Beate Funck (links) und Ncole Rautenberg hatten bei der Vernissage mindestens genauso viel Spaß wie Karol Majewski selbst. Foto: Habermann

Hanau

Karol Majewski stellt Bilder im Foyer des Comoedienhaus aus

Hanau. Jeder Besucher von Veranstaltungen im Wilhelmsbader Comoedienhaus muss, bevor man ein Konzert oder Theater genießt, in der kleinen Gastronomie im Foyer einen oder auch mehr Blicke auf die Wände „verschwenden“. Die Werke Antonia Feind-Tromkes sind abgenommen, Karol Majewski hängt jetzt dort. Genauer: seine Bilder.

Von Rainer Habermann

„Ich lasse mich nicht gerne in Schubladen packen. Aber wenn Sie ‚Krolismus’ schreiben, dann lache ich gerne genau so laut darüber wie wahrscheinlich Ihre Leser.“ Soviel zur stilistischen Einordnung der Bilder vom Künstler selbst, dem 29-jährigen Mitglied der Gesellschaft Steinheimer Kunstschaffender (GSK). Und so viel auch zum Thema Humor, den Majewski leidenschaftlich mit dem Verfasser teilt.

„Der Krol sitzt unterm Rhythmuskuchenbaum der Ewigkeit und trinkt Whiskey“: Der Titel der Ausstellung, die das Comoedienhaus bis in den Herbst hinein jetzt zieren wird, ist mit gleichem Augenzwinkern gesetzt. Karol und Krol: ein Schelm, der dabei bloß an eine Abkürzung denkt.

„Morgen wird’s besser: aber nicht von alleine“Großformatige, teils wandfüllende Leinwände, kaschiert im rahmenlosen Rahmen (den eigentlichen bildet der Raum), gemalt mit Acrylfarbe, Spraydose, Pinsel oder Händen und „gekleckst“, mit mehr oder weniger versteckten Texten der Marke „Morgen wird’s besser: aber nicht von alleine“.

Über die Qualität der Bilder zitiert Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck in ihrer Laudatio bei der Vernissage am Freitagabend die Journalistin Andrea Pauly, die im HANAUER ANZEIGER geschrieben hatte: „Wenn dieser Sog auf die Augen den Betrachter dann in seinen Bann gezogen hat, erschließen sich unzählige stilistisch ganz unterschiedliche Details, die zusammen ein kontrastreiches und genreübergreifendes Gesamtkunstwerk des jungen Künstlers bilden. Eines Malers, Sprayers, Zeichners, der selber immer wieder überrascht ist, wie sehr seine Bilder Menschen berühren und begeistern.“

Funck ist angetanDem hat selbst Funck wenig hinzuzufügen, außer: gemeinsam mit Majewski und der Ideengeberin zur Ausstellungsreihe im Comoedienhaus, Nicole Rautenberg, sich an den Händen zu fassen, sich zu verbeugen, herzhaft und ausgiebig und lachend zu strahlen.

Rautenberg ist Geschäftsführerin des Congress Park Hanau (CPH) und seit einiger Zeit ebenfalls des Comoedienhauses. Ihre Idee, die Reihe „Kunst im CPH“ auf das Scheunentheater in Wilhelmsbad auszudehnen, dürfte nicht nur bei Funck, sondern wohl auch beim Publikum der schnuckeligen Klein- und Großkunst-Bühne auf ungeteilte Zustimmung treffen. Das zeigte sich in der Vergangenheit, bei Feind-Tromke –es wird sich in der Zukunft weiter beweisen müssen.

Majewski sorgt eigenhändig für die GegenwartZu Beginn der Sommersaison und spätestens, wenn dann im Spätsommer die Bilder von Karol Majewski in der Reihe „Kunst im Comoedienhaus“ abgehängt werden. Und Werke der „Pupille“-Künstlerin Martina Roth die Wände des kleinen Cafés im Foyer schmücken werden. Deren Vernissage steht bereits fest: am 31. August um 18 Uhr. Vielleicht erzeugt dann das Fehlen der bunten, ausdrucksstarken Bilder Majewskis, auf denen es immer etwas Neues zu entdecken gibt, lässt man sich entsprechend Zeit zum Betrachten, eine gewisse Wehmut beim Publikum? Das ist Zukunftsmusik. Für die der Gegenwart sorgt Majewski eigenhändig.

Bei seiner Vernissage trafen nämlich auch ganz andere Facetten des jungen, sympathischen Künstlers mitten ins Publikum (das Foyer war, gelinde gesagt, proppevoll): seine Musikalität. Zusammen mit dem Gitarristen Sven Beer und dem Sänger Sebastian Zeh (Redakteur unserer Zeitung) bewies Majewski – ebenfalls auf der Gitarre – seine Qualitäten im „New Folk“; wenn man denn Schubladen bedienen möchte.

Künstler dankt seiner MutterWem er das alles zu verdanken hat? „Meine Mutter unterstützt mich seit vielen Jahren, vielen Dank dafür!“, sagt Karol bei der Vernissage. Zu Dank verpflichtet sei er ebenfalls den Kolleginnen und Kollegen der GSK, von deren Erfahrung er viel profitiert habe. „Wenn ich die Idee zu einem Bild habe, weiß ich meist, wo es hingehen soll“, erklärt der „fast 30-Jährige“ gebürtige Warschauer (30? Eine Zäsur? Majewski grinst).

„Dann aber kommt viel Improvisation hinzu, wie in der Musik. Ich habe noch nie ein Bild strikt durchgeplant. Wenn ich in zehn, 20 Jahren meine heutigen Bilder noch einmal irgendwo sehe, dann hoffe ich: ich bin nicht auf dem gleichen Stand geblieben“, grinst Majewski eulenspiegelhaft. Entwicklung besteht niemals aus Stillstand, seine Gestaltungskraft lässt diesen aber kaum befürchten. Davon kann seine Frau ein Lied singen, während der Vernissage: „Pinsel im Waschbecken, Leinwände an allen Wänden. Nur die Dusche ist noch frei.“ Ein Künstler durch und durch, eben.

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