"Hanau ist mir fast zur Heimat geworden": Katharina Schmidt, schon oft bei den Festpielen zu sehen, spielt die Lotte in "Die Leiden des jungen Werther". Foto: Axel Häsler

Hanau

Katharina Schmidt ist wieder in Hanau zu sehen

Hanau. Auf die klassischen Frauenfiguren scheint sie fast schon abonniert zu sein: 2014 schlüpfte die Schauspielerin Katharina Schmidt bei den Hanauer Brüder-Grimm-Festspielen in die Rolle des Käthchens in Kleists „Käthchen von Heilbronn“.

Von Jutta Degen-Peters

Ein Jahr darauf war sie in der Rolle der Luise Millerin in Schillers „Kabale und Liebe“ zu sehen und 2016 als Viola in Shakespeares „Was ihr wollt“. Damit nicht genug, denn nachdem sie 2017 das Gretchen in Goethes „Faust“ mimte, kehrt sie nach einer Auszeit im vergangenen Jahr nun nach Hanau zurück, um die Rolle der Lotte in „Die Leiden des jungen Werther“ zu übernehmen.

Darüber freut sie sich sehr: „Ich hab' in Hanau schon fast eine Heimat gefunden und die Festspiele schon ein bisschen vermisst!“, stellt die gebürtige Darmstädterin fest, die in Mainz aufgewachsen ist. Gerade hat sie ihren 31. Geburtstag gefeiert. Am kommenden Montag kann sie mit den Ensemble-Mitgliedern noch einmal darauf anstoßen. Dann nämlich kommen alle Dasteller zur ersten Probe zusammen. Am Freitag, 19. Juli, ist die Premiere in der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

Probe und Premiere nah beisammen

Dass erste Probe und Premiere so eng zusammenliegen, ist für die junge Frau kein Problem. „Das Drei-Personen-Kammerspiel ist für die anderen ja eine Wiederaufnahme“, erklärt sie beim Gespräch vor einer der Aufführungen, zu der sie zwischen Terminen in Stuttgart und ihrem Urlaub extra angereist ist. Als Vorbereitung auf die Lotte schaut sie sich die Videoaufzeichnung der letztjährigen Inszenierung an und hat sich in den vergangenen Wochen durchs Textbuch gearbeitet.

Dabei stellte sie fest, dass sich ihre Sicht im Laufe der Jahre komplett verändert hat. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie in der Schule mehrfach mit dem Werther in Berührung kam und als Schülerin von dem „Gesülze über unerfüllte Liebe“ genervt war. Heute sieht sie in Lotte eine spannende Figur. Die Lebenserfahrung – „man hat selbst schon geliebt“ – und die Frau zwischen zwei Männern fasziniere sie.

Während sie von ihrer neuen Rolle spricht, kommt Werner Tritzschler an den Bänken vorm Amphitheater vorbei. „Haben wir uns überhaupt schon mal bei Tageslicht gesehen?“, fragt der Festspiel-Neuling. Schmidt muss bei der Antwort passen. Doch von der Bühne kennen sich die beiden. Und wahrgenommen haben dürfte Tritzschler die Kollegin auf jeden Fall schon. 2015 stand sie im Rampenlicht, als sie den Darstellerpreis für ihr Käthchen von Heilbronn erhielt.

Oft für Klassiker angefragt

Dass Schmidt schon so oft für die Klassiker angefragt wurde, schmeichelt der Wahl-Frankfurterin. Sie kann aber auch anders. Unter anderem war sie in Rotkäppchen zu sehen (2016) oder spielte die Gretel in „Hänsel und Gretel“. Gerade ist in Stuttgart in der gekonnt mit allerlei Klischees spielenden Komödie „Wir sind die Neuen“ zu sehen. Dort spielt sie eine frustrierte Jura-Studentin, die sich mit flippigen Alt-Achtundsechzigern konfrontiert sieht. Von diesem locker-leichten Stoff nun einzutauchen in die Geschichte um Moral und Gefühl im 18. Jahrhundert, macht für Schmidt einen besonderen Reiz ihres Berufes aus.

Dabei schätzt sie die poetische Sprache Goethes und Sätze wie „Ich bin in einen sonderbaren Zustand geraten“ als Beschreibung der Zerrissenheit Lottes zwischen dem braven und verlässlichen Albert und dem leidenschaftlich-ungestümen Werther. „Eigentlich ist die Geschichte sehr modern“, findet sie. „Zwischen zwei Männern zu stehen, das wird es immer geben, solange es die Liebe gibt.“

Dass Katharina Schmidt vor fünf Jahren nach Hanau kam, hat sie Freunden zu verdanken. Ein Jahr nachdem sie ihren Abschluss an der Wiesbadener Schauspielschule in der Tasche hatte, habe sie einen Anruf von Intendant Frank-Lorenz Engel erhalten, ob sie Interesse an der Rolle des Käthchens habe. Die Aussage ihrer Schauspielkollegen, „Da bist du wie gespuckt für“, hätte sie bewogen, zum Vorsprechen nach Hanau zu fahren. „Ich habe ganz locker vorgesprochen und sehr geringe Erwartungen gehabt. Und es hat geklappt!“

Zusatzvorstellung

„Die Leiden des jungen Werther“ im Rahmen der Reihe „Junge 'Talente“ ist sechsmal in der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche zu sehen. Doch nur für die Zusatzvorstellung am Dienstag, 23. Juli, 20 Uhr, gibt es noch Karten. Unter anderem im Hanau-Laden, Am Freiheitsplatz 3.

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