Intendant Frank-Lorenz Engel (links) und Oberbürgermeister Claus Kaminsky stellten im Schloss Phillippsruhe die Bilanz der Festspiel-Saison 2019 vor. Foto: Mike Bender

Hanau

Karten für Brüder-Grimm-Festspiele werden teurer

Hanau. Nach der Festspielzeit ist vor der Festspielzeit. Getreu diesem Motto stellten Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Intendant Frank-Lorenz Engel am Donnerstagabend im Schloss Phillippsruhe die Bilanz der Saison 2019 vor.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

In Zahlen heißt das: 106 Vorstellungen, 81 119 Besucher (279 weniger als 2018), Ausgaben: 1,78 Millionen, Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring, Förderung, Spenden und städtischem Zuschuss: 1,68 Millionen. Defizit: 98 813 Euro.

Der Grund: Das Musical „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“, das grundsätzlich die höchsten Produktionskosten aller Stücke hat, habe sich nicht so gut verkauft wie erhofft, so Kaminsky. „Dass es einen kleinen Abrieb geben würde, haben wir vorhergesehen“, erklärt der Kulturdezernent und weiter, „aber wir bereuen nichts.“ Nur 20 458 Zuschauer wollten die „Weltenwandler“ sehen, fast 7000 weniger als in der Musical-Bilanz („Dornröschen“) des vergangenen Jahres.

Defizit und Kostensteigerungen ausgleichen

Um dieses Defizit auszugleichen und die Kostensteigerungen – von Strom über Wasser bis Schauspielergagen – aufzufangen, werden die Preise, die Verantwortlichen hatten es bereits bei einem Pressetermin Ende Juni angedeutet, zur kommenden Saison in allen Kategorien steigen, nur die Schülervorstellungen bleiben unverändert bei fünf Euro pro Kind.

Eingeführt wird zudem ein Abonnement, mit dem sich 20 Prozent sparen lassen. Wer Karten für alle vier Vorstellungen kauft, kommt in den Genuss dieses Rabatts und hat ein Vorkaufsrecht für die besten Plätze. Der Vorverkauf startet laut Mitteilung der Stadt im Oktober.

Kaminsky begründet die Erhöhung auch auf die Wiedereinführung des RMV-Komibtickets, das vor einigen Jahren abgeschafft worden war. Eine Festspielkarte berechtigt neben dem freien Eintritt ins neue Mitmach-Museum ab 2020 auch wieder dazu, den RMV kostenfrei zu nutzen. Im Vergleich zu anderen Festspielstädten wie Bad Vilbel, Dreieichenhain oder Heppenheim seien die Eintrittspreise in Hanau auch nach der Erhöhung am günstigsten, so der OB.

Letzte Preiserhöhung 2016

Letztmals waren die Preise zur Saison 2016 erhöht worden, damals in manchen Kategorien um annähernd 50 Prozent. So kostete die teuerste Karte für eine Musical-Aufführung 2015 an der Tageskasse noch 23,50 Euro. Ab kommender Saison legt der Zuschauer pro Musical-Ticket in der Kategorie I insgesamt 39 Euro auf den Tisch. Stadt und Festspiele kalkulieren 2020 mit Mehreinnahmen von 200 000 Euro. Der städtische Zuschuss bleibt unverändert bei 375 000 Euro. Durch die Erhöhung der Ticketpreise gibt es zudem keinerlei Umschichtungen oder Veränderungen im Hanauer Kulturhaushalt.

Man sei, so der OB, auf dem richtigen Weg, Hanau als Brüder-Grimm-Stadt auch überregional zu positionieren. Neben den Festspielen als Aushängeschild habe es 2019 weitere Meilensteine gegeben: das neue Museum „GrimmsMärchenReich“ und das HANAUER Märchenfest, das im Mai Tausende Besucher anlockte. Damit auch im Herbst Festspiel-Flair aufkommt, soll das Musical „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ an mehreren Terminen im Oktober auf der Leinwand des Kinopolis Hanau zu sehen sein. Wer dann immer noch nicht genug hat von den Stücken 2019, kann sie sich – pünktlich zum Weihnachtsgeschäft – als DVD kaufen.

Blick in die nächste Spielzeit

Frank-Lorenz Engel ist längst mittendrin in der Vorbereitung für die 36. Spielzeit. Diese wird am 15. Mai 2020 eröffnet. Für die bis zum 26. Juli andauernde Saison hat der Intendant „Das tapfere Schneiderlein“ als Musical (Premiere: 15. Mai), „Schneeweißchen und Rosenrot“ aus der Feder des stellvertretenden Intendanten Jan Radermacher als Familienstück mit Musik (Premiere: 6. Juni) und für die Reihe „Grimm Zeitgenossen“ den Klassiker „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist (Premiere: 23. Mai) ausgewählt. Geht es nach Engel, wird für das Stück eine Art All-Star-Festspiel-Team auf der Bühne stehen.

Ein Novum bildet die Inszenierung von „Der Rattenfänger von Hameln“ (Premiere: 13. Juni): Erstmals wird eine Sage den Stoff für eine Festspiel-Produktion liefern. „Die Brüder Grimm haben nicht nur Märchen, sondern auch Sagen gesammelt und aufgeschrieben. Wir wollen die Festspiele mit dem 'Rattenfänger' nun auch um dieses Genre erweitern“, erklärte Engel.

Kinder und Jugendliche machen mit

Das Buch zum „Rattenfänger“, das in der Hanauer Version ein Happy End verspreche, schreibt der Österreicher Stephan Lack, der in dieser Saison als Autor des „Schneewittchens“ verantwortlich zeichnete. Engel und Kaminsky freuen sich besonders darauf, dass an der Produktion auch zahlreiche Kinder und Jugendliche aus Hanau und der Region mitwirken – und hoffentlich viele neue Besucher ins Amphitheater locken werden: „Auch das ist eine Premiere für uns“, so Engel, der hofft, die Brüder-Grimm-Festspiele auf diesem Weg noch stärker in die Stadt hineinzutragen.

Noch offen ist, welches Stück im Rahmen der Reihe „Junge Talente“ gezeigt wird. „Alle Grimm-Stoffe sind Auftragsarbeiten. Wir engagieren Autoren und Komponisten eigens für die Stücke, die wir hier auf die Bühne bringen. Damit garantieren wir Exklusivität für die Zuschauer, die das Märchen in dieser Form, mit diesem Text und dieser Musik wirklich nur in Hanau sehen“, erläuterte der Intendant. Das Libretto zum Musical wird im kommenden Jahr von Daniel Große Boymann entwickelt. Marian Lux übernimmt die Komposition, nachdem er bereits 2018 die Musik für „Dornröschen“ schrieb, das gegenwärtig als Gastspiel der Festspiele am Deutschen Theater München zu sehen ist.

Weitere Gastspiele

Engel zeigte sich auch erfreut darüber, dass die Zahl der Gastspiele weiter wächst: Neben dem Deutschen Theater München werden die Festspiele im April auch am Kleinen Theater in Bonn-Bad Godesberg zu sehen sein. Dort mit der Produktion „Die Leiden des jungen Werther“, die 2018 und 2019 in der Reihe „Junge Talente“ in Hanau zu sehen war und in beiden Jahren restlos ausverkauft gewesen ist.

„Auch die wachsende Nachfrage nach Gastspielen zeigt ganz deutlich, dass wir auf dem richtigen Kurs sind“, freute sich der OB. Vor dem Hintergrund dieser Gesamtentwicklung sei die Preiserhöhung auch gerechtfertigt und „im Rahmen“.

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