

In der Stadtverordnetenversammlung stand aus diesem Grund der Tagesordnungspunkt „Kastration freilaufender Katzen“ zur Diskussion. Ob Katzenhalter künftig dazu verpflichtet werden, ihre Katzen, die sich im Freien bewegen, zu kastrieren, wird nun auf einstimmigen Beschluss des Stadtparlaments hin im Haupt- und Finanzausschuss behandelt.

Katzenelend nimmt zu

Eine halbe Million Streuner seien in Hessen unterwegs, zitierte Oberbürgermeister Claus Kaminsky aus einem Artikel der FAZ, der just am Tag der Stadtverordnetenversammlung erschienen war. Das Thema sei also wichtig. Doch um die Dimension geradezurücken, ergänzte er, dass von 426 Kommunen in Hessen bislang 18 eine Katzenschutzverordnung beschlossen haben. Ob sich auch Hanau eine solche Verordnung gibt, wird sich zeigen.

Das Katzenelend in Hanau, so begründete die CDU-Fraktionsvorsitzende Isabelle Hemsley für ihre Partei den Antrag, nehme zu. Die Streuner litten an Krankheiten und Parasiten, die auch die Menschen bedrohten. Aus diesem Grund fordern die Christdemokraten nicht nur, dass Katzenhalter (wozu auch jene gerechnet würden, die freilaufende Katzen regelmäßig fütterten) ihre Vierbeiner kennzeichnen und kastrieren lassen müssten. Die Zuwiderhandlung sollte als Ordnungswidrigkeit mit Geldstrafen geahndet werden.

Keine Ausnahme für Rassekatzen

Das Tierheim Hanau, so Hemsley weiter, sei bereits jetzt überfüllt. Der Tierheimleiter bestätigt, dass sich derzeit 35 Katzen im Tierheim Hanau befinden, davon 28 Fundtiere, zum größten Teil verwildert. Darüber hinaus gebe es Katzenkolonien an Orten, an denen die Vierbeiner von den Menschen gefüttert würden. Dazu zähle in Hanau etwa der Bereich rund um die August-Schärttner-Halle, wo sich rund 100 Tiere aufhielten. Doch nach Schätzungen liefen auch in Klein-Auheim und Steinheim bis zu 120 streunende Katzen herum, in Wolfgang, Großauheim, auf dem Campo Pond-Gelände oder im Bereich der ehemaligen Kasernen der US-Army gibt es seinen Worten nach weitere Kolonien. Christa Martin, die anregte, den Antrag der CDU im Ausschuss unter Teilnahme der Experten aus dem Tierheim behandeln zu lassen, übte lediglich an einem Punkt im CDU-Antrag Kritik. Für Rassekatzen dürfe in punkto Kastrationspflicht keine Ausnahmen gemacht werden, argumentierte sie und erhielt dafür Beifall.

Zuschuss von 100 000 Euro

Eine Anfrage der Alternativen Linken Fraktion beschäftigte sich mit demselben Thema. Sie wurde vom OB beantwortet, der die Zuständigkeit der Stadt Hanau für Fundtiere bestätigte. Die gesetzliche Aufgabe wird für die Stadt vom Tierheim Hanau wahrgenommen, dem zu diesem Zweck das städtische Tierheim überlassen wird und das für die Unterbringung der Tiere einen jährlichen Zuschuss von 100 000 Euro erhält. Doch Fundtiere sind nicht identisch mit wildlebenden Katzen. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs gibt es keine Verpflichtung für Kommunen, sich um wildlebende Katzen zu kümmern.

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