So sieht das Schild aus, das Unternehmen mit ausgebildeten Demenzlotsen kennzeichnet. Nina Basteck, Demenzexpertin beim Malteser-Landesverband, Sabine Kroh von den Maltesern Gründau-Lieblos, der Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, Wolfgang Zöller und Simone Brill von der Familienakademie (von links) stellten das Projekt vor. Foto: Degen-Peters

Hanau

Kathinka-Platzhoff-Stiftung und Malteser bilden Demenzlotsen aus

Hanau. Der Kontakt zu Menschen für demente Menschen zum Problem werden – vor allem dann, wenn die Gesprächspartner ratlos oder genervt reagieren. Das zu ändern hat sich die Kathinka-Platzhoff-Stiftung auf die Fahnen geschrieben, die jetzt gemeinsam mit dem Malteser-Hilfsdienst Demenzlotsen ausbilden will.

Von Jutta Degen-Peters

Beginnen soll das Projekt mit einem ersten (bereits ausgebuchten) Kurs am 17. April. Weitere Kurse sind in Vorbereitung. „Uns ist dieses Thema ein echtes Anliegen“, sagte gestern der Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, Wolfgang Zöller, bei einer Pressekonferenz im Familienzentrum, wo die Kurse auch stattfinden werden. An all den Orten, die von Demenzkranken aufgesucht würden, solle es einen Ansprechpartner geben, der wisse, wie man adäquat mit solchen Menschen umgeht.

Als Partner hat sich die Stiftung den Malteser-Hilfsdienst ausgesucht, der in Limburg das Projekt der „Demenzlotsen“ ins Leben gerufen hat. In der Domstadt bereichern seit drei Jahren geschulte Lotsen das öffentliche Leben, im letzten Jahr folgte Marburg diesem Beispiel. Darauf war das Team der Hanauer Stiftung aufmerksam geworden und will nun auch in der Goldschmiedestadt für den richtigen Umgang mit desorientierten Menschen werben.

Haltung soll sich ändern„Wir wollen mit den Kursen die Haltung der teilnehmenden Menschen verändern“, sagt Nina Basteck, beim Maltester Hilfsdienst Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland zuständig für die Abteilung Demenz und Leben im Alter. Denn die Einstellung oder Haltung sei wichtiger als die Methode. Viele Menschen wüssten nicht, wie sie sich gegenüber Menschen mit einer Demenzerkrankung verhalten sollten.

In den Kursen werden die Teilnehmer also zunächst darüber informiert, wie Demenz Menschen und deren Verhalten verändert. In Rollenspielen erfahren die Teilnehmer, wie sich jemand fühlt, der ständig missverstanden oder korrigiert wird. Über diese Erfahrung können die künftigen Lotsen leichter lernen, wie sie einen dementen Gesprächspartner dorthin führen können, wohin sie ihn haben möchten.

Zudem werden die künftigen Lotsen darüber aufgeklärt, welche Hilfesysteme es in Hanau bereits gibt, erklärt Basteck. Zum besseren Verständnis des Problems konstruierte Wolfgang Zöller eine fiktive Situation, bei der im Stadtladen ein verwirrter Besucher Blumen kaufen möchte.

„Widerspruch oder das Korrigieren des Gesagten führen nicht weiter“In solchen Situationen sei es wichtig, sich auf die Lebenswelt des dementen Menschen einzulassen. „Widerspruch oder das Korrigieren des Gesagten führen nicht weiter“, so Basteck. Es gehe darum, sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen und dem Gegenüber schließlich den Weg zum Wochenmarkt oder zum nächsten Blumengeschäft zu weisen.

Die Kurse bringen nach der Erfahrung der Malteser in mehrere Richtungen Erfolge. Nicht nur, dass sich die Sensibilität gegenüber Menschen erhöht, die sich anders verhalten. Wenn ein Unternehmen einen Demenlotsen in seinen Reihen habe, sei dieser als eine Art „kleiner Sozialarbeiter“ Ansprechpartner für Kollegen. Nicht nur, dass diese dann eher bereit seien, auch private Erfahrungen mit dem Thema zu teilen. Sie könnten dann die Expertin oder den Expertin in schwierigen Situationen auch zu Hifle rufen.

Weitere Kurse in Planung16 Teilnehmer aus Unternehmen mit Publikumskontakt wie Hanauer Straßenbahn GmbH, Stadtverwaltung und Sparkasse Hanau haben sich für den ersten Kurs angemeldet. Die Teilnehmergebühr konnte dank der Förderung durch die Kathinka-Platzhoff-Stiftung von 90 auf 20 Euro pro Person reduziert werden. „Wir fördern die Kurse, die Arbeitgeber investieren die Arbeitszeit ihres Mitarbeiters“, erklärt Zöller. Weitere Kurse im April und im November sind in Planung.

Unternehmen, die Demenzlotsen in ihren Reihen haben, können ihr Haus mit einem von den Maltesern entworfenen Aufkleber kennzeichnen. „Wir hoffen, dass sich auch Demenzkranke, die sich oft sehr abkapseln, durch dieses Projekt wieder mehr nach draußen trauen“, erklärten Simone Brill von der Familienakademie und Christina Hehn-Reis vom Fischerhaus übereinstimmend. Menschen mit Demenz sollten so wieder in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden.

Anmeldungen und Infos gibt es auf der Homepage. www.kp-famlienakademie.de

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